Die Sonne spiegelt sich in einem Brunnen im Schilde-Park im osthessischen Bad Hersfeld.
Die Sonne spiegelt sich in einem Brunnen im Schilde-Park im osthessischen Bad Hersfeld. Bild © picture-alliance/dpa

Während im Werra-Meißner-Kreis die Menschen besonders mit Überalterung und Wegzug der Jungen zu kämpfen haben, sorgen sich in Hersfeld-Rotenburg viele um die Jobs beim Konzern K+S. Auch Windräder sind ein Thema.

Die größten Herausforderungen

Der Werra-Meißner-Kreis hat mit dem demographischen Wandel zu kämpfen. Viele junge Menschen ziehen weg, um woanders zu arbeiten und die Bevölkerung überaltert. Damit verstärken sich auch die strukturellen Probleme auf den Dörfern. Die Menschen machen sich Sorgen um die ärztliche Versorgung, ihre Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Nahversorgung. Viele Häuser stehen leer und lassen sich nur schwer verkaufen.

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Im Kreis Hersfeld-Rotenburg sorgen sich die Menschen um tausende Arbeitsplätze beim Konzern K+S und die Umweltbelastung durch den Kali-Bergbau. Viele lehnen Windkraftanlagen in der Nähe von Siedlungen ab. Wie an anderen Orten macht sich der demografische Wandel bemerkbar - vor allem durch den überdurchschnittlichen Rückgang der Bevölkerungszahlen.

Die Ausgangslage

Im Wahlkreis 169 sind rund 180.000 Menschen wahlberechtigt. Der Wahlkreis gilt als "rote Ecke Hessens". Traditionell wird hier SPD gewählt. In der Vergangenheit entschieden sich aber auch viele Wähler bei den Direktkandidaten für die CDU. Bei der Bundestagswahl 2013 lag Michael Roth (SPD) mit 43,1 Prozent der Erststimmen vor seinem CDU-Herausforderer Helmut Heiderich mit 40,5 Prozent. Heiderich konnte zum dritten Mal über die CDU-Landesliste in den Bundestag einziehen. Die Wahlbeteiligung lag 2013 bei knapp 73 Prozent. Roth vertritt die Bürger seit 1998 im Bundestag.

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Der Wahlkreis im Kurzporträt

Der Wahlkreis besteht aus zwei Landkreisen: Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg. Der Werra-Meißner-Kreis ist ländlich geprägt, man setzt auf Tourismus: Die Urlauber machen Ferien auf dem Bauernhof, besuchen Tier- und Naturparks, wandern, fahren Rad durch Felder und Wiesen und Kanu auf der Werra. Oder sie bummeln durch romantische Fachwerkstädte wie Bad Sooden-Allendorf. Der Kreis Hersfeld-Rotenburg hat sich dagegen in den vergangenen Jahren zu einer Logistikhochburg entwickelt. Die Autobahnen A7, A5 und A4 und der Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkt Bebra spielen dabei eine große Rolle. So haben sich im Kreisgebiet zahlreiche Firmen angesiedelt, die Waren nach ganz Europa verteilen. Amazon hat hier zum Beispiel das größte Logistikzentrum des Internetkaufhauses in Deutschland gebaut. Wichtig für den Kreis ist außerdem der Kali-Bergbau an der Werra durch die Firma K+S. Aber Natur und Landschaft bringen auch viele Touristen hierher. Und allein die traditionsreichen Bad Hersfelder Festspiele locken jedes Jahr rund 100.000 Besucher an.

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Wer sind die Direktkandidaten?

Sieben Kandidaten gibt es im Wahlkreis. Roth (SPD) stellt sich in diesem Jahr zum sechsten Mal zur Wahl. Die Christdemokraten setzen 2017 auf einen neuen Kandidaten. Timo Lübeck wirbt um die Wähler und will per Direktmandat in den Bundestag. Für Die Linke kandidiert Sabine Leidig. Sie sitzt seit 2009 in Berlin und ist Spitzenkandidatin ihrer Partei in Hessen. Manfred Lister von der FDP stellt sich zum zweiten Mal zur Wahl. Zum ersten Mal kandidieren Martina Selzer von Bündnis 90/Die Grünen, Emmanuel Anyangwe Ngassa (FWG) und Stefan Wild von der AfD.

Die Topthemen vor der Wahl

Gerade weil im Wahlkreis der Tourismus eine wichtige Rolle spielt, reagieren die Bewohner sensibel auf Umweltveränderungen. Besonders die Pläne zum Ausbau der Windkraft und die Werraversalzung durch den Kasseler Konzern Kali und Salz (K+S) sehen viele kritisch. So haben sich Bürgerinitiativen gegründet, um Windkraftanlagen in der Region zu verhindern. Die Bürger befürchten, dass das schöne nordhessische Landschaftsbild durch die Windräder zerstört wird und somit Touristen ausbleiben könnten.

Das sind die wichtigsten "Köpfe"

Michael Roth vertritt den Wahlkreis seit knapp 20 Jahren (1998) im Bundestag und ist ein politisches Schwergewicht in der hessischen SPD. Von 2009 bis 2014 war er Generalsekretär des Landesverbandes, legte dieses Amt aber nieder, da er seit Ende 2013 als Staatsminister für Europa Mitglied in der Bundesregierug ist. Die Linken-Kandidatin Sabine Leidig ist im Bundesvorstand ihrer Partei und hessische Spitzenkandidatin der Linken.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Roth (SPD) betont das Thema Arbeit und will sich besonders für die Belegschaft von K+S in der Diskussion um den Umweltschutz im Kalirevier einsetzen. Weitere Themen im Wahlkreis sind Bildung, eine flächendeckende medizinische Versorgung und ein ordentliches Straßen- und Schienennetz. Lübeck (CDU) will mit dem Thema Sicherheit und Kampf gegen den Terror punkten. Außerdem legen die Christdemokraten den Schwerpunkt auf das Thema Finanzen mit ausgeglichenen Haushalten und einer Reduzierung der Schuldenlast. Leidig (Die Linke) will sich neben den Themen Frieden, soziale Gerechtigkeit und Solidarität für zukunftsweisende und umweltschonende Verkehrskonzepte werben. Außerdem sei es ihr wichtig, gegen Niedriglöhne und miese Arbeitsbedingungen vorzugehen.

Diese Entscheidungen stehen am 24. September noch an

Im Werra-Meißner-Kreis stimmen die Bürger über den Landrat ab. In Witzenhausen und Großalmerode im Werra-Meißner-Kreis sowie in Rotenburg a. d. Fulda, Ronshausen und Schenklengsfeld in Hersfeld-Rotenburg geben die Wähler auch ihre Stimme für den nächsten Bürgermeister ab.

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