Das Oberzentrum Marburg - Blick über die Südstadt auf den Schlossberg mit Landgrafenschloss
Das Oberzentrum Marburg - Blick über die Südstadt auf den Schlossberg mit Landgrafenschloss Bild © picture-alliance/dpa

Die Universität in Marburg und viele Dienstleistungsgewerbe sorgen für ein gutes Klima in den Zentren. Im Hinterland allerdings laufen Bürgerinitiativen gegen den geplanten Bau von Windkraftanlagen sturm.

Die größten Herausforderungen

Einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge herrscht im Landkreis Marburg-Biedenkopf eine "Schieflage am Arbeitsmarkt", wie auch Gewerkschaften kritisieren. Demnach seien rund 46.000 Menschen nur in Teilzeit, Leiharbeit oder als Minijobber beschäftigt. Dadurch sei Altersarmut vorprogrammiert, warnt die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt.

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Besonders im ländlichen Raum werden diese Probleme deutlich. In Dautphetal herrscht zum Beispiel Ärztemangel, es werden keine Nachfolger gefunden. Linke und Grüne bemängeln diese Zustände und fordern bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne für die Bevölkerung.

Die Ausgangslage

Der Wahlkreis 171 steht seit Jahren mit einer großen Koalition aus SPD und CDU auf soliden Beinen. Sie haben 28 (SPD) und 22 (CDU) Sitze im Kreistag. Die AfD, mit 10 Sitzen im Kreistag vertreten spaltet dagegen, ähnlich wie in anderen Wahlkreisen, die Gemüter. Sie bekommt zum einen enormen Zuspruch von Teilen der Bürger, was sich z.B. durch gut besuchte Veranstaltungen wie dem Vortragsabend von Frauke Petry in Gladenbach zeigt. Auf der anderen Seite bekommt die AfD extremen Gegenwind, überwiegend von links, was durch Protestaktionen gegen solche Veranstaltungen deutlich wird. Grüne und Linke bilden die Opposition, können sich mit ihren Themen aber nicht gegen die großen Parteien durchsetzen.

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Der Wahlkreis im Kurzporträt

Der Wahlkreis Marburg besteht aus 22 Städten und Gemeinden im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Er zählt 245.241 Einwohner (Stand Dez. 2015) auf einer Fläche von 1.263 Quadratkilometern. Daraus ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 194 Einwohnern je km². Durch die Universität lockt Marburg viele Studenten an, was aber gleichzeitig zu einer hohen Fluktuation und knappem Wohnraum führt.  Mit seinen Mittelgebirgslandschaften und attraktiven Fachwerkdörfern im Hinterland ist der Wahlkreis sehr reizvoll. Marburg-Biedenkopf ist mit einem eigenen Uniklinikum und dem Pharmaunternehmen GSK außerdem auch ein bedeutender Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort in Mittelhessen.

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Wer sind die Direktkandidaten?

Für die SPD ist Sören Bartol weiterhin Direktkandidat für den Bundestag. Er wurde bereits in den vergangenen Jahren mit knapp 40 Prozent Erststimmen als Abgeordneter gewählt und gilt somit als Sprachrohr des Landkreises im Bundestag. Die CDU setzt mit Stefan Heck auf einen Kandidaten, der nach eigenen Angaben klar Stellung bezieht und die Heimat schützen will, indem er sich z.B. für den Erhalt des Bundeswehrstandorts Stadtallendorf einsetzt. Direktkandidat der AfD ist Julian Schmidt. Der Familienvater übt vor allem kritisch an der jetzigen Bundesregierung und fordert einen Richtungswechsel.

Die Grünen schicken den 57-jährigen Flüchtlingskoordinator Rainer Flohrschütz ins Rennen. Er setzt sich in diesem Bereich für eine bessere Arbeitsmarktintegrierung von Flüchtlingen ein und dass ausländische Abschlüsse in Deutschland leichter anerkannt werden. Für die Linke tritt zum ersten Mal die Politikwissenschaftsstudentin Elisabeth Kula an. Die Freien Wähler Hessen stellen den Forstwirt Daniel Baron als Direktkandidaten auf. Für die FDP geht Hanke Friedrich Bokelmann ins Rennen.

Die Topthemen vor der Wahl

Besonders im Marburger Hinterland beschäftigt das Thema Windkraft Bürger und Politiker. Viele Bürger sind nach eigenen Angaben zwar pro Windkraft, befürchten aber Probleme für Landschaft und Natur. Deshalb gab es zum Beispiel in Amöneburg, Wetter und Gladenbach Bürgerinitiativen gegen den geplanten Bau von Windkraftanlagen. Durch die klar geregelten Baugenehmigungsverfahren hielt sich die Politik hierbei eher zurück. Außerdem setzen sie im Wahlkampf auf erneuerbare Energien wie Windkraft. Der Bau der Bundesautobahn A49 zwischen Stadtallendorf und der A5 beschäftigt außerdem Bürger und Kommunen. Durch eine direkte Anbindung an die Autobahn würde die Stadt Marburg attraktiver werden. Bürger befürchten jedoch eine höhere Lärmbelästigung.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

SPD und CDU bilden die große Koalition. Sie setzten vor allem auf Kontinuität, inhaltlich unter anderem auf den Breitbandausbau im ländlichen Raum sowie eine verlässliche Infrastruktur z.B. mit Hilfe von Bürgerbussen. Darüber hinaus wollen sie die Schulden des Kreises abbauen. Die AfD nutzt ein deutschlandweites Wahlprogramm. Die Grünen fordern unter anderem mehr Bürgerbeteiligung und Chancengleichheit bei Bildung sowie die Gleichstellung von Mann und Frau. Die Linke setzt thematisch auf soziale Gerechtigkeit und Frieden und fordert unter anderem eine Vermögenssteuer für Reiche. Die FDP will beim Thema Sicherheit nachlegen und fordert eine Zusammenarbeit aller Sicherheitsbehörden, um Extremismus vorzubeugen. Alle Parteien nehmen sich außerdem "die großen Themen" vor: Umwelt/erneuerbare Energien, E-Mobilität und Flüchtlingspolitik.

Diese Entscheidungen stehen am 24. September noch an

In Stadtallendorf, Bad Endbach und Lohra werden neue Bürgermeister gewählt. In Lohra strebt der amtierende Bürgermeister Georg Gaul seine dritte Amtszeit an. Die wird er als einziger Kandidat wohl auch erreichen. In Stadtallendorf und Bad Endbach gibt es dagegen je fünf Kandidaten, darunter auch einige parteilose. In Wohratal findet außerdem ein Bürgerentscheid statt. Hier geht es um einen möglichen Zusammenschluss der Gemeindeverwaltung mit Rauschenberg.

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