Bei dem Thema Windräder laufen einige Bürgerinitiativen im ländlich geprägten Landkreis sturm.
Bei dem Thema Windräder laufen einige Bürgerinitiativen im ländlich geprägten Landkreis sturm. Bild © picture-alliance/dpa

Der erst 2013 neu geschaffene Wahlkreis beherbergt einen politisch bunten Mix. Im gesamten Wahlkreis ist die Windkraft ein großes Thema. Ebenso wichtig ist ein Bauprojekt zum Ausbau der Bahnstrecke zwischen Hanau und Fulda/Würzburg.

Die größten Herausforderungen

Die Gegend im Osten des Main-Kinzig-Kreises kämpft mit den negativen Auswirkungen des demografischen Wandels: Junge Familien verlassen Gemeinden wie Sinntal, Birstein oder Jossgrund und ziehen in den Westen. Politisch sieht es im Main-Kinzig-Kreis nicht einfach aus: Bis 2011 regierte 18 Jahre lang eine große Koalition aus SPD und CDU, bis 2016 dann ein Dreier-Bündnis aus SPD, Grünen und Freien Wählern. Nach der Kommunalwahl 2016 scheiterten alle Koalitionsverhandlungen, seitdem gibt es im Kreistag eine Regierung mit wechselnden Mehrheiten.

Weitere Informationen

Überblick: Bundestagswahl 2017 | Wahlkreischecks

Ende der weiteren Informationen

Die Ausgangslage

Der 2013 geschaffene Wahlkreis setzt sich zusammen aus Städten und Gemeinden, die zuvor mehreren Wahlkreisen angehörten - ein politisch bunter Mix: Der Osten des Main-Kinzig-Kreises ist durch die Nachbarschaft zum konservativen Wahlkreis Fulda geprägt. Im restlichen Teil des Wahlkreises dagegen ging häufig die SPD als Wahlsieger hervor. Bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr holte die NPD in Büdingen 10,2 Prozent der Wählerstimmen - so viele wie nirgendwo sonst im Land. Bei der Bundestagswahl 2013 erhielt Peter Tauber (CDU) die meisten Stimmen und vertritt seitdem den Wahlkreis 175. Der 43-Jährige aus Gelnhausen hatte nach der Wahl 2009 noch den Wahlkreis Hanau in Berlin vertreten. Über die Landesliste der SPD erhielt 2013 auch Bettina Müller ein Mandat des Bundestags. Die 58-Jährige aus Flörsbachtal ist dort unter anderem Mitglied im Ausschuss für Gesundheit.

Weitere Informationen

Der Wahlkreis im Kurzporträt

Der Wahlkreis Main-Kinzig-Wetterau II-Schotten wurde 2013 neu geschaffen. Er erstreckt sich über den östlichen Teil des Main-Kinzig-Kreises und die südwestlichen Teile der Nachbarn aus dem Wetterau- und Vogelsbergkreis. Der Wahlkreis umfasst aus dem Main-Kinzig-Kreis die Städte und Gemeinden Bad Orb, Bad Soden-Salmünster, Biebergemünd, Birstein, Brachttal, Flörsbachtal, Freigericht, Gelnhausen, Gründau, Jossgrund, Linsengericht, Schlüchtern, Sinntal, Steinau an der Straße, Wächtersbach und den Gutsbezirk Spessart. Aus dem Wetteraukreis kommen die Gemeinden Altenstadt, Büdingen, Gedern, Glauburg, Hirzenhain, Kefenrod, Limeshain und Ortenberg hinzu, außerdem die Gemeinde Schotten aus dem Vogelsbergkreis. Der Wahlkreis ist ländlich geprägt, verfügt über viel Wald und Natur: In den insgesamt 24 Städten und Gemeinden leben rund 150 Menschen pro Quadratkilometer - knapp halb so viel wie im landesweiten Durchschnitt. Bis zum EU-Beitritt Kroatiens lag auf einem Getreidefeld im Gelnhäuser Stadtteil Meerholz sechseinhalb Jahre lang der geographische Mittelpunkt der Europäischen Union.

Ende der weiteren Informationen

Wer sind die Direktkandidaten?

Neben den Bundestagsabgeordneten Peter Tauber (CDU) und Bettina Müller (SPD) bewerben sich noch sechs weitere Kandidaten um ein Mandat: Matthias Zach (Bündnis 90/Die Grünen) ist noch bis Oktober Kreisbeigeordneter des Main-Kinzig-Kreises. Der 65-Jährige war vor seinem Amtsantritt 2011 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Niederdorfelden. Jetzt will er in den Bundestag. Für Die Linke bewirbt sich Dirk Methfessel. Der 35-Jährige ist Lehrer und stammt aus Schlüchtern.

Mit Mariana Harder-Kühnel bewirbt sich die hessische Spitzenkandidaten der AfD im Wahlkreis 175. Die 42 Jahre alte Rechtsanwältin aus Gelnhausen wurde im Mai auf Platz eins der Landesliste ihrer Partei gewählt. Ein Comeback der FDP im Bundestag strebt der Speditionskaufmann Pierre Kurth an. Der 34-Jährige aus Brachttal ist seit 2015 Kreisvorsitzender der Jungen-Liberalen im Main-Kinzig-Kreis.

Nach 2009 und 2013 bewirbt sich Daniel Lachmann (NPD) zum dritten Mal für ein Bundestagsmandat. Der 37-Jährige aus Büdingen erreichte bei der Kommunalwahl 2006 erstmals einen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung seiner Heimatstadt und ist heute Landesgeschäftsführer der NPD. Auch Ulrich Majunke (Freie Wähler) bewirbt sich um ein Mandat des Bundestags. Der 40-Jährige ist Mitglied der Fraktion der Freien Wählergemeinschaft in der Büdinger Stadtverordnetenversammlung.

Die Topthemen vor der Wahl

Ein Thema, das die Menschen im Kinzigtal, also zwischen Vogelsberg und Spessart, seit Jahren beschäftigt, ist die Windkraft. Laut einer Studie gibt es hier großes Windkraftpotenzial. Gegenwind kommt von Bürgerinitiativen aus Bad Orb oder Biebergemünd, aber auch aus der Wetterau und Schotten. Im gesamten Wahlkreis ist die Windkraft ein wichtiges Wahlkampfthema. Ebenso wichtig ist das geplante Bauprojekt zum Ausbau der Bahnstrecke zwischen Hanau und Fulda/Würzburg. Derzeit ist unklar, wie und wo der Abschnitt zwischen Gelnhausen und Fulda verlaufen soll. Sieben unterschiedliche Pläne liegen auf dem Tisch, doch gegen alle Varianten der Bahntrasse haben Politiker und Anwohner Protest angekündigt.

Für einen großen Aufreger vor der Wahl sorgte der heimische Bundestagsabgeordnete und CDU-Generalsekretär Peter Tauber, der auf Twitter einen Shitstorm auslöste: "Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs“, schrieb er in einer Diskussion um das Wahlprogramm der Union. Tauber musste dafür viel Kritik einstecken.

Das sind die wichtigsten "Köpfe"

Das politisch bekannteste Gesicht des Wahlkreises ist ohne Zweifel Peter Tauber. 2009 erlangte er erstmals ein Bundestagsmandat, seit 2013 ist er Generalsekretär der CDU. Sein Parteikollege Klaus Dietz vertritt seit 20 Jahren die östliche Wetterau im Hessischen Landtag. 1997 wurde der heute 61-Jährige erstmals in den Landtag gewählt. Heinz Lotz (SPD) ist seit 2008 Landtagsabgeordneter. Der 63-Jährige aus Steinau an der Straße ist Mitglied des Ältestenrats und Sprecher der SPD-Landtagsfraktion für Landwirtschaft, Forst, Jagd, Naturschutz und Nachhaltigkeit. Seine Parteifreundin Lisa Gnadl aus Altenstadt sitzt ebenfalls seit 2008 im Landtag. Die 36-Jährige ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende, jugendpolitische und frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag. Michael Reul (CDU) wurde bei der Wahl 2013 in den Landtag gewählt. Der 50 Jahre alte Bad Orber ist behindertenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Innere Sicherheit - dieses Thema steht ganz oben auf der Agenda der CDU. Damit will auch die AfD punkten. Die Alternative für Deutschland hält sich dabei eng an das Bundesprogramm. Bei einer Wahlkampfveranstaltung der CDU mit Bundesinnenminister Thomas de Maiziere in Bad Orb im Juli sprach sich Peter Tauber vor demonstrierenden Windkraftgegnern gegen neue Windkraftanlagen im Spessart aus - eine Aussage, die bei einigen Demonstranten für Verwunderung sorgte, denn bisher zeigte sich die CDU bei diesem Thema uneins. Die AfD lehnt Windkraftanlagen strikt ab, auch die FDP positioniert sich dagegen - anders als naturgemäß die Grünen. Auch im Kreistag wird über das Thema regelmäßig eifrig gestritten. Mit altbewährten Themen will dagegen SPD-Kandidatin Bettina Müller punkten: Die gelernte Krankenschwester setzt auf Gesundheitsthemen und Soziales.

Diese Entscheidungen stehen am 24. September noch an

Im Vogelsbergkreis wird der Landrat gewählt. Amtsinhaber Manfred Göring (SPD) will in seine zweite Amtszeit. Einziger Herausforderer ist der parteilose Friedel Kappes. Gelnhausen, die Kreisstadt des Main-Kinzig-Kreises, sucht einen neuen Bürgermeister. Thorsten Stolz (SPD) verabschiedete sich im Juni nach elf Jahren aus dem Amt, weil er zum neuen Landrat des Main-Kinzig-Kreises gewählt wurde. Mit Kerstin Schüler (SPD), Christian Litzinger (CDU), Daniel Glöckner (FDP) und den drei parteilosen Pia Horst, Walter Dreßbach und Carl Mell kämpfen gleich sechs Kandidaten um Stolz' Nachfolge.

Deutlich weniger Auswahl haben die Menschen in Schotten (Vogelsbergkreis). Dort tritt Amtsinhaberin Susanne Schaab als einzige Kandidatin zur Bürgermeisterwahl an. Die SPD-Politikerin strebt ihre dritte Amtszeit an. Alle stellen sich als parteiunabhängige Kandidaten zur Wahl. In Flörsbachtal will Amtsinhaber Frank Soer seine zweite Amtszeit als Bürgermeister erreichen. Er ist der einzige Kandidat.

In Steinau an der Straße (Main-Kinzig-Kreis) hat die Stadtverordnetenversammlung ein Abwahlverfahren gegen Bürgermeister Malte Jörg Uffeln eingeleitet. Die Steinauer Bürger stimmen nun in einem Bürgerentscheid darüber ab, ob es zur Abwahl kommt. Der parteilose Uffeln steht wegen einer fragwürdigen Widmung in einem Buch über Adolf Hitlers Sekretär Martin Bormann in der Kritik.

Nach langem Hin und Her wird nun auch in Hirzenhain (Wetteraukreis) gewählt. Dort geht es um die Nachfolge des umstrittenen Bürgermeisters Freddy Kammer (parteilos), der nach Vorwürfen um Wahlfälschung im Mai abgewählt worden war. Das Abwahlverfahren war zunächst von einem Gericht wegen Formfehlern untersagt worden, ehe der Verwaltungsgerichtshof Kassel diese Entscheidung am Freitag wieder aufhob. Bei der Wahl am Sonntag treten an: Willi Wirth, Stefan Endisch, Michael Höhl, Harald Otto, Jörg Gottwals und Timo Tichai.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Tableau (Datengrafik) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Tableau (Datengrafik). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts