Ein Zug braust bei Rüdesheim durch das Rheintal - Bahnlärm sorgt in der Region für Ärger.
Ein Zug braust bei Rüdesheim durch das Rheintal - Bahnlärm sorgt in der Region für Ärger. Bild © picture-alliance/dpa

Eine typische Pendlerregion am Rand des Ballungsraums Rhein-Main - viele der Einwohner im Wahlkreis leben ländlich und pendeln zur Arbeit. Der Bahnlärm im Rheingau trügt allerdings die Idylle und sorgt für Ärger.

Die größten Herausforderungen

Bahnlärm belastet das Mittelrheintal - lange und laute Güterzüge lassen Anwohner und Touristen nachts kaum Ruhe finden. Alles, was zwischen Nordsee und Mittelmeer auf der Schiene unterwegs ist, rattert vorbei. Kontinuierliche Lärmmessungen bei Assmannshausen belegen, dass die vielen Millionen, die Bund, Land und Bahn bereits in Lärmschutz investiert haben, bislang wenig Wirkung zeigen. Immerhin sind mittlerweile die Hälfte aller Güterwagen auf sogenannte leise Bremssohlen umgerüstet; ab 2020 soll ein Fahrverbot für laute Güterwagen greifen.

Weitere Informationen

Überblick: Bundestagswahl 2017 | Wahlkreischecks

Ende der weiteren Informationen

Limburg leidet unter Staus und schlechter Luft, Viele kleinere Orte wünschen sich wegen der Pendlerströme morgens und abends dringend Umgehungen. Je näher man nach Wiesbaden kommt, desto höher die Immobilienpreise - in Eltville, Walluf oder Taunusstein können sich junge Familien kaum noch ein Reihenhaus leisten. Die Dörfer im Hinterland dagegen vergreisen. Dort finden Hausärzte keine Nachfolger mehr, Kneipen und Läden schließen. Bad Camberg und Taunusstein erproben deshalb sogenannte "Mitfahrbänke“ für ältere Menschen ohne Auto - Hilfe zur Selbsthilfe, wo keine Linienbusse fahren.

Die Ausgangslage

Der Wahlkreis 178 gilt als sichere Bank für die CDU. Seit Gründung der Bundesrepublik hat die Union hier stets das Direktmandat geholt. Klaus-Peter Willsch tritt bereits zum sechsten Mal für die Christdemokraten an. Er sitzt seit 1998 im Bundestag.

Weitere Informationen

Der Wahlkreis im Kurzporträt

Der Rheingau mit seinen Kulturdenkmälern und Weinbergen, der waldreiche Untertaunus und das bischöfliche Limburg bilden den Wahlkreis 178 (Rheingau-Taunus-Kreis und Altkreis Limburg) im Südwesten Hessens. Eine typische Pendler-Region am Rand des Ballungsraums Rhein-Main - viele der 294.000 Einwohner leben ländlich im Grünen und pendeln zur Arbeit nach Gießen, Wiesbaden oder Frankfurt. Die Arbeitslosenquote ist niedrig (4,9 Prozent), der Rheingau-Taunus-Kreis gilt als kaufkraftstark.

Ende der weiteren Informationen

Wer sind die Direktkandidaten?

Sieben Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich um das Bundestagsdirektmandat: Klaus-Peter Willsch (CDU), Martin Rabanus (SPD), Timo Müller (Bündnis 90/Die Grünen), Benno Pörtner (Die Linke), Christine Anderson (AfD), Alexander Müller (FDP) und Georg Horz (Freie Wähler).

Die Topthemen vor der Wahl

Neuesten Gutachten zufolge halten auch die sogenannten "Flüsterbremsen“ nicht, was sie versprechen. Das Mittelrheintal braucht dringend eine Alternativtrasse für den Güterverkehr. Darin sind sich Politiker und Bürgerinitiativen einig. Verschiedene Trassen sind im Gespräch, sogar ein Mega-Tunnel. Der 100 Kilometer lange Wunschtraum der CDU im Rheingau-Taunus-Kreis hat aber kaum Aussicht auf Realisierung, und auch eine Umgehungsstrecke von Troisdorf bis Mainz-Bischofsheim ist im Bundesverkehrswegeplan bislang nur als "potentieller Bedarf“ vermerkt. Das Thema Zuwanderung wird bei mehreren Wahlkampfveranstaltungen eine Rolle spielen - mit jeweils unterschiedlichem Akzent (FDP: "Zuwanderung in Europa“/Grüne: "Integration der Geflüchteten"/AfD: "Politikversagen, Flüchtlingschaos“).

Das sind die wichtigsten "Köpfe"

Klaus-Peter Willsch zählt innerhalb der Union zu Merkels größten Kritikern, hat einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik gefordert und sich zuvor schon als "Euro-Rebell“ und Gegner des Rettungskurses profiliert, was ihn sein Amt als Obmann des einflussreichen Haushaltsausschusses kostete. Der 56 Jahre alte Volkswirt sieht sich als Kritiker kalt gestellt und hat darüber 2015 ein Buch veröffentlicht ("Von Rettern und Rebellen: Ein Blick hinter die Kulissen unserer Demokratie“). Zuletzt machte er Schlagzeilen durch ein Interview, in dem er eine Zusammenarbeit mit bürgerlichen Kräften innerhalb der AfD auf lokaler Ebene durchspielte. Aus seiner Abneigung gegen eine schwarz-grüne Koalition im Bund macht er keinen Hehl, stimmte gegen die "Ehe für alle“. Mit klar konservativen Positionen erzielte er bei der letzten Bundestagswahl eine deutliche Mehrheit ( 52,1 Prozent der Erststimmen).

Bereits zum vierten Mal geht Martin Rabanus (SPD) gegen den Platzhirschen Willsch ins Rennen. 2013 konnte er über die Landesliste in den Bundestag einziehen. Der 45-jährige Politologe will seine Schwerpunkte Forschung und Bildung dort weiter vertreten und zählt dank Listenplatz 7 auf den Wiedereinzug. Chancen auf ein Bundestagsmandat rechnet sich auch Alexander Müller von der FDP aus - der 47-jährige Informatiker hat sich Platz 6 der Landesliste seiner Partei erkämpft.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Kämpferisch. Die SPD will polarisieren, trotz großer Koalition in Berlin. Das fällt im Rheingau-Taunus-Kreis umso leichter, als CDU und SPD hier ohnehin in vielen Punkten unterschiedliche Positionen vertreten (Windkraft, Rheinbrücke Rüdesheim-Bingen) und sich im Kreistag zu keiner großen Koalition durchringen konnten. Wahlprognosen sahen die AfD im Bundestrend zuletzt mit acht Prozent etwa gleichauf mit FDP und Grünen. Ob die Limburger Pegida-Aktivistin Christine Anderson (AfD) in der CDU-Hochburg punkten kann, bleibt spannend. Bei den Kommunalwahlen 2016 wurde die AfD in beiden Kreistagen (Rheingau-Taunus und Limburg-Weilburg) drittstärkste Kraft, doch der Hype scheint abgeflaut.

Diese Entscheidungen stehen am 24. September noch an

Zeitgleich werden in Geisenheim und Kiedrich im Rheingau sowie in Elz bei Limburg Bürgermeister gewählt.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Tableau (Datengrafik) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Tableau (Datengrafik). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts