Spargelfeld bei Büttelborn. Im südlichem Teil des Wahlkreises Groß-Gerau spielt der Spargelanbau ein wichtige Rolle.
Spargelfeld bei Büttelborn. Im südlichem Teil des Wahlkreises Groß-Gerau spielt der Spargelanbau ein wichtige Rolle. Bild © picture-alliance/dpa

Der Frankfurter Flughafen in unmittelbarer Nähe bringt Arbeit und Steuereinnahmen in die Region, sorgt aber für lautstarken Protest aufgrund des Fluglärms. Auch Fragen zur gesundheitlichen Versorgung prägen den Wahlkampf.

Die größten Herausforderungen

Die starke Anziehungskraft Frankfurts für viele Menschen macht sich im gesamten Rhein-Main-Gebiet und damit, vor allem in den nördlichen Teilen, auch im Kreis Groß-Gerau bemerkbar. Sprich: Wohnraum ist auch dort gefragt. Wie in anderen Regionen auch, spielen Bildung und Kinderbetreuung eine wichtige Rolle, ist unter Umständen ein wichtiger  Standortfaktor für die Kommunen. Der Flughafen ist Fluch und Segen zugleich. Das Drehkreuz bringt Arbeit und Steuereinnahmen, sorgt für die internationale Anbindung; gleichzeitig sind große Teile des Kreises vom Fluglärm betroffen. Dauerthema ist auch die Lage bei Opel, der Autobauer ist noch immer einer der wichtigen Arbeitgeber im Kreis.

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Die Ausgangslage

Traditionell gilt Groß-Gerau als ein eher roter Kreis. Doch von den fast 50 Prozent Stimmenanteil der 1970er und 1980er Jahre ist die Partei weit entfernt. In vielen Städten und Gemeinden wurden in den vergangenen Jahren CDU Bürgermeister gewählt, auch die größte Stadt, Rüsselsheim, wird von einem christdemokratischen Oberbürgermeister regiert. Im Landratsamt zumindest sitzt aber ein SPD-Mann, in seiner mittlerweile zweiten Amtszeit. Spannend dürfte auch das Abschneiden der AfD werden. Bei der Kommunalwahl 2016 erreichte die Partei auf Anhieb über 13 Prozent.

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Der Wahlkreis im Kurzporträt

Der Kreis Groß-Gerau ist quasi zweigeteilt: Der Norden ist der deutlich dichter besiedelte Teil des Kreises. Hier, mitten im Ballungsraum Rhein-Main, liegt mit Rüsselsheim die größte und bedeutendste Stadt des Kreises. Autobau, Logistik und nicht zuletzt der Flughafen prägen die Wirtschaft. Der Süden ist stärker landwirtschaftlich dominiert. Immerhin fast 50 Prozent der Fläche des Kreises sind landwirtschaftlich genutzt. Und auch hier ist das hessische Ried natürlich für den Spargelanbau bekannt. Wasser spielt eine große Rolle im Kreis Groß-Gerau, denn Rhein und Main gehören fest zum Landschaftbild. Ein Altarm des Rheins bildet zudem das größte hessische Naturschutzgebiet: das Europa-Reservat Kühkopf-Knoblochsaue.

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Wer sind die Direktkandidaten?

Eins steht fest: es wird ein neuer Direktkandidat in den Bundestag einziehen. Der bisherige CDU-Abgeordnete und ehemalige Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (68) tritt nicht noch einmal an. Die CDU schickt dafür Stefan Sauer ins Rennen. Er ist bisher Bürgermeister in der Kreisstadt Groß-Gerau. Einen Wechsel gibt es auch bei der SPD, Gerold Reichenbach (63) kandidiert nicht noch einmal als Direktkandidat für den Bundestag, ihm folgt Jan Deboy, Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag.

Die weiteren Kandidaten sind: Stephan Dehler (FDP), Jörg Cezanne (Die Linke), Nina Eisenhardt (Grüne), Jens Hassel (Freie Wähler), Thorsten Blümlein (AfD) und Matthias Rücker von der MLPD.

Die Topthemen vor der Wahl

Wie soll die Gesundheitsversorgung in einem Kreis wie dem Kreis Groß-Gerau in Zukunft aufgestellt sein? Reicht ein großes Gesundheitszentrum in Rüsselsheim oder ist die Kreis-Klinik in Groß Gerau unverzichtbar, auch wenn sie rote Zahlen schreibt? Darüber wurde im Kreis zuletzt diskutiert, da ein Konzept, die Klinik in ein Zentrum für Altersmedizin umzuwandeln, gescheitert war. Am Ende setzten sich die Befürworter der Kreisklinik relativ deutlich durch. Ein Dauerthema ist zudem der Frankfurter Flughafen: Wie geht es weiter mit der Südumfliegung? Welche zusätzliche Belastung bringt das Terminal 3 mit sich? Und kann die geplante Lärmobergrenze tatsächlich eine Entlastung bringen? Fragen und Themen mit denen sich die Kommunen aber auch der Landrat und der Kreistag befassen.

Das sind die wichtigsten "Köpfe"

Wohl am bekanntesten dürfte Franz Josef Jung von der CDU sein. Der ehemalige hessische Europaminister und Leiter der Staatskanzlei zog 2005 zunächst über die Landesliste in den Bundestag ein und wurde Bundesverteidigungsminister. Nur wenige Wochen nach seinem Wechsel ins Arbeitsministerium 2009 trat er wegen der Kunduzaffäre, die in seine Amtszeit als Verteidigungsminister fiel, zurück. Bei den Bundestagswahlen 2009 und 2013 konnte Jung das Direktmandat im Kreis Groß-Gerau gewinnen. Mit der Ende der aktuellen Legislaturperiode wird er allerdings aus dem Bundestag ausscheiden, Jung tritt nicht noch einmal an.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Auf den Straßen dominieren die Wahlplakate der Bundesparteien: Merkel, Schulz, Lindner. Bei den Direktkandidaten spielen regionale Themen vor allem auf den Internetseiten oder in den sozialen Medien eine wichtigere Rolle. CDU-Kandidat Stefan Sauer etwa nimmt Bezug auf sein derzeitiges Bürgermeisteramt in Groß-Gerau und wirbt mit dem Spruch "Kommunale Erfahrung - für Sie in den Bundestag." Jan Deboy von der SPD wirbt mit "Gemeinsam neue Wege gehen", auf seiner Internetseite ist er unter anderem im Kreis seiner Familie abgebildet und wirbt für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Job. Für die Grünen spielt, wie auch im Bund, das Thema Klima und Naturschutz eine wichtige Rolle. Direktkandidatin Nina Eisenhardt kümmert sich aber auch um das Thema Fluglärm.

Vielleicht als Anspielung auf die schwierige Haushaltslage von Städten wie Rüsselsheim wirbt Steffen Dehler, FDP, unter anderem mit "Politik, die rechnen kann". Die Linke spielt mit einem aufblasbaren "Miethai" auf die aktuelle Immobiliensituation an. Das rasante Wachstum im Rhein-Main-Gebiet macht sich vor allem auch im Norden des Kreises bemerkbar. "Innere Sicherheit, Grenzen schützen, Volksabstimmungen" - drei Schlagworte, die sich auf den Wahlplakaten des AfD-Direktkandidaten Thorsten Blümlein finden.

Diese Entscheidungen stehen am 24. September noch an

In Rüsselsheim wird der Oberbürgermeister gewählt. Amtsinhaber ist seit 2012 der 36 Jahre alte Patrick Burghardt von der CDU.

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