Viele junge Menschen leben in Offenbach - mehr bezahlbarer Wohnraum wird benötigt
Viele junge Menschen leben in Offenbach - mehr bezahlbarer Wohnraum wird benötigt Bild © picture-alliance/dpa

Die Zahl der Einwohner in Frankfurts Nachbarstadt wächst rasant - vor allem junge Menschen leben in Offenbach. Die Stadt erlebt derzeit einen Bauboom. Es gibt viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum. Besser sieht es in Teilen des Landkreises aus.

Die größten Herausforderungen

Die größte Herausforderung in der Stadt Offenbach ist und bleibt der strukturelle Wandel. Ihre Bedeutung als Industriestandort hat die Stadt weitgehend verloren. Die Arbeitslosigkeit ist zwar erstmals seit vielen Jahren unter zehn Prozent gesunken, liegt damit aber immer noch doppelt so hoch wie im Landkreis. Offenbach erlebt derzeit einen Bauboom. Das - verglichen mit Frankfurt - noch halbwegs vernünftige Mietpreisniveau macht die Stadt als Wohnort inzwischen auch für Besserverdiener attraktiv.

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Zugleich zieht es viele Armutsmigranten nach Offenbach, weil sie dort Anschluss finden können. In Offenbach leben Menschen aus 158 Nationen. Jeder zweite Einwohner hat ausländische Wurzeln. Die neue Parlamentsmehrheit, angeführt von der CDU, hat wenig Gestaltungsspielraum. Denn Offenbach hat mehr als eine Milliarde Euro Schulden. Die Politiker in Stadt und Kreis müssen vor allem ein Problem angehen: Es gibt viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum.

Die Ausgangslage

Seit 2005 hat jeweils der CDU-Kandidat das Direktmandat gewonnen. Peter Wichtel aus Obertshausen gelang das 2009 und 2013 mit sattem Vorsprung. Der Vertreter des CDU-Arbeitnehmerflügels tritt aber nicht mehr an. Es spricht wenig dafür, dass die CDU den Wahlkreis mit gut 220.000 Wahlberechtigten verlieren könnte. Interessant wird das Abschneiden des AfD-Direktkandidaten Arno Groß sein. Im Landkreis Offenbach erzielte die Partei bei den Hessischen Kommunalwahlen 2016 mit 14,7 Prozent ihr zweitbestes Flächenergebnis.

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Der Wahlkreis im Kurzporträt

Den Bundestagswahlkreis 185 kennzeichnet unter anderem das Wohlstandsgefälle zwischen der Stadt Offenbach und dem Kreisgebiet.  Das durchschnittliche verfügbare Einkommen pro Einwohner lag pro Jahr in der Stadt Offenbach zuletzt mehr als 5.000 Euro unterhalb des Wertes im Kreisgebiet. Auffallend auch: Die Stadt Offenbach weist nach Frankfurt und Darmstadt die jüngste Bevölkerung in Hessen auf. Und: Die Zahl der Einwohner in Frankfurts Nachbarstadt wächst rasant - auf zuletzt knapp 134.000 Einwohner. Zum Wahlkreis gehört nur ein Teil des Landkreises Offenbach, der so genannte Westkreis mit den Städten Dietzenbach, Dreieich, Heusenstamm, Langen, Mühlheim am Main, Neu-Isenburg und Obertshausen und der Gemeinde Egelsbach.

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Wer sind die Direktkandidaten?

Um den direkten Einzug in den Bundestag kämpfen zwei junge Politiker, die dem Parlament noch nicht angehört haben: Björn Simon für die CDU und der Sozialdemokrat Tuna Firat. Simon ist ein Vertrauter des Bundestagsabgeordneten Wichtel, arbeitet in dessen Berliner Büro und hat beste Chancen, seinen Chef zu beerben. Anwalt Firat, wie Simon 1981 geboren, ist der Außenseiter. Platz 19 in der Landesliste der SPD bedeutet zugleich, dass der Wechsel nach Berlin für ihn vorerst unerreichbar bleiben könnte. Zwei, die sich in der Bundespolitik schon etabliert haben, sind zwar als Direktkandidaten im Wahlkreis 185 chancenlos, dürfen aber auf ein neues Mandat hoffen, weil sie in der Landesliste ihrer Parteien zur Bundestagswahl vordere Plätze belegen: die Wehr-Expertin Christine Buchholz von den Linken und der Grünen-Sozialpolitiker Wolfgang Strengmann-Kuhn.

Die Topthemen vor der Wahl

Einen regionalen politischen Aufreger, der das Ergebnis nachhaltig beeinflussen könnte, gibt es nicht. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist im gesamten Wahlkreis akut. Das trifft viele Menschen in der Stadt Offenbach aber ungleich härter als im westlichen Kreisgebiet. Dort, in unmittelbarer Nähe zum Frankfurter Flughafen, geht es den meisten Wählern finanziell sehr gut und es herrscht fast Vollbeschäftigung. Die Aufregung um den Zuzug von Flüchtlingen war im Wahlkreis nach außen hin überschaubar, sorgte aber für das überdurchschnittliche Abschneiden der AfD bei den Kommunalwahlen. Inzwischen ist das Thema politisch kaum noch präsent.

Das sind die wichtigsten "Köpfe"

Auf bundespolitischer Ebene wird der Wahlkreis nur vom gewählten Direktkandidaten Peter Wichtel (CDU) vertreten. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) betreut innerhalb des Wahlkreises 185 die Stadt Offenbach - ist aber Darmstädterin. Viel stärker als in Berlin ist der Einfluss aus Stadt und Kreis Offenbach in der Landespolitik zu spüren. Zwei Wiesbadener Kabinettsmitglieder sind Offenbacher: der Stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) und der Sozialminister Stefan Grüttner (CDU). Janine Wissler von den Linken, Landtagsabgeordnete und eine von vier Stellvertretenden Vorsitzenden der Bundespartei, lebt zwar in Frankfurt, ist aber im Kreis Offenbach geboren und aufgewachsen.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Man muss klipp und klar sagen: So etwas wie ein eigenständiger Bundestagswahlkampf ist im Wahlkreis 185 noch nicht mal in Ansätzen zu erkennen. Und Auftritte von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Herausforderer Martin Schulz sind in Offenbach und den südlich angrenzenden Kommunen vorerst auch nicht vorgesehen. Die beiden Kandidaten mit realistischen Aussichten aufs Direktmandat treten thematisch kaum in Erscheinung. Favorit Simon schaffte es zuletzt mit dem Startschuss zu einem Volkslauf in die Zeitung; Konkurrent Firat hat jüngst versucht, sich mit der Forderung zum zügigen Ausbau der notorisch überlasteten A3 zwischen Hanau und der Anschlussstelle Obertshausen zu profilieren.

Diese Entscheidungen stehen am 24. September noch an

Es ist sehr wahrscheinlich, dass es am Tag der Bundestagswahl auch zur Stichwahl im Kampf um die Nachfolge des Offenbacher Oberbürgermeisters Horst Schneider kommen wird. Sieben Kandidaten wollen den Sozialdemokraten gern beerben. Drei davon haben realistische Chancen, es in die Stichwahl am 24. September zu schaffen: Stadtkämmerer Peter Freier (CDU), der Bürgermeister und Sozialdezernent Peter Schneider (Grüne) und der Ex-Kämmerer Felix Schwenke (SPD). Dass einer der drei schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erzielt, ist eher nicht zu erwarten.

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