Nachdenklich - eine Studentin sitzt auf der Mathildenhöhe in Darmstadt
Nachdenklich - eine Studentin sitzt auf der Mathildenhöhe in Darmstadt Bild © picture-alliance/dpa

Die größte südliche Stadt in Hessen platzt aus allen Nähten und benötigt dringend mehr Wohnraum. Auch um ein Verkehrskonzept für die täglich bis zu 60.000 Pendler wird im Wahlkreis gerungen.

Die größten Herausforderungen

Darmstadt wächst rasend schnell. Das merkt man nicht nur am immer knapper und teurer werdenden Wohnraum, sondern auch auf den Straßen. Die Anbindung der Pendler an die Stadt stößt zunehmend an ihre Grenzen, die Straßen sind verstopft, die Schadstoffwerte in der Luft hoch. Umgehungsstraßen, Ausbau des ÖPNV, Förderung des Radverkehrs - es gibt viele Ideen, aber bisher kein tragfähiges Konzept. Auch bezahlbarer Wohnraum ist immer wieder ein Streitpunkt. Zwar beginnt die Stadt damit, ehemalige US-Kasernen in Wohngebiete umzuwandeln, aber das reicht längst nicht aus. Aufstocken und Verdichten soll Abhilfe schaffen, aber ob das die Stadt lebenswerter macht, sei dahin gestellt.

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Die Ausgangslage

Die bisherige Abgeordnete, Direktkandidatin von 2013  und Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries (SPD), tritt nicht wieder an. Traditionell gehen in diesem Wahlkreis die SPD-Kandidaten als Sieger hervor - wenn zum Teil auch sehr knapp. Nur einmal hat ein CDU-Kandidat bisher direkt gewonnen: 1994 der spätere saarländische Sozialminister Andreas Storm.

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Der Wahlkreis im Kurzporträt

Zum Wahlkreis 186 Darmstadt gehört nicht nur die Wissenschaftsstadt selbst, sondern auch 14 Städte und Gemeinden rund um Darmstadt. Darmstadt wächst rasant, knapp 160.000 Menschen wohnen hier - 10.000 mehr als bei der letzten Bundestagswahl. Rund 10.000 Unternehmen und 1.300 Handwerksbetriebe sind hier ansässig. Darunter viele Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen, wie das Satellitenkontrollzentrum ESOC, das Institut für Schwerionenforschung GSI, das Kontrollzentrum der Europäischen Wettersatellitenorganisation EUMETSAT, drei Fraunhoferinstitute, der größte hessische Software-Hersteller Software AG, das Pharmaunternehmen Merck und drei Hochschulen. Wirtschaftlich geht es den Menschen in der Stadt gut: das Buttoeinkommen ist hier im letzten Jahr so stark angestiegen, wie sonst nirgendwo in Deutschland. Das strahlt auch ins Umland ab: Täglich pendeln knapp 60.000 Arbeitnehmer in die Stadt. Viele Unternehmen wandern inzwischen aber auch in die angrenzenden Gemeinden ab - weil der Platz in Darmstadt knapp und teuer wird. Viele Gemeinden im Umkreis, wie Mühltal und Seeheim-Jugenheim, bieten neben vergleichsweise günstigen Grundstückspreisen auch den direkten Zugang zur Erholung in der Natur: zum Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald.

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Wer sind die Direktkandidaten?

In diesem Wahlkreis treten gleich drei kommunalpolitisch sehr erfahrene und erfolgreiche Frauen an: Für die CDU kandidiert Astrid Mannes. Sie ist seit 2007 Bürgermeisterin der Gemeinde Mühltal, Mitglied des Kreisvorstandes der CDU und Mitglied des Kreistags Darmstadt-Dieburg. Außerdem arbeitet sie als ehrenamtliche Richterin beim Arbeitsgericht Darmstadt. Christel Sprößler tritt für die SPD an. Sie ist seit 2003 Bürgermeisterin der Gemeinde Roßdorf. Seit 2006 ist sie Mitglied des Kreistags Darmstadt-Dieburg und dort seit 2011 Vorsitzende der SPD Fraktion.

Daniela Wagner ist die Kandidatin von Bündnis 90/ Die Grünen. 1985 gehörte sie zu den ersten Grünen im Darmstädter Stadtparlament, später war sie in Darmstadt zwölf Jahre lang als Dezernentin unter anderem für Schulen, Interkulturelle Angelegenheiten sowie Umwelt- und Naturschutz zuständig. Von 2009 bis 2013 gehörte sie dem Deutschen Bundestag an. 2013 schaffte sie den Sprung in den Bundestag nicht, sie ist seitdem Landesvorsitzende der hessischen Grünen. Daniela Wagner ist mit dem Darmstädter OB Jochen Partsch verheiratet.

Für die FDP tritt Nicolas Wallhäußer an. Er ist auf der politischen Bühne noch recht neu - seit Anfang 2016 ist er Beisitzer im Kreisvorstand der FDP Darmstadt. Der 34-Jährige lebt in Hofheim am Taunus und arbeitet als Controller in einem IT-Unternehmen. Die Linke: Der Darmstädter Michael Friedrichs war politisch bisher ohne Posten und rein ehrenamtlich unterwegs. Für die AfD tritt der Griesheimer Frank Karnbach an. Der Pfungstädter Friedrich Herrmann tritt für die Freien Wähler an. Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands schickt Anna Schupp aus Darmstadt ins Rennen.

Die Topthemen vor der Wahl

In Stadt und Landkreis tobt ein erbitterter Konflikt um die Ressourcen Land und Luft. Welche Straßen dürfen von wem befahren werden? Warum sollen die Lkw, die nicht mehr nach Darmstadt hineinfahren dürfen, durch die kleinen Ortschaften brettern? Die Darmstädter beklagen sich im Gegenzug über die Pendler aus dem Landkreis, die die Stadt morgens und abends durchqueren. Ein ähnlicher Konflikt herrscht beim Flugverkehr. Darmstadt setzt sich dafür ein, dass die Abflugroute Amtix kurz nach Norden verschoben wird, um die nördlichen Stadtteile zu entlasten. Der Gemeinde Egelsbach passt das gar nicht - sie bekäme dann mehr vom Lärm ab.

Das sind die wichtigsten "Köpfe"

Darmstädter Kandidaten und Kandidatinnen sind durchaus ministertauglich: Am bekanntesten ist wohl die aktuelle Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Brigitte Zypries. Sie wurde 2005 für den Wahlkreis 186 in den Bundestag gewählt. Zuvor war sie bereits in der Regierung Schröder Justizministerin. Sie tritt für die nächste Legislaturperiode nicht mehr an. Auch Andreas Storm, der im Jahr 1994 als bisher einziger CDU-Kandidat den Wahlkreis gewonnen hatte, bekleidete später ein Ministeramt: Er war von 2011-2012 Minister für Bundesangelegenheiten und von 2012-2014 Sozialminister im Saarland.

Bekannt ist außerdem der CDU-Kandidat von 2013 - Charles M. Huber. Allerdings weniger wegen herausragender politischer Leistungen. Viele Fernsehzuschauer erinnern sich an ihn als Polizeikommissar Henry Johnson in der Krimiserie "Der Alte“. Das Direktmandat ging 2013 allerdings an Brigitte Zypries von der SPD, Huber erreichte den Sitz im Bundestag immerhin noch über die Landesliste. Doch das Verhältnis zur Darmstädter CDU ist seit der verlorenen Direktwahl zerrüttet.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Für die CDU steht Infrastruktur, Wissenschaft und Forschung für die Region im Vordergrund. Die Kandidatin möchte sich zum Beispiel für einen ICE-Halt in Darmstadt einsetzen. Bundesweit setzt sie auf das Thema Innere Sicherheit. Die SPD setzt auf mehr Zusammenhalt in der Region. Außerdem wirbt ihre Kandidatin für kostenlose Kita-Plätze und eine bessere Unterstützung und mehr Planungssicherheit für Familien. Die Kernthemen  der Grünen sind Stadtentwicklung, Wohnungs- und Mobilitätspolitik. Wichtige Schlagworte sind dabei die Förderung von Elektro-Mobilität und Tempo 130 auf Autobahnen.

Als Kernziele nennt der FDP-Kandidat die Entlastung des Mittelstandes, die Förderung von Innovationen, Gründungen und Digitalisierung, eine zielgerichtete und freie Bildung für alle sowie ein geeintes und freies Europa. Die politischen Ziele der Linken sind unter anderem, den Mindestlohn auf zwölf Euro zu erhöhen und eine Grundsicherung von 1.050 Euro einzuführen. Außerdem positioniert  sich der Kandidat gegen Rüstungsexporte und Auslandseinsätze der Bundeswehr. Für die AfD steht vor allem die freie Meinungsäußerung im Vordergrund.

Diese Entscheidungen stehen am 24. September noch an

In Bickenbach findet zeitgleich die Bürgermeisterwahl statt. Es geht um die Nachfolge von Günter Martini (CDU).

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