Der offizielle Rückbau des stillgelegten AKW Biblis hat im Juli begonnen. Der hochradioaktive Atommüll wird aber voraussichtlich noch lange in Biblis bleiben.
Der offizielle Rückbau des stillgelegten AKW Biblis hat im Juli begonnen. Der hochradioaktive Atommüll wird aber voraussichtlich noch lange in Biblis bleiben. Bild © picture-alliance/dpa

An der Bergstraße sorgen sich die Menschen um ihre medizinische Versorgung und um die Zukunft in Biblis. Zwar hat das Kraftwerk längst ausgestrahlt - der hochradioaktive Müll lagert aber noch immer in Biblis.

Die größten Herausforderungen

Nach jahrelangen Vorbereitungen hat im Juli offiziell der Rückbau des Kernkraftwerks Biblis begonnen. Betreiber RWE rechnet mit 15 Jahren Rückbauzeit. Der hochradioaktive Atommüll wird aber voraussichtlich noch viel länger in Biblis bleiben. Das Standort-Zwischenlager ist bis 2046 genehmigt. Ein Endlager für die Castoren muss die Bundesregierung erst noch finden. Davon hängt die Zukunft der 9.000-Einwohnergemeinde ab.

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Die Ausgangslage

Seit Gründung der Bundesrepublik war das Rennen um das Direktmandat in Hessens südlichstem Landkreis stets ein hart umkämpftes Duell zwischen CDU und SPD, meist mit dem besseren Ende für die Christdemokraten. Im Langzeitvergleich zwischen Schwarz und Rot steht es 13:5. Der Mathematiker Michael Meister gewann 1994 das Direktmandat. 1998 und 2002 musste er allerdings jeweils der Viernheimer Rechtsanwältin Christine Lambrecht den Vortritt überlassen, bevor er 2005 dann erneut triumphierte, wie auch 2009 und 2013.

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Der Wahlkreis im Kurzporträt

Der Landkreis Bergstraße ist das Bindeglied zwischen den Metropolregionen Rhein-Neckar und Frankfurt-Rhein-Main. Landschaftlich hat die Region zwei Gesichter: den westlichen Teil prägt die oberrheinische Tiefebene, wo viel Landwirtschaft betrieben wird, aber auch Gewerbe und Industrie angesiedelt sind. Der hügelige Ostteil liegt inmitten des Geo-Naturparks Odenwald-Bergstraße und lockt viel Wander- und Radtourismus an. Auf etwa 440 Hektar wächst dort auch Wein. Damit gilt die Hessische Bergstraße als kleinstes Weinbaugebiet in Deutschland. Im Landkreis Bergstraße leben fast 270.000 Menschen.

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Wer sind die Direktkandidaten?

Auch bei der diesjährigen Bundestagswahl heißt das Duell an der Bergstraße erneut Meister (CDU/Staatssekretär im Bundesfinanzministerium) gegen Lambrecht (SPD/Erste Parlamentarische Geschäftsführerin). Die beiden erfahrenen Bundestagsabgeordneten werden das Direktmandat im Wahlkreis 188 wohl auch diesmal wieder unter sich ausmachen. Sechs weitere Kandidaten hat der Wahlausschuss zugelassen: Moritz Müller (Bündnis 90/Die Grünen), Till Mansmann (FDP), Sascha Bahl (Die Linke), Rolf Kahnt (AfD) sowie die unabhängigen Bewerber Sebastian Bucher und Martin Polivka.

Die Topthemen vor der Wahl

Neben dem Kernkraftwerk Biblis ist das die medizinische Versorgung. Der Kreis Bergstraße blickt hier auf ein turbulentes Jahr zurück mit der Pleite des Südhessischen Klinikverbunds. Nur die Krankenhäuser in Bensheim und Lampertheim konnten an private Klinikbetreiber verkauft werden. Für das Luisenkrankenhaus in Lindenfels aber gab es keine Rettung. Ein neues Zentrum mit Fachärzten soll seither zumindest die ambulante medizinische Versorgung der Bewohner im Weschnitztal sicher stellen.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Ihre jahrzehntelange Bundestagserfahrung werfen die Bewerber von CDU und SPD in die Waagschale. Sowohl Michael Meister, als auch Christine Lambrecht setzen daher verstärkt auf Berliner Wahlkampfthemen und vor allem auf prominente Unterstützung. Nur zwei Tage vor der Wahl hat sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Heppenheim angekündigt, bereits am 13. September will SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in der Kreisstadt auftreten.

Moritz Müller (Grüne) will mit den Schwerpunktthemen Jugend, Kultur und Umwelt bei den Wählern punkten. FDP-Kandidat Till Mansmann sagt über sich: "Mein Herz gehört dem Steuerrecht". In Berlin würde er sich gerne für ein Ende des Solidaritätszuschlags stark machen. Für einen Kurswechsel bei der Rentenpolitik wirbt Linken-Politiker Sascha Bahl. Zentraler Leitsatz: Die Rente müsse vor Armut schützen. Auf Wählerstimmen von Mitte-Rechts-Wählern zielt AfD-Kandidat Rolf Kahnt ab. Er betont, dass Lambrecht (SPD) und Meister (CDU) über die Landeslisten abgesichert seien und wirbt um die Erststimme für einen weiteren Bergsträßer Abgeordneten in Berlin.

Mit christlichen Werten und Visionen zieht der unabhängige Bewerber Martin Polivka in den Wahlkampf. Wenn es nichts wird mit Berlin, hat er immer noch seinen Job als Pfarrer der evangelisch-reformierten Gemeinde Schlierbach. Sebastian Bucher hat über ein "Bürgerkomitee“ die nötigen 200 Unterschriften für seine Kandidatur erhalten. Dieses hatte sich an der Bergstraße in der Protestbewegung gegen die Freihandelsabkommen TTIP und Ceta gegründet.

Diese Entscheidungen stehen am 24. September noch an

In Gorxheimertal will Bürgermeister Uwe Spitzer seine vierte Amtszeit erreichen. Er ist seit 1999 Rathauschef und hat keinen Gegenkandidaten. Spannender wird es in Lautertal: Dort wollen Andreas Heun und Markus Bormuth die Nachfolge des scheidenden Bürgermeisters Jürgen Kaltwasser antreten.

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