AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel
AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel Bild © Sonja Süß (hessenschau.de)

Von jüngsten Umfragen beflügelt, hat die AfD in Viernheim den hessischen Wahlkampf-Endspurt angezogen. Spitzenkandidatin Alice Weidel sprach vor allem über die Asylpolitik und die eigene Homosexualität - und was das eine mit dem anderen zu tun habe.

Die Ausgangslage: Die AfD steht nach zwischenzeitlichen Verlusten in den Umfragen wieder besser da. Daran ändert auch die Empörung nichts, die ihre Spitzenkandidaten Alexander Gauland und Alice Weidel zuletzt bei Kritikern ausgelöst haben - mit Stolz auf die Wehrmacht oder angeblich rechtsextremen Mails. Im jüngsten ARD-Deutschlandtrend landete die Partei bei 12 Prozent - und wäre damit drittstärkste Kraft im neuen Bundestag.

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Was war los: Das Bürgerhaus in Viernheim (Bergstraße) war mit rund 300 Menschen gut gefüllt. Es galt: Je schärfer die Thesen, desto begeisterter wurde applaudiert – besonders wenn es gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Flüchtlingspolitik ging. Wurde die Bundesregierung erwähnt, begleiteten Zuhörer das mit Rufen wie "Heuchler".

Vor dem Publikum, in dem ältere Männer in der Mehrzahl waren, ging Alice Weidel in einer privaten Angelegenheit in die Offensive. So beantwortete sie eine Frage, die sie nach eigenem Bekunden selbst nicht mehr hören kann: Wie sie als lesbische Frau ausgerechnet in der AfD sein könne? "Die AfD ist die letzte verbleibende Schutzmacht der Homosexuellen", lautete die Antwort. Im Saal löste diese Erklärung Jubel aus.

Die Themen: Bei der AfD war es auch diesmal vor allem ein einziger Themenkomplex. Selbst ihr Bekenntnis zur Homosexualität verband Weidel mit Asylpolitik, Ausländerkriminalität und Islam. Schwule und Lesben trauten sich nicht mehr, Arm in Arm auf die Straße zu gehen, weil "muslimische Gangs Jagd auf Homosexuelle machen". Ob Weidels Ansicht, auch homosexuelle Paare könnten eine Familie sein, manche im Saal insgeheim irritierten?

Laut hörbar war nur, dass die Weidel-Anhänger viel mit der These anfangen konnten, die Bundesregierung unternehme nichts gegen straffällig gewordene Ausländer - weshalb die AfD als einzige Partei "für Recht und Ordnung" gebraucht werde, wie Weidel sagte. Ihr zweiter Schwerpunkt, ebenfalls begeistert beklatscht vom Publikum: der angebliche Sittenverfall bei den Medien, von denen ihre Partei und sie persönlich denunziert werde. Kurz ging es auch um Steuerpolitik: "Wir werden enteignet."

Das Selbstverständnis und die Pläne: "Wir tragen nicht die Asche, sondern das Feuer, Frau Weidel ist das Licht“, hatte Klaus Hofmann vom AfD-Kreisverband Bergstraße euphorisch verkündet. Wohin sie den Weg leuchten will, rief die Spitzenkandidatin selbst vom Rednerpult in den Saal: "Wir sind die einzig wahre Opposition im 19. deutschen Bundestag“. Dass die Partei den Einzug schafft, bezweifelte an diesem Abend im Bürgerhaus von Viernheim wohl sowieso kein Anhänger mehr. Und nicht nur die anderen Parteien und die Presse sollen sich dann warm anziehen. Die hessische Spitzenkandidatin Mariana Harder-Kühnel kündigte an, die AfD werde als drittstärkste Kraft die "Verwüstung von Merkel“ aufräumen: als Opposition, die die Regierung vor sich her treiben werde - auch mit Untersuchungsausschüssen.

Die Kritiker: Vor dem Bürgerhaus hatten sich zu Beginn der Veranstaltung etwa 50 Menschen zu einer Mahnwache aufgestellt: "AfD - Aus für Demokratie" oder "Toleranz statt Rassismus" stand auf ihren Plakaten. Ein Mann traute sich, Weidel im Saal zu widersprechen und fragte, wo sie überhaupt ihre Steuern zahle. Auf Geheiß der AfD-Politikerin, die laut Medienberichten auch einen Wohnsitz in der Schweiz hat, wurde er von Ordnern hinausgebracht. Eine begeisterte Menge im Saal forderte die anwesenden Journalisten auf, gleich mitzugehen.

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Bis Freitag berichtet hessenschau.de auch über Wahlkampf-Veranstaltungen von CDU, FDP, Grünen, Linkspartei und SPD in der letzten Woche vor dem Wahltag.

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