Alte Lahnbrücke in Wetzlar.

In der 53.000-Einwohner-Stadt Wetzlar wird am Sonntag auch ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Eine Sache ist dabei aber schon vorab klar.

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Wetzlar bekommt auch für die nächsten Jahre einen Oberbürgermeister und keine Oberbürgermeisterin. Das ist jetzt schon klar. Zur Wahl am Sonntag treten sieben Männer an. Amtsinhaber Manfred Wagner (SPD) kämpft um eine zweite Amtszeit. Bei der vergangenen Wahl setzte er sich direkt mit über 60 Prozent der Stimmen durch, damals war er gegen zwei Mitbewerber angetreten.

Dieses Mal treten an (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Thomas Hantusch (NPD), Kaufmann, 54 Jahre
  • Dominic Harapat (Die Partei), Autor, 37 Jahre
  • Michael Hundertmark (CDU), Lehrer, 33 Jahre
  • Lothar Mulch (AfD), Büroleiter, 59 Jahre
  • Hermann Schaus (Linke), Landtagsabgeordneter, 65 Jahre
  • Manfred Wagner (SPD), Amtsinhaber OB, 61 Jahre
  • Christoph Wehrenfennig (FDP), Geschäftsführer, 40 Jahre

Hoffentlich steigt mit der Zahl der Bewerber auch die Zahl der Menschen, die zur Wahl gehen. 2015 lag die Wahlbeteiligung bei schwachen 30,3 Prozent.

Was wollen die Kandidaten für ihre Stadt umsetzen? Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Fragen, die die Menschen in Wetzlar aktuell beschäftigen.

Thema Wohnraum

Wie in allen größeren Städten in Hessen wird es auch in Wetzlar nicht einfacher, eine passende und vor allem bezahlbare Mietwohnung zu finden. Da muss etwas getan werden - so weit sind sich alle Kandidaten einig. Schaus (Linke), Hundertmark (CDU), Wehrenfennig (FDP), Hantusch (NPD) und Amtsinhaber Wagner (SPD) setzen dabei ganz konkret auf die städtische Wetzlarer Wohnungsgesellschaft (WWG), bei der die Kommune als Eigentümer Vorgaben machen kann. Sie wollen neue Sozialwohnungen bauen lassen und bestehende, soweit möglich, ausbauen.

Wehrenfennig, Mulch (AfD) und Hundertmark betonen die Rolle der privaten Investoren. Für sie müssten "finanzielle Anreize" geschaffen werden, sagt Mulch, um neue Wohnungen zu bauen. Wehrenfennig will dafür bürokratische Hindernisse reduzieren und Investoren bei der Neuvermietung Unterstützung anbieten.

Schaus will alle privaten Bauherren verpflichten, bei Neubau mindestens 30 Prozent ihrer Wohnungen als Sozialwohnungen zur Verfügung zu stellen. OB Wagner verspricht, dafür zu sorgen, dass 15 Prozent von geplanten Neubauprojekten mit privaten Investoren als Sozialwohnungen vermietet werden. Harapat (Die Partei) will - gewohnt ironisch formuliert - "Mehrfamilienhäuser in Parkhausoptik" bauen und spielt damit auf eines der Streitthemen in der Stadt an.

Thema Domhöfe

Das marode Stadthaus am Dom soll abgerissen und durch neue kleinere Häuser, die Domhöfe, ersetzt werden. Wofür sie am Ende genutzt werden, ist unklar. Geplant sind Wohnungen, kleine Geschäfte und Veranstaltungsräume für die Kultur. Dass das alte Gebäude verschwindet, akzeptieren alle Kandidaten. Aber über die Domhöfe sind sie unterschiedlicher Meinung. CDU-Mann Hundertmark und OB Wagner stehen klar hinter der oben genannten Mischung.

NPD-Kandidat Hantusch wünscht sich dagegen ein ganz neues Konzept, welches mehr auf Cafés und Touristen setzt. Harapat will dort lieber seinen "Traum einer eigenen Universität in Wetzlar verwirklichen" oder einen "Siechhof" für sterbende Impfgegner daraus machen.

Kritik gibt es vor allem am neuen Parkhaus, das in unmittelbarer Nähe gebaut wird. Die Kandidaten von Linken, AfD und NPD lehnen es ab. Außerdem meinen fast alle Bewerber, dass die Wetzlarer Bürger nicht optimal in die Planung eingebunden wurden. Oberbürgermeister Wagner widerspricht: Es habe viele öffentliche Diskussionen gegeben, die Politiker im Stadtparlament hätten einstimmig oder mit großen Mehrheiten entschieden.

Thema Verkehr/B49

Viele Autos und schlechte Luft in der Innenstadt - auch Wetzlar hat dieses typische Verkehrsproblem. Dazu kommt allerdings die B49, die als Hochstraße einmal durch die Stadt führt. Sie muss spätestens in ein paar Jahren abgerissen werden, weil sie baufällig wird. Aber wie soll es dann weitergehen?

Nur AfD-Mann Mulch spricht sich klar dafür aus, die Hochstraße wieder so aufzubauen, wie sie jetzt ist. Alles andere schade den Geschäften in der Innenstadt. Die anderen Kandidaten haben andere Ideen. Linken-Politiker Schaus will, dass die Autos auf der Bundesstraße in Zukunft Wetzlar weiträumig umfahren. Wagner (SPD), Hundertmark (CDU) und Wehrenfennig (FDP) sind für eine Straße rund um den Stadtteil Dalheim in einem zu bauenden Tunnel. NPD-Kandidat Hantusch will, dass die jetzige Streckenführung durch Wetzlar untertunnelt wird.

Da es um eine Bundesstraße geht, hat die Stadt selbst bei dem Thema aber gar nicht das letzte Wort. Anders beim Verkehr in der Innenstadt. Hier wollen sich fast alle Kandidaten für mehr öffentliche Verkehrsmittel und Radwege einsetzen.

Wagner und Hundertmark stellen sich rund um die Altstadt mehr autofreie Zonen vor, Mulch und Hantusch lehnen das klar ab. OB Wagner will außerdem in Zukunft Car-Sharing-Modelle anbieten. Harapat fordert: Die Stadt soll eine Seilbahn bauen, die das Umland mit Wetzlar verbindet und dafür sorgt, dass "die saufende Dorfjugend auch mit drei Promille sicher nach Hause kommt."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 07.03.2021, 19.30 Uhr