Andreas Meyer-Feist über die Europawahlen
Andreas Meyer-Feist rechnet bei den Europawahlen mit einigen Überraschungen. Bild © Colourbox

Die Union liegt in Deutschland bei der Europawahl vorne. Große Gewinner sind aber die Grünen. Nach Ansicht von Ministerpräsident Bouffier (CDU) ist seine Partei über das Thema Klimaschutz gestolpert. Ähnlich äußert sich die enttäuschte SPD.

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"Einfach geil" twitterte der hessische Grünen-Spitzenkandidat für die Europawahl, Martin Häusling, am Sonntagabend. Nach dem vorläufigen Endergebnis ziehen die Grünen an der SPD vorbei und werden mit 20,5 Prozent neue zweitstärkste Kraft.

Auch der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) jubelte via Twitter: "Welch freudiger Abend für @Die_Gruenen in #Europa und #Bremen!"

Die Parteien der großen Koalition in Deutschland schnitten nach den Hochrechnungen historisch schlecht ab. Sie erzielten so schwache Ergebnisse wie noch nie zuvor bei einer bundesweiten Wahl. Trotzdem bleiben CDU und CSU zusammen mit 28,9 Prozent stärkste Kraft.

Bouffier: Klimaschutz spielte entscheidende Rolle

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Sven Simon und Volker Bouffier

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found CDU-Spitzenkandidat Simon und Ministerpräsident Bouffier zum CDU-Ergebnis

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"Die 27 oder 28 Prozent, das sind zwar mit Abstand die meisten Stimmen, aber das ist nicht unser Anspruch", sagte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Sonntagabend in Frankfurt. Seiner Einschätzung nach spielte das Thema Klimaschutz die entscheidende Rolle bei der Europawahl. "Das ist ein Thema, das klassischerweise nicht mit der CDU verbunden wird", sagte der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende.

Seine Partei müsse sich "intensiv Gedanken machen, wie unsere Antwort aussieht", so Bouffier. Das gelte auch für ein verändertes Kommunikationsverhalten in der Bevölkerung. Millionen Menschen hatten zuletzt das Video "Die Zerstörung der CDU" des Youtubers Rezo angeklickt.

Sven Simon, CDU-Spitzenkandidat für Europawahl, lobte die hohe Wahlbeteiligung bei der Pressekonferenz auf dem Römerberg. "Das ist ein Erfolg", sagte er. "Ich will mich jetzt im Europäischen Parlament genau für das einsetzen, das wir beworben haben: nämlich für ein Europa, das schützt."

Frederic Schneider, CDU-Kreistagsabgeordneter im Main-Taunus-Kreis, spekulierte ebenfalls über die Ursachen für das schlechte Abschneiden seiner Partei: "Starke #GRÜNE-Ergebnis bei Wählern #Unter30 zeigt: #Artikel13 und #FridaysforFuture schlagen zurück. Das muss man anerkennen", postete er auf Twitter.

SPD-Politiker: "Das tut weh"

Die Sozialdemokraten fallen bei der Wahl auf den dritten Platz. Sie stürzten auf 15,8 Prozent ab. Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel zeigte sich enttäuscht über den Absturz seiner Partei. "Das tut sehr weh. Offensichtlich ordnet man uns beim Klimaschutz keine Kompetenz zu", erklärte Schäfer-Gümbel, der sich im Herbst aus der Politik zurückziehen wird. "Wir kommen deshalb nicht umhin, innerhalb der deutschen Sozialdemokratie sehr grundsätzlich die Ausrichtung, Aufstellung und Strategie zu klären."

Das tut sehr weh. Offensichtlich ordnet man uns beim Klimaschutz keine Kompetenz zu. Wir werden das grundsätzlich klären müssen. Mein Dank gilt aus hessischer Sicht besonders @katarinabarley @UdoBullmann & @MartinaWernerEU für ihren Einsatz und ebenso den Unterstützer/innen!

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Auch Michael Roth, hessischer SPD-Bundestagsabgeordneter und Staatsminister für Europa, twitterte: "Das tut weh." Von "einer Katastrophe" sprach SPD-Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen aus Frankfurt in der hessenschau. Auch Ministerpräsident Bouffier äußerte sich zum schlechten Abschneiden der SPD: "Ich kann keine Freude darüber empfinden, dass die SPD quasi ins Nirwana gefallen ist."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 26.05.19. 19.30 Uhr