EU-Flagge mit Geld

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Diese EU-Gelder fließen nach Hessen

Von der "sauberen" Betonherstellung bis zum Generationenhof im Osten Hessens: Die Förderprogramme der Europäischen Union sind vielfältig. Doch wie viel Geld fließt eigentlich nach Hessen? Und wie profitieren die Bürger von der EU? Ein Überblick.

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Europafahnen vor dem Berlaymont-Gebäude der EU-Kommission in Brüssel.

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Hessen liegt nicht nur geografisch mitten in Europa, das Land profitiert auch stark von der Europäischen Union. Das hat die Bertelsmann-Stiftung in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Studie festgestellt. Der Studie zufolge steigert der EU-Binnenmarkt das Einkommen in Hessen um 1.129 Euro pro Kopf und Jahr. Dieser Wert liegt deutlich über dem Schnitt in Deutschland (1.046 Euro) und der EU (840 Euro). "Damit gehören wir europaweit zu den Top-Ten-Profiteuren des Wirtschaftsraums", sagt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne).

Wie stark die Bindung zum EU-Ausland ist, zeigen auch diese nackten Zahlen: Hessische Unternehmen exportieren mehr als 57 Prozent ihrer Waren in die Mitgliedsstaaten. Im Jahr 2018 konnten in Hessen so Waren im Wert von knapp 37 Milliarden Euro in andere EU-Mitgliedsstaaten ausgeführt werden.

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hs

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Fördertopf über zwei Milliarden Euro

Außerdem profitiert Hessen von den Fördergeldern der EU. Mehr als zwei Milliarden Euro stellt die Europäische Union im Zeitraum 2014 bis 2020 dem Land zur Verfügung. Knapp 1,3 Milliarden Euro entfallen auf Direktzahlungen, die Landwirte in der Region bekommen. Mit dem Rest (730 Millionen Euro) sollen hessische Projekte umgesetzt werden.

"Dabei geht es darum, die einzelnen Regionen zu stärken und die Lebensbedingungen zu verbessern", sagt die Hessische Europaministerin Lucia Puttrich (CDU). Drei Programme gibt es, die sowohl von der EU als auch teilweise von Bund und Land gefördert werden.

  • Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE)

Mit dem EFRE-Programm möchte das Land vor allem die hessische Wirtschaft fördern. Die Forschung und Innovation sollen gestärkt, die Wettbewerbsfähigkeit verbessert, CO2-Emissionen verringert werden. 241 Millionen Euro stellt die EU den Hessen dafür zur Verfügung.

So wird beispielsweise die Frank Breul GmbH aus Burghaun bei Fulda mit insgesamt 250.000 Euro bezuschusst. Die Mitarbeiter haben einen Weg gefunden, den CO2-Ausstoß bei der Herstellung von Beton zu reduzieren. Denn Beton ist ein echter Klimakiller: Die Betonherstellung ist für etwa neun Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Das Fördergeld ermöglichte dem Unternehmen die Anschaffung einer neuen Produktionstechnik, einer Photovoltaik-Anlage und eines Solartrockners. Nun kann das hessische Unternehmen umweltfreundlicher produzieren kann.

  • Europäischer Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)

Mithilfe von Fördergeldern der EU in Höhe von 319 Millionen Euro möchte Hessen auch den ländlichen Raum attraktiver gestalten. Denn rund 80 Prozent der hessischen Fläche liegen im ländlichen Raum.

96.000 Euro stellte die EU beispielsweise einem Generationenhaus in Schenklengsfeld-Oberlengsfeld (Hersfeld-Rotenburg) zur Verfügung, um einen leer stehenden Bauernhof in einen "Generationenhof" umzuwandeln. Es entstand das Café "Miteinander" samt Außenbereich und Toilettenanlagen. Das Café wird ehrenamtlich vom Verein Miteinander und den Landfrauen betrieben.

  • Europäischer Sozialfonds (ESF)

Weitere 172 Millionen Euro stehen dem Land Hessen von der EU zur Verfügung, um Projekte für benachteiligte Jugendliche, Arbeitslose sowie Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund zu unterstützen. So möchte man beispielsweise Flüchtlinge stärker in den Arbeitsalltag einbinden oder Menschen mit Lernschwierigkeiten eine Perspektive geben.

Eines der geförderten Projekte ist die "Chance Arbeitsmarkt" im Landkreis Limburg-Weilburg im Verbund mit dem Lahn-Dill-Kreis. Flüchtlinge aus beiden Landkreisen sollen im Berufsleben integriert werden. Dazu kooperieren verschiedene Institutionen wie etwa das Sozialamt, das Arbeitsamt und das Jobcenter zweier Landkreise miteinander. Seit Beginn des Projekts im Oktober 2015 haben rund 4.000 Geflüchtete teilgenommen.

Zukunft noch unklar

"Mit den Geldern wollen wir gezielt Projekte unterstützen, die wir uns sonst nicht leisten können", sagt Al-Wazir. Dabei gehe es weniger um eine Dauerfinanzierung, sondern vielmehr darum, eine Starthilfe zu geben.

Wie viel Geld es in der kommenden Förderperiode 2021 bis 2027 für Hessen von der EU geben wird, ist bislang noch unklar. "Wegen des Brexit wird für die Regionalförderung weniger Geld zur Verfügung stehen", sagte Europaministerin Lucia Puttrich. Sie gehe davon aus, dass sich die Verhandlungen über den EU-Haushalt noch bis ins nächste Jahr hinziehen werden. "Aber wir haben uns in Brüssel stark eingesetzt, um auch in Zukunft Mittel der EU zu erhalten", sagt Puttrich.

Alle gesammelten Beiträge zur anstehenden Europawahl am 26. Mai gibt es hier.

Sendung: hr-iNFO, 14.5.2019, 17 Uhr