Pulse-of-Europe-Kundgebung in Frankfurt
Frankfurt will möglichst viele Menschen zur Europawahl mobilisieren. Bild © Imago Images

Herausforderung angenommen! Frankfurt strebt bei der Europawahl die bundesweit höchste Wahlbeteiligung an - und geht damit auf Konfrontationskurs mit Köln. Beim Wetteinsatz hofft die Stadt noch auf Mithilfe.

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Diesen Affront konnte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nicht lange auf sich sitzen lassen: Köln peilt bei der anstehenden Europawahl die höchste Wahlbeteiligung unter den deutschen Städten an, wie Feldmanns rheinische Amtskollegin Henriette Reker (parteilos) vollmundig ankündigte.

Unter dem Hashtag #kölnchallenge wirbt die Rathauschefin seit dieser Woche auf Plakaten im Kölner Stadtgebiet für einen Urnengang am 26. Mai.

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Henriette Reker

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kölner OB Reker ruft #kölnchallenge aus

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Im Herzen von Europa

Köln? Dieses von Mundart, Folklore und Bausünden geprägte Millionen-Dorf will europäischer sein als unsere Vorzeige-Multikulti-Metropole Frankfurt mit EZB, Wolkenkratzern und Airport? Von der fußballerischen Diskrepanz zwischen den internationalen Himmelsstürmern der Eintracht und dem zweitklassigen "Effzeh" mal ganz zu schweigen.

Im hessischen Herzen von Europa, das ist auch für OB Feldmann sonnenklar, muss die Begeisterung für die kontinentale EU-Abstimmung einfacher größer sein. "Lassen Sie uns Frankfurt zu der deutschen Stadt mit der höchsten Wahlbeteiligung bei der Europawahl machen", ließ der Römer-Chef daher jüngst die applaudierende Menge der pro-europäischen Bürgerbewegung "Pulse of Europe" auf dem Frankfurter Goetheplatz wissen und sagte damit Köln den Europawahl-Kampf an.

Peter Feldmann
Frankfurt first: OB Peter Feldmann sagt Köln den Kampf an. Bild © picture-alliance/dpa

Frankfurt hat Nachholbedarf

Doch wie ernst ist es der Stadt mit der Ankündigung? "So sehr, dass es der Oberbürgermeister öffentlich gemacht hat", sagte Feldmanns Sprecher Stefan Jäger auf Nachfrage von hessenschau.de. "Die Kölner wissen, dass wir die Wette angenommen haben", erklärte er das Rennen zwischen Main und Rhein für eröffnet.

Einfach dürfte es allerdings nicht werden, die Bankenstadt an die Spitze der deutschen Wählercharts zu führen. Bei der vergangenen Europawahl 2014 beteiligten sich gerade mal 44,5 Prozent der Frankfurter und damit weniger als im Bundesschnitt (48,1). In Köln hatte die Wahlbeteiligung seinerzeit bei 53,2 Prozent und in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz sogar bei über 60 Prozent gelegen.

Entsprechend entspannt reagierte man im Rheinland auf die hessische Konkurrenz. "In Köln erklingt jeden Tag bis zum 26. Mai um 5 vor 12 im Rathausturm die Europahymne. Wir setzen also auf alle Sinne und ziehen alle Register. Kann Frankfurt das auch?", stichelte der Kölner Stadtsprecher Alexander Vogel. Man sei sehr zuversichtlich, "dass wir diesen Wettkampf gewinnen".

Wetteinsatz gesucht

"Es ist schon eine ziemliche Herausforderung", appellierte Jäger eindringlich an den Kampfgeist der knapp 430.000 Frankfurter Wahlberechtigten. Mit Plakaten und einem Video-Spot soll in den kommenden Tagen die Lust an Europa zusätzlich geweckt werden. Sobald die rechtlichen Hürden beseitigt seien, werde zudem an zahlreichen städtischen Einrichtungen wie Bürgerämtern, Bibliotheken, Museen oder Kfz-Zulassungsstellen die Pulse-of-Europe-Kampagne "Was immer Du wählst, wähl Europa" beworben, so Jäger.

Was fehlt, ist allerdings noch ein Wetteinsatz. Muss der Kölner etwa bis zur nächsten Europawahl in fünf Jahren Apfelwein trinken, wenn Frankfurt gewinnt? Oder - viel schlimmer - der Frankfurter Kölsch, falls in der Domstadt eifriger gewählt wird? "Da sind wir für Ideen dankbar", sagte Feldmann-Sprecher Jäger und rief auch die hessenschau.de-Nutzer für geeignete Vorschläge auf. (In der Kommentarfunktion am Ende des Textes können Sie mitmachen).

Köln will Lehrstunde geben

Eine konkrete Einladung gibt es bereits von den siegessicheren Kölnern. "Sollte Frankfurt unterliegen, ist OB Feldmann herzlich eingeladen, einen Tag nach Köln zu kommen, um sich anzuschauen, wie in Köln Europa jeden Tag gelebt wird - um es beim nächsten Mal noch besser machen zu können", meinte Stadtsprecher Vogel.

Doch egal, wie es am Ende ausgeht, da sind sich alle Beteiligten sicher: "Von einem Wettbewerb unter den deutschen Städten um die größte Wahlbeteiligung kann unsere Demokratie nur profitieren", meinte Frankfurts Stadtoberhaupt Feldmann. Das sieht man beim Kontrahenten ähnlich: "Weder Köln noch Frankfurt haben etwas zu verlieren, sondern es können alle nur Gewinner sein." Dabei sein, ist alles, gilt hier mehr denn je.

Ihre Kommentare Frankfurt vs. Köln: Der Wetteinsatz für die Wahl-Challenge?

7 Kommentare

  • Sollte doch ein Leichtes sein, die Kölner auf einer Armlänge Abstand zu halten ...

  • Bei einem Gleichstand gibt es dann in Köln und in Frankfurt Himmel un Ääd mit grie Soß !

  • Ich finds witzig. Das Wahlergebnis hat ernste Konsequenzen. Aber im Vorfeld mit Spass das Miteinander in einer Wette aufleben zu lassen, ist doch mal was Schönes.

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