Momentaufnahme Feldberg
Naherholungsgebiet für viele Frankfurter: der Feldberg im Taunus Bild © Stephan Gränz

Im Vordertaunus sitzen die Deutschland-Zentralen großer Unternehmen und wohnen viele Besserverdiener, die in Frankfurt arbeiten. Der Kreis ist politisch schwarz. Wer mit wem nach der Kommunalwahl koaliert, das hängt viel vom Abschneiden der AfD ab.

Die Ausgangslage im Landkreis

Politisch ist der Landkreis schwarz, doch absolute Mehrheiten gewinnen auch die Christdemokraten schon lange nicht mehr. Die FDP war nach der Wahl 2011 so schwach, dass es für Schwarz-Gelb nicht mehr reichte. Seitdem regiert im Kreis eine Große Koalition aus CDU und SPD, die eigentlich keine ist. Denn die Grünen sind zweitstärkste politische Kraft im Landkreis. Mit aktuell sieben Parteien und einer Freien Wählergemeinschaft ist der Kreistag recht zersplittert. Landrat ist seit 2006 Ulrich Krebs von der CDU.

Die größten Herausforderungen

Die Bevölkerung im Hochtaunuskreis wird immer älter, und weil Wohnen im Vordertaunus teuer ist, können sich junge Familien eine Mietwohnung oder ein Haus kaum noch leisten. Mit neuen Wohngebieten und Geschosswohnungsbau versuchen einzelne Kommunen gegenzusteuern, aber viel verfügbaren Platz dafür gibt es nicht mehr. Der Hintertaunus hat als Wohnlage an Anziehungskraft verloren. Dagegen stauen sich Frankfurt-Pendler oft an der Saalburg. Die IHK Frankfurt empfiehlt deshalb den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

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Der Landkreis im Kurzporträt

Der Hochtaunuskreis ist Frankfurts reicher Speckgürtel. Im Vordertaunus zwischen Königstein und Bad Homburg sind die Wohnlagen begehrt, die Häuser hochpreisig. Viele der 232.000 Bewohner zählen zu Besserverdienern. Der Kreis hat die zweithöchste Kaufkraft aller Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland.

Das mittlere verfügbare Einkommen liegt um 42,8 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Der Taunushauptkamm mit dem Großen Feldberg ist das Naherholungsgebiet der Frankfurter, dahinter kommt der ländliche Hintertaunus, der ebenfalls zum Kreisgebiet gehört. Im Vordertaunus sitzt die Wirtschaftskraft mit den Deutschland-Zentralen großer Firmen wie Fresenius, Alte Leipziger, Thomas Cook, Milupa oder Braun-Oral-B.

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Das Topthema vor der Wahl

Zwei Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes für Flüchtlinge wurden kurzfristig in Kronberg und Bad Homburg in Betrieb gehen. Das gefällt einigen Bewohnern gar nicht.

Das beschäftigt die Menschen noch

Vier Kommunen (Bad Homburg, Kronberg, Oberursel und Wehrheim) müssen in diesem Jahr den Gürtel enger schnallen, weil sie nach dem neuen Kommunalen Finanzausgleich Geld verlieren werden. Zwei Kommunen (Steinbach und Weilrod) sind Schutzschirmgemeinden, das heißt, sie müssen sparen, weil das Land sie entschuldet hat. Im Hochtaunus tobt ein erbitterter Kampf um den Ausbau der Windenergie. Die Grünen sind dafür, die CDU eher nicht. Außerdem steckt der Einzelhandel in den Städten des Vordertaunus trotz hoher Kaufkraft in einer Krise – sogar für die SPD ist das ein Thema.

Das sind die wichtigen Köpfe

Jürgen Banzer (CDU), der Ex-Landrat und Minister mit wechselnden Ressorts unter Roland Koch, erholt sich noch von einer schweren Krankheit, steht aber auf Platz 1 der CDU-Kreistagsliste. Norbert Dießner von den Grünen war 2011 einziger Gegenkandidat des Landrats und wird vielleicht in zwei Jahren einen neuen Anlauf versuchen. Der Mann mit der Fliege, Heinz Riesenhuber (CDU) (Bundesforschungsminister a.D.), ist Mitglied des Bundestags für den Wahlkreis, hat aber wenig Einfluss vor Ort.

Horst Burghardt (Grüne) war 1997 der erste direkt gewählte Bürgermeister seiner Partei in Hessen. Zuletzt wurde er 2015 im Amt bestätigt. Burghardt sorgte für Aufsehen, als er eine Etage im Friedrichsdorfer Rathaus für Flüchtlinge freimachte. Peter Münch ist einer von drei Landessprechern der Hessen-AfD. Der Rechtsanwalt mit Listenplatz 1 war früher bei den Republikanern.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Die CDU will ihr ehrgeiziges Schulbauprogramm fortsetzen und den öffentlichen Personennahverkehr ausbauen. Für Flüchtlinge sollen Deutschkurse verbindlich werden. Die SPD hat sich die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum auf die Fahnen geschrieben, etwa in Bad Homburg oder Usingen. Die Koalition mit der CDU will die SPD fortsetzen und wieder mehr als 20 Prozent einfahren. Die Grünen fordern flächendeckende Schulsozialarbeit und Ganztagesangebote und ebenfalls mehr Geld für den Öffentlichen Nahverkehr. Die AfD tritt nicht nur im Kreis an, sondern auch in Oberursel und in Bad Homburg. Dort will man einen Kinoneubau am Bahnhof verhindern und eine Verlängerung der U-Bahn.

Hier wird es besonders eng

Im Kreis und seinen beiden größten Städten hängt vieles davon wie die AfD abschneidet, die hier antritt. In Oberursel, wo die AfD 2013 gegründet wurde, wurde gerade erst Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) wiedergewählt. Das Bündnis aus SPD, Grünen und OBG (Oberurseler Bürgergemeinschaft) dürfte davon profitieren.

In Bad Homburg muss der junge, frischgewählte Oberbürgermeister Alexander Hetjes von der CDU dagegen noch ein tragfähiges Bündnis schmieden. Womöglich bleibt am Ende nur Schwarz-Grün, wenn die AfD hier stark wird. Und für Landrat Krebs könnte es eng werden, in SPD oder Grünen einen Partner zu finden, der stark genug ist für ein Zweierbündnis auf Kreisebene.

Hier wird die Wahl eine klare Angelegenheit

In Kronberg ist die Fortsetzung einer Großen Koalition wahrscheinlich. Die Grünen könnten zwar die SPD als zweitstärkste Kraft ablösen, aber ein Bündnis mit den führenden Christdemokraten dürfte es nicht geben.

Diese Entscheidungen stehen noch an

In Usingen stellt sich der amtierende Bürgermeister Steffen Wernard von der CDU zur Wiederwahl. Gegenkandidatin ist die Sozialdemokratin Birgit Hahn. 2010 unterlag sie Wernard nur knapp. 2016 könnte es wieder eng werden.