Spargelstechen in Weiterstadt: Im sandigen Ried wächst das Gemüse besonders gut
Spargelstechen in Weiterstadt: Im sandigen Ried wächst das Gemüse besonders gut Bild © picture-alliance/dpa

Geringe Arbeitslosenquote, hohes Wirtschaftswachstum: Dem Landkreis Darmstadt-Dieburg geht es gut. Nur das schnelle Internet lässt vielerorts noch ein bisschen auf sich warten. Für Unmut sorgt vor der Wahl auch die Umweltzone in der Nachbarstadt Darmstadt.

Die Ausgangslage im Landkreis

Die großen Gewinner der vergangenen Kreistagswahl in Darmstadt-Dieburg waren die Grünen. Beflügelt von der Diskussion um den Atomausstieg nach der Katastrophe in Fukushima kamen sie auf fast 22 Prozent der Stimmen. Stärkste Kraft im Kreis war bei den vergangenen drei Kommunalwahlen die SPD, die seit 1985 auch ununterbrochen den Landrat stellt. Seit 2009 ist Klaus Peter Schellhaas im Amt. Mit der Grünen-Fraktion als langjährigem Koalitionspartner geben die Sozialdemokraten somit die politische Marschroute vor. Zusammen kommt Rot-Grün auf 41 Sitze im Kreistag. Ihnen gegenüber steht eine Opposition aus CDU (22 Sitze) und einigen Liberalen, Freie Wählern, Piraten und Linken.

Die größten Herausforderungen

Das Wirtschaftswachstum hat für den Landkreis Darmstadt-Dieburg auch Schattenseiten. Der stete Ausbau der Infrastruktur sorgt vor allem im westlichen Kreisgebiet für zunehmende Verkehrsbelastung, die Nähe zum Frankfurter Flughafen belastet viele Bewohner dazu mit Lärm, und Umweltschützern bereitet die Grundwassersituation im hessischen Ried seit Jahren große Sorgen. Denn der Grundwasserspiegel im Trinkwasserreservoir des Rhein-Main-Ballungsraums ist über die Jahrzehnte teilweise so stark abgesunken, dass Bäume in manchen Gebieten nicht mehr genügend Wasser bekommen und der Wald langsam stirbt.

Ein anderes strukturelles Problem in der Region ist die schlechte Internetverbindung. Vor allem die ländlichen Kommunen östlich von Darmstadt hatten lange einen erheblichen Standortnachteil, weil es dort kein schnelles Internet gab. Nachdem im Kreis ein Zweckverband für den Breitbandausbau gegründet wurde geht es nun aber zügig voran. Bis Frühjahr 2017 sollen insgesamt rund 280 Kilometer Glasfaserkabel verlegt werden und der Landkreis Darmstadt-Dieburg flächendeckend über schnelles Internet verfügen.

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Der Landkreis im Kurzporträt

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg mit seinen über 290.000 Einwohnern umgibt die kreisfreie Stadt Darmstadt. Der westliche Teil mit Weiterstadt, Griesheim und Pfungstadt gehört landschaftlich zum Hessischen Ried, der südwestliche um Seeheim-Jugenheim und Alsbach-Hähnlein zur Bergstraße, das Gebiet um Messel ist durch eine dicht bewaldete und dünn besiedelte Hügellandschaft geprägt. Mit der Fossilien-Fundstätte Grube Messel besitzt die Region ein Ausflugsziel von Weltrang. Die Kommunen profitieren von ihrer Nähe zum Frankfurter Flughafen. Vor allem Hightech-Unternehmen haben sich westlich von Darmstadt angesiedelt. Im sandigen Ried ist aber auch der Anbau von Spargel und Erdbeeren noch immer ein florierendes Geschäft.

Der östliche Teil des Kreises ist überwiegend von Landwirtschaft und ländlicher Idylle geprägt. Das Dieburger Land, die Umstädter Weininsel und der vordere Odenwald bieten viel Lebens- und Wohnqualität. Die zentrale Lage in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main-Neckar macht das Gebiet östlich von Darmstadt aber ebenfalls attraktiv für Unternehmen. Die Bevölkerung im viertgrößten hessischen Landkreis wächst seit Jahren, und mit ihr der Wohlstand in den 23 Städten und Gemeinden. Gemeinsam mit der Stadt Darmstadt zählt der Kreis zu den wirtschaftsstärksten Regionen bundesweit. Die Arbeitslosenquote in Darmstadt-Dieburg lag zuletzt bei nur 4,4 Prozent (Stand: Dez 15).

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Das Topthema vor der Wahl

Die Unterbringung der Geflüchteten stellt den Kreis und seine 23 Kommunen weiterhin vor große Herausforderungen. In vielen Städten und Gemeinden rund um Darmstadt ist seit Jahren kaum noch bezahlbarer Wohnraum vorhanden. Vielerorts sind daher neue große Gemeinschaftsunterkünfte für Asylsuchende im Bau oder in Planung.

Im ersten Halbjahr 2016 rechnet die Kreisverwaltung mit gut 1.100 neuen Unterbringungsplätzen für Flüchtlinge. Doch das wird wohl bei weitem nicht ausreichen. Denn nach den jüngsten Zuweisungsprognosen des Landes Hessen geht der Kreis allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres von gut 4.000 neu zugewiesenen Flüchtlingen aus. Mehr als doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr.

Das beschäftigt die Menschen noch

Seitdem die Stadt Darmstadt Umweltzone ist, macht sich im Umland Unmut breit. Denn mit Einführung der Umweltzone am 1. November 2015 wurde in Darmstadt auch das Durchfahrtsverbot für LKW verschärft. Durften bislang noch Lastwagen für die Fahrt in die Landkreise Darmstadt-Dieburg oder Odenwald die Innenstadt passieren, haben seither lediglich noch Transporte mit Start oder Ziel in Darmstadt freie Fahrt. Da nützt auch eine grüne Plakette nichts. Spediteure und Lieferanten aus dem Umland müssen deshalb nun weite Umwege in Kauf nehmen und fürchten um ihre Existenz.  

Auch die medizinische Versorgung sorgt in der Region seit Jahren für Gesprächsstoff: In Darmstadt-Dieburg waren nach der letzten Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung 14 Hausarztstellen unbesetzt, so viele wie in keinem anderen hessischen Landkreis. Viele weitere Hausarztpraxen drohen bald leer zu stehen, weil Ärzte in den Ruhestand gehen, aber keine Nachfolger finden.

Das sind die wichtigen Köpfe

Neben Landrat Klaus-Peter Schellhaas (SPD) ist Christel Fleischmann von den Grünen der wichtigste Politiker. Der Erste Kreisbeigeordneter und Schuldezernent macht seit Jahren mit einem ehrgeizigen Sanierungsprogramm die Schullandschaft im Kreis Fit für die Zukunft. Dritte Hauptamtliche auf der "Regierungsbank" ist Rosemarie Lück (SPD): sie verantwortet das Sozialressort des Kreises und muss dabei derzeit vor allem die aktuelle Flüchtlings-Problematik bewältigen.

In Reihen der Opposition sticht eine Personalie heraus: Manfred Pentz aus Groß-Zimmern. Der 35 Jahre alte Landtagsabgeordnete führt seit zwei Jahren als Generalsekretär die Geschäfte der CDU in Hessen. Den Fraktionsvorsitz der Christdemokraten im Kreistag hat der gelernte Versicherungskaufmann damals an den Juristen Lutz Köhler aus Weiterstadt übergeben.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Die Sozialdemokraten sind mit den Schwerpunkten Bildung, soziale Infrastruktur, medizinische Versorgung und Mobilität in die Kreistagswahl gestartet. Die Grünen sehen sich weiter als „treibende Kraft“ in der Region und wollen in den kommenden Jahren in Darmstadt-Dieburg wieder verstärkt das Thema Umwelt und Naturschutz in den Fokus rücken. Außerdem soll das laufende Schulbauprogramm weiter vorangetrieben werden.

Die CDU hingegen hofft auf ein Ende der rot-grünen Mehrheit im Kreistag. Die Christdemokraten wollen mit ihrer Idee für ein Integrationsprogramm für Flüchtlinge sowie dem Themenkomplex Kreisfinanzen, den die rot-grüne Kreisspitze nach Meinung der CDU nicht richtig im Griff hat, punkten. Außerdem wollen auch die FDP, die Freien Wähler, die Piraten und Die Linke gerne auch künftig im Kreistag von Darmstadt-Dieburg vertreten sein. Erstmals tritt auch die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) zur Wahl an.

Diese Entscheidungen stehen noch an

In Ober-Ramstadt steht am 6. März eine Bürgermeisterwahl an. Christian Jacoby von der Wählergruppe "Auf geht's" fordert Amtsinhaber Werner Schuchmann (SPD) heraus.