Passagierflugzeug über den Dächern von Flörsheim

Der Kreis Groß-Gerau gilt als traditionelle Hochburg der SPD. Doch die Dominanz bröckelt. Die CDU konnte zuletzt einige Bürgermeisterposten gewinnen. Großer Arbeitgeber ist der Flughafen - für viele ist er Fluch und Segen zugleich.

Die Ausgangslage im Landkreis

Der Kreis gilt als traditionelle SPD-Hochburg. Zuletzt hatte sich bei der Landratswahl im Dezember Amtsinhaber Thomas Will (SPD) deutlich im ersten Wahlgang durchgesetzt. Doch an einigen Stellen bröckelt die Dominanz der Sozialdemokraten. In Ginsheim-Gustavsburg gewann vor kurzem erstmals ein CDU-Kandidat die Bürgermeisterwahl. Und auch in anderen Städten und Gemeinden haben in den vergangenen Jahren CDU-Bürgermeister die Rathäuser übernommen, vor allem in Rüsselsheim, in Groß-Gerau oder auch in Nauheim.

Interessant dürfte auch sein, wie die Grünen in diesem Jahr abschneiden. Bei der Kommunalwahl 2011 hatten sie unter dem Eindruck der Fukushima-Katastrophe deutlich hinzugewonnen, vor allem zu Lasten der SPD. Auch die AfD tritt bei der Kommunalwahl an, etwa für den Kreistag. Dorthin will auch die von Ex-AfD Chef Bernd Lucke gegründete Partei ALFA. Sie tritt auch in Rüsselsheim an.

Die größten Herausforderungen

Die Bevölkerung in Groß-Gerau wächst. Das liegt zum einen an der höheren Geburtenrate, zum anderen aber auch am Zuzug. Letzteres dürfte wohl mit der zentralen Lage des Kreises zu erklären sein. Hinzu kommt die Herausforderung, Flüchtlinge in passenden Wohnungen unterzubringen. Das führt auch dazu, dass Wohnraum im Kreis nur begrenzt zur Verfügung steht. Vor allem bezahlbarer Wohnraum war deswegen auch bei der Landratswahl im Dezember ein wichtiges Thema der Kandidaten.

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Der Landkreis im Kurzporträt

Der Kreis Groß-Gerau mit seine 263.000 Einwohnern liegt geographisch günstig mitten im Rhein-Main Gebiet. Die Großstädte Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden und auch Mainz grenzen teils direkt an den Kreis. Die größte Stadt ist Rüsselsheim, bekannt als Stammsitz des Autobauers Opel, mit rund 61.000 Einwohnern. In und um Rüsselsheim herum haben sich in den vergangen Jahren auch andere Autohersteller, Dienstleister und Zulieferer  angesiedelt. Die nördlichen Kommunen liegen teilweise in direkter Nachbarschaft zum Frankfurter Flughafen. Das ist Fluch und Segen zugleich. Viele der rund 80.000 Mitarbeiter am Flughafen leben auch in den angrenzenden Gemeinden und Städte wie etwa Raunheim oder Kelsterbach. Diese Städte sind oft wichtige Standorte für Logistikunternehmen. Gleichzeitig leiden viele  Anrainerkommunen unter dem Fluglärm.

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Das beschäftigt die Menschen noch

Einige Kommunen im Südwesten des Flughafens, etwa Nauheim oder Groß-Gerau, schauen mit Spannung auf die Entwicklung rund um die so genannte "Südumfliegung". Das Flugverfahren war ursprünglich vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof gekippt worden. Die nächste Instanz in Leipzig wiederum hat aber das Urteil im Dezember kassiert. Nun müssen die Richter in Kassel wieder ran.

In Rüsselsheim haben die Planungen für den Hessentag 2017 begonnen. Befürworter des Großereignisses erhoffen sich einen nachhaltigen Gewinn für die Stadt. Gegner befürchten hohe Kosten und verweisen auf den Schuldenberg Rüsselsheims.

In Groß-Gerauer Stadtteil Dornheim ist die Umgehung der B44 ein wichtiges Thema. Bisher führt die Bundesstraße direkt durch den Ort. Für die geplante Umgehungsstraße gab es vor kurzem einen öffentlichen Erörterungstermin. Vor allem einige Landwirte sind gegen die Straße, da sie Felder und Wege durchtrennt.

Das sind die wichtigen Köpfe

Auch wenn keine  Bürgermeisterwahlen im Kreis stattfinden, setzen die Parteien in einigen Kommunen auf die Zugkraft ihrer Bürgermeister, zum Beispiel in Rüsselsheim mit Oberbürgermeister Patrick Burghardt von der CDU oder in Raunheim mit SPD-Bürgermeister Thomas Jühe. In der Regel dürften die Listenkadidaten für die meisten Wähler aber weitgehend unbekannt sein.     

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

In Rüsselsheim, der größten Stadt im Kreis, hatte die SPD bei der vergangenen Kommunalwahl deutliche Verluste. Seitdem ist die CDU knapp stärkste Partei. Trotzdem konnten  SPD und Grüne eine Koalition nach der Wahl bilden, die aber 2014 zerbrach. Auslöser war ein Streit um den Schulentwicklungsplan. Seitdem sind die Verhältnisse im Stadtparlament etwas unklar. CDU, Grüne und RFFW (Fraktion aus FDP, Wählerinitiative WiR und Forum Neues Rüsselsheim (FNR)) kooperieren zwar lose, eine echte Koalition bilden sie aber nicht.

Hier krachte es im Vorfeld der Wahl

In Rüsselsheim war der CDU-Stadtverordnete Erdal Koca im Juni aus der Fraktion ausgeschlossen worden, da er Mitglied des Türkischen Kulturvereins ist, der den faschistischen "Grauen Wölfen" zugeordnet wird. Nun tritt er mit einer eigenen Liste, der so genannten "Liste 2016“, an.

Etwas irritierend: Auf Kreisebene treten die "Freie Wählergemeinschaft Kreis Groß-Gerau" und die "FREIE WÄHLER-Bürgerliste" an. Hier streiten sich zwei Parteien darum, wer die "echten" freien Wähler sind.

Hier wird es besonders eng

In der Stadt Groß Gerau hatte die CDU bei der Kommunalwahl 2011 die Sozialdemokraten als stärkste Partei knapp abgelöst, obwohl die SPD sogar leicht zulegte. Wer dieses Mal das Rennen macht, ist völlig offen.

Hier wird die Wahl eine klare Angelegenheit

In einigen Städten herrscht noch immer die traditionelle SPD-Dominanz, beispielsweise in Raunheim. Hier hatte die SPD bei der Kommunalwahl 2011 kaum Stimmen verloren und lag am Schluss noch immer bei über 50 Prozent. Ähnlich stark ist die Partei auch in Kelsterbach.