Alte Uni in Marburg
Beliebter Hochschulstandort: die Universtät Marburg Bild © picture-alliance/dpa

Seit der Landratswahl haben sich die Machtverhältnisse auch im Kreis zugunsten der SPD verschoben. In ländlichen Gebieten hoffen die Menschen auf eine bessere Verkehrsanbindung. In Marburg haben die Menschen andere Sorgen: Dort fehlen Wohnungen.

Die Ausgangslage im Landkreis

In der Universitätsstadt Marburg wird traditionell eher links gewählt, die rot-grüne Koalition im Stadtparlament ist die älteste in Hessen. Auch in Biedenkopf haben die Sozialdemokraten die Nase vorn, am Wirtschaftsstandort Stadtallendorf hält die CDU die Mehrheit der Sitze.

Landrätin im Kreis ist seit 2014 Kirsten Fründt (SPD), sie löste Robert Fischbach (CDU) ab. Nach dem Wechsel in der Kreisspitze beendeten die Christdemokraten im Kreistag die schwarz-grüne Koalition. Seitdem regiert eine rot-schwarze Koalition. Die SPD ist stärkste Kraft.

Die größten Herausforderungen

Wie anderswo in Hessen auch haben die kleinen Gemeinden im Kreis mit dem demographischen Wandel zu kämpfen. Während es in Hinterland-Kommunen wie Bad Endbach viele leer stehende Häuser gibt, herrscht in Marburg Wohnungsnot. Grund dafür sind unter anderem die steigenden Studentenzahlen. Wegen Marburgs Kessel-Lage sind die Bebauungsmöglichkeiten außerdem begrenzt.

Vielen Menschen im Ostkreis macht die schlechte Verkehrsanbindung an Ballungszentren wie das Rhein-Main-Gebiet und Kassel zu schaffen. Hier hellt sich die Stimmung allerdings langsam auf: Zum einen wegen der deutlich verbesserten Bahnverbindungen zum Fahrplanwechsel in beide Richtungen. Zum anderen, weil nun endlich mit einer Fertigstellung der Autobahn A 49 in Nordhessen bis 2021 zu rechnen ist, nachdem der Bund die Finanzierung zugesagt hat.

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Der Landkreis im Kurzporträt

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf wird vor allem geprägt durch sein Oberzentrum, die mittelalterliche Stadt Marburg - sie ist beliebter Hochschulstandort und Anziehungspunkt für Touristen. Auch Pilger aus aller Welt zieht es in die Lahn-Stadt. Denn hier befindet sich das Grab der Heiligen Elisabeth, Marburgs berühmter Helferin der Kranken und Armen.

Westlich von Marburg liegt das sogenannte hessische Hinterland und die ehemalige Kreisstadt Biedenkopf. Das Gebiet gehörte einst zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Von der damaligen Hauptstadt Darmstadt aus gesehen lag es "anz weit hinten" Der Ostkreis, also das Gebiet östlich von Marburg, wird von der Industriestadt Stadtallendorf dominiert. Hier sitzt unter anderem der Schokoladenhersteller Ferrero, außerdem ist die Stadt Bundeswehrstandort.

Insgesamt leben rund 240.000 Menschen in den insgesamt 22 Gemeinden des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

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Das Topthema vor der Wahl

Wie die regionale Zeitung, die Oberhessische Presse, in einer Umfrage herausgefunden hat, beschäftigt die Menschen am meisten die Flüchtlingsthematik. In Marburg befindet sich eine von insgesamt zwei Erstaufnahmeeinrichtungen im Landkreis. Hier gab es wenig Proteste - dafür eine sehr große Bereitschaft in der Bevölkerung, sich für Flüchtlinge zu engagieren.

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Parkordnung im Neustädter Bürgerpark

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Bürgerpark Neustadt durch Flüchtlinge verwahrlost": Der Faktencheck

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Auch in der Kleinstadt Neustadt, im Westen des Landkreises, gibt es eine Erstaufnahme. Dort gab es im vergangenen Sommer Beschwerden von Bürgern wegen angeblicher Lärmbelästigung, Müll und Urinieren im Bürgerpark. Die Stadtverwaltung hat daraufhin Piktogramme mit Verhaltensregeln aufgestellt - seitdem soll es keine größeren Probleme mehr geben.

Das beschäftigt die Menschen noch

Dauerbrenner ist und bleibt das privatisierte Uniklinikum Marburg, und der in diesem Zusammenhang häufig beklagte Stellenabbau. Immerhin ist es gelungen, nach jahrelangen Verhandlungen das Partikeltherapiezentrum zur Behandlung von Krebspatienten in Betrieb zu nehmen. Jüngster Aufreger in Marburg sind neuerliche Staus in der Innenstadt infolge einer Neuordnung des Verkehrs.

Außerdem: Die Gemeinde Wetter, nördlich von Marburg, hat mit "Hessens längster Blitzermeile" zweifelhafte Berühmtheit bei Autofahrern erlangt. Auch die kleinen Hinterland-Gemeinden Angelburg und Steffenberg waren in den Schlagzeilen. Ihre Bürgermeister strebten aus wirtschaftlichen Gründen eine Fusion an. Allerdings haben sie die Rechnung ohne die Bürger gemacht, denn die wollten überwiegend nicht zusammengelegt werden und ließen die Pläne in einem Bürgerentscheid platzen.

Das sind die wichtigen Köpfe

Aus Marburg kommen zwei Bundestagsabgeordnete: Sören Bartol, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und zuständig für den Bereich Verkehr, Bau und digitale Infrastruktur - sowie Stefan Heck (CDU), unter anderem Mitglied im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz.

Auch führende Landespolitiker sind in der Region zuhause: Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) ist in Biedenkopf aufgewachsen. Die SPD-Landtagsabgeordnete Angelika Löber lebt in Lahntal-Sterzhausen. Angela Dorn, Grünen-Abgeordnete und Sprecherin für Umwelt, Energie und Klimaschutz, hat in Marburg studiert und wohnt dort mit ihrer Familie. Auch der Arzt und ehemalige Landespolitiker Thomas Spies (SPD) kommt aus Marburg. Seit Ende 2015 ist er Oberbürgermeister in der mittelhessischen Stadt und damit - nach eigener Aussage - sehr glücklich.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Die SPD in Marburg will sich für mehr Wohnraum in der Stadt einsetzen. So soll es bis 2020 zusätzlich 450 neue, geförderte und preisgünstige Wohnungen geben. Außerdem planen die Sozialdemokraten ein 30-Millionen-Programm für bessere Bedingungen in Schule und Bildung. Das begrüßen die Wahlkampfgegner von der CDU, denn laut Spitzenkandidat Dirk Bamberger gibt es jede Menge Investitionsrückstände in Marburg. Zusätzlich zum Bildungsprogramm wollen die Christdemokraten das Projekt einer internationalen Schule prüfen. Außerdem fordert Bamberger, einen Verkehrsversuch in der Marburger Nordstadt zurückzubauen, weil er Staus hervorgebracht habe.

Im Kreistag wollen SPD und CDU weiterhin zusammenarbeiten. Erstmals kandidiert neben den Grünen, Linken, Freien Wählern, der FDP und der Piratenpartei dort auch die Alternative für Deutschland (AfD). Sie wird unter anderem von Biedenkopfs Altbürgermeister Karl-Hermann Bolldorf unterstützt. In Stadtallendorf tritt erstmals die neue "Bürgerunion Stadtallendorf" (BUS) um den ehemaligen Republikaner Manfred Thierau an.