Eschborn Skyline
Nicht nur der Nachbar Frankfurt, auch Eschborn hat eine Skyline zu bieten. Bild © Stadt Eschborn

Kleiner Kreis, hohe Kaufkraft: Im Main-Taunus-Kreis lebt es sich offenbar gut - trotz dichter Besiedlung zieht es vor allem junge Familien dorthin. Bei der Wahl könnten dennoch Mehrheiten ins Wanken geraten. In Eschborn überschattet eine filmreife Spitzelaffäre den Wahlkampf.

Die Ausgangslage im Landkreis

Stärkste politische Kraft im Landkreis ist bisher mit knapp 42 Prozent die CDU, aber für eine Mehrheit brauchte es 2011 neben der FDP auch die Freien Wähler MTK, weil sowohl schwarz als auch gelb erheblich verloren hatten. SPD und Grüne liegen mit knapp 23 und gut 21 Prozent nicht weit auseinander. Insgesamt acht Parteien und Wahlbündnisse gibt es im Kreistag. Landrat ist seit 2011 Michael Cyriax (CDU).

Die größten Herausforderungen

In den Main-Taunus-Kreis zieht es nach wie vor viele junge Familien, weshalb sich das Alterungsproblem hier weniger stark zeigt als in anderen Regionen Hessens. Probleme machen der starke Verkehr und der Fluglärm, der die Gemeinden entlang des Mains plagt. Eschborn hat mittlerweile 30.000 Berufspendler täglich, die in seine Gewerbegebiete strömen. Eine Nordwestspange der S-Bahn, die Eschborn mit Bad Homburg im Osten und dem Flughafen im Westen verbindet, soll zwar Abhilfe schaffen, das Projekt kommt aber seit Jahren nicht vom Fleck.

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Der Landkreis im Kurzporträt

Der kleinste deutsche Landkreis erstreckt sich nördlich des Mains zwischen Frankfurt und Wiesbaden. Orte und Städte liegen hier nah beieinander. Die Bevölkerung (derzeit rund 231.000) wächst kontinuierlich. Sie ist geprägt von einer Mittelschicht mit überdurchschnittlich hohen Einkommen und vielen Berufspendlern. Die Bewohner im Main-Taunus-Kreis verfügen über die viertgrößte Kaufkraft Deutschlands. Ganz im Westen formen die Ausläufer des Rheingaus die Landschaft, ganz im Osten stehen die Bürotürme von Eschborn. Das ehemalige Bauerndorf hat sich darauf spezialisiert, Frankfurter Dienstleister mit niedriger Gewerbesteuer abspenstig zu machen. Zuletzt hat die Deutsche Börse deshalb ihren Hauptsitz hierhin verlegt. Ansonsten finden sich im Kreis die Deutschlandzentralen von Procter & Gamble, Clariant, Messer und Ikea.

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Das Topthema vor der Wahl

Überregional machte Landrat Cyriax im Oktober Schlagzeilen: Wegen der Flüchtlingsunterbringung rief er den Katastrophenfall aus, als binnen weniger Tage Notunterkünfte gebraucht wurden. Da dem Kreis große leerstehende Gebäude fehlten, wurden städtische Turnhallen in Hofheim und Hattersheim  belegt, um den Schulsport nicht zu beeinträchtigen. Die sind zwar inzwischen leer geräumt, eine weitere Nutzung als Notunterkunft mag Cyriax aber nicht ausschließen, obwohl der Kreis auf einem alten Firmengelände ein Sozialzentrum für 800 Flüchtlinge und 400 Kreisangestellte plant. In Eschborn prüft das Land, ob ein Gebäude als weitere Erstaufnahmeeinrichtung taugt.

Das beschäftigt die Menschen noch

Vier Kommunen im Osten des Kreises werden 2016 nach dem Kommunalen Finanzausgleich zur Kasse gebeten, sechs Kommunen werden dagegen profitieren.  Mindestens zwei Städte - Eschborn und Schwalbach - wollen gegen das Gesetz klagen.

Obwohl sich 2015 alle Bürgermeisterkandidaten in Kelkheim einig waren, die hohen Kita-Gebühren zu senken, blockieren CDU und FDP im Stadtparlament seither das Vorhaben. Kelkheims neuer Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) beklagt die "Blockadepolitik“ und hofft auf einen Denkzettel durch die Wähler. Kelkheims Kita-Gebühren gehören mit bis zu 1.000 Euro im Monat zu den höchsten in Hessen.

Proteste gibt es in Hochheim gegen Planungen für ein Tiefen-Geothermie-Kraftwerk. Bürger fürchten seismographische Störungen und kleine Erdbeben.

Zu Jahresbeginn haben sich die Main-Taunus-Kliniken (Bad Soden und Hofheim) mit dem Klinikum Frankfurt-Höchst zusammengeschlossen. Durch die Fusion sollen die Kliniken mit insgesamt 1.500 Betten wirtschaftlicher arbeiten können. Der Kreistag hat das Projekt durchgewinkt. Protest gab es nur von der SPD.

Das sind die wichtigen Köpfe

CDU-Kreisvorsitzender Axel Wintermeyer ist auch Chef der hessischen Staatskanzlei und gilt als "rechte Hand“ von Ministerpräsident Volker Bouffier. Als dieser die Flüchtlingspolitik zur Chefsache machte, ernannte er Wintermeyer zum Flüchtlingskoordinator. Die Juristin Nancy Faeser hat viele Ämter: SPD-Fraktionsvorsitzende im Main-Taunus-Kreis, aber auch stellvertretende SPD-Fraktionschefin im Landtag und kommissarische Generalsekretärin der Hessen-SPD. Gisela Stang, die Hofheimer Bürgermeisterin, ist zugleich stellvertretende SPD-Landesvorsitzende in Hessen. Und dann ist da noch Roland Koch: Der Ex-Ministerpräsident und Ex-Bilfinger-Chef tritt politisch kaum noch in Erscheinung, kandidiert auf Platz 104 der Kreis-CDU – ganz hinten auf dem letzten Listenplatz.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

CDU-Spitzenkandidat Wintermeyer lässt es an markigen Worten zu Flüchtlingen nicht fehlen: "Wer kommt, muss unsere Normen und Werte anerkennen und das Grundgesetz, sonst fliegt er raus“, sagt der Flüchtlingskoordinator des Landes jüngst und findet auch eine Obergrenze wichtig. Ansonsten will seine CDU Innenstädte bürgerfreundlicher umgestalten, den ÖPNV ausbauen, ebenso Radwege und das Internet. Die SPD will mehr preiswerten Wohnraum schaffen: Prognosen zufolge stehen in fünf Jahren einem Bedarf von 2.700 Wohnungen maximal 400 Neubauten gegenüber. Die Grünen im Kreis setzen zwar auf den Erhalt von Grünzonen, wollen aber auch neue Baugebiete schaffen. Ihnen ist die Ganztagsbetreuung an Schulen ein Anliegen. Die AfD stellt vor allem Forderungen, für die der Kreistag nicht zuständig ist. Kommunal ist ihr Programm ehr dünn: weniger Landschaftszersiedelung, mehr Lärmschutz. Spannend: In Hofheim tritt die Wählergemeinschaft Wallau als achte Liste an, die sich für "Selbstbestimmung für Wallau“ stark macht. Seit der Eingemeindung vor 40 Jahren habe Hofheim viel zu wenig für den Stadtteil getan, sagen sie.

Hier krachte es im Vorfeld der Wahl

Der Streit um Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) spitzt sich zu: Nachdem die Staatsanwaltschaft Frankfurt sechs Wochen vor der Kommunalwahl gegen ihn Anklage wegen Geheimnisverrats erhoben hat, will ihn neben der CDU-Grünen-Koalition im Rathaus auch die SPD abwählen. Geiger selbst hat zugegeben, Unterlagen im Rathaus kopiert, auf CD gebrannt und einem Eschborner Rechtsanwalt übergeben zu haben, lehnt einen Rückzug aber ab. Der Landkreis als Dienstaufsicht prüft, ob er beurlaubt oder suspendiert werden soll.

Hier wird es besonders eng

Im Kreistag dürfte es bei einem Einzug der AfD für die Koalition aus CDU, FDP und Freien Wählern, die aktuell nur eine Stimme Mehrheit hat, eng werden. Womöglich kommen hier SPD und Grüne als Partner zum Zug.

Spannend wird es in Bad Soden, der einzigen Kommune, in der die AfD zur Wahl antritt. Hier hatten die Unzufriedenen mit der BSB 2011 schon eine Wählergemeinschaft aus der Taufe gehoben, die aus dem Stand mit 21,4 Prozent zweitstärkste Kraft wurde. BSB-Vertreter betätigten sich nun als Steigbügelhalter der AfD. Die bisherige schwarz-rote Mehrheit im Sodener Rathaus wackelt schon, wenn mehr als ein Sitz verloren geht.

Die Wahl in Eschborn wird vom möglichen Strafprozess gegen den FDP-Bürgermeister überschattet. Ob das dem aktuellen schwarz-grünen Bündnis nützt, ist unklar, denn auch der langjährige, abgewählte CDU-Bürgermeister stand unter Kungelverdacht. Der ehemalige FDP- und FWE-Politiker Michael Bauer will mit seiner Liste Klartext und der Forderung nach Abschaffung der Grundsteuer die Stadtverordnetenversammlung aufmischen.

Hier wird die Wahl eine klare Angelegenheit

In Kriftel ist nicht nur Bürgermeister Christian Seitz seit zehn Jahren im Amt, auch seine CDU hat hier durchgehend eine unangefochtene Mehrheit.

Diese Entscheidungen stehen noch an

In Hattersheim stellt sich Bürgermeisterin Antje Köster von der SPD zum zweiten Mal zur Wahl. Die CDU schickt gegen sie den Unternehmer Klaus Schindling aus Okriftel ins Rennen, die Freien Wähler Karl Heinz Spengler. Ein Thema: Die maroden Finanzen der Stadt. Sie ist die einzige Schutzschirmkommune im Landkreis. Seit 63 Jahren regiert hier die SPD.