Offenbach Hills
An Selbstbewusstsein mangelt es offenbar nicht: In Anlehnung an Hollywood ist in der selbst ernannten Kreativstadt Offenbach seit kurzem dieser Schriftzug zu bestaunen. Bild © Heiko Schneider

Vom Problemkind wandelt sich Offenbach in Mini-Schritten zum kreativen Hotspot. Das bleibt auch in der Umgebung nicht verborgen und lockt junge Familien an - weshalb die Sorgen über hohe Mieten und soziale Konflikte wachsen.

Die Ausgangslage in der Stadt

Offenbach war einst von der SPD dominiert, 2011 wurde dann die CDU stärkste Fraktion. Die Grünen sind dort sehr stark (2011: 22,1 Prozent). Weil es für Rot-Grün 2011 trotzdem nicht reichte, wurden die Freien Wähler ins Boot geholt. Das Dreier-Bündnis regiert relativ geräuschlos, die CDU ist in der Opposition ziemlich angriffslustig. Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD, seit 2006 im Amt) ist ein umtriebiger und hemdsärmeliger Typ und recht populär.

Die größten Herausforderungen

Der Sozialetat der Stadt ist wegen seiner Bevölkerungsstruktur überproportional hoch. Demografisch ist Offenbach allerdings eine Musterkommune: Die Bevölkerung ist – nicht zuletzt dank der vielen Zuwanderer – vergleichsweise jung. Die Einwohnerzahl wächst – und das ziemlich rasant.

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Die Stadt im Kurzporträt

Die Stadt Offenbach zeichnen einige Superlative aus. Die meisten davon sind aber nicht nach dem Geschmack der Verwaltungsspitze und der Kommunalpolitiker: Hohe Arbeitslosigkeit (aktuell: 10,1 Prozent), höchster Ausländeranteil aller hessischen Kommunen, besonders hohe Kinderarmut (ein Drittel aller Kinder betroffen), höchste Pro-Kopf-Verschuldung in Hessen. Der Strukturwandel hat die einst industriell geprägte Stadt (120.000) besonders stark erwischt.

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Das Topthema vor der Wahl

Die Flüchtlinge sind in Offenbach nur ein Randthema, denn: In der Stadt gibt es zwar inzwischen zwei Erstaufnahme-Unterkünfte, aber bei der langfristigen Verteilung der Asylbewerber ist Offenbach außen vor. Die Stadt hat ihr Soll an Neubürgern längst übererfüllt. Topthemen sind soziale Not und sozialer Wandel. Wegen der Nähe zu Frankfurt ist in der Stadt ein Immobilien-Boom ausgebrochen. Viele Menschen kehren der Bankenstadt wegen des Mietniveaus den Rücken und kommen ins deutlich günstigere Offenbach. Kommune und Politik freuen sich über die neue Mittelklasse. Kritische Geister erwarten soziale Konflikte.  

Das beschäftigt die Menschen noch

Die Stadt ist mit rund einer Milliarde Euro verschuldet. Im Grunde ist es unmöglich, diese Last abzutragen. Ein Dauerthema ist die hohe Fluglärmbelastung. Der Lärmteppich bedeckt mehr oder weniger das gesamte Stadtgebiet. Es gibt aber auch positive Nachrichten: Offenbach hat sich – auch dank der Hochschule für Gestaltung und des mäßigen Mietniveaus – einen Name als Standort der Kreativwirtschaft gemacht.

Das sind die wichtigen Köpfe

Besonders aufmerksam werden der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) und der stellvertretende hessische Ministerpräsident Tarek Al-Wazir (Grüne) den Wahlausgang in ihrer Heimatstadt zur Kenntnis nehmen.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

Das Dreier-Bündnis setzt auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit, die CDU will endlich mal regieren. Die rechtspopulistische AfD stellt sich erstmals in Offenbach zur Wahl und dürfte ins Stadtparlament einziehen. Ein Wahlbündnis "Junges Offenbach" hofft auf die Stimmen der Jung- und Erstwähler. Auch die Spaß-Guerilla "Die Partei" aus dem Dunstkreis des Satire-Magazins Titanic kann man in Offenbach wählen.  

So eng kann es werden

Es könnte knapp werden für das Dreier-Bündnis. Aufschlussreich ist die Wahl außerdem, weil man Offenbach als eine Art Labor für die (kleine) Großstadt in Zeiten der Zuwanderung sehen kann. Das macht das Abschneiden der AfD und die Wahlbeteiligung - sprich: das Ausmaß der Wahlverdrossenheit - besonders interessant.

Diese Entscheidungen stehen noch an

Neben den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung und den Ortsbeiräten finde keine weiteren Wahlen oder Bürgerentscheide statt.