Bad Sooden-Allendorf Fachwerk

Der Tourismus boomt, aber die Bevölkerung überaltert. Daher wächst die Sorge um die ärztliche Versorgung und die Verkehrsanbindung in den Dörfern. Harte Sparmaßnahmen erschweren zusätzlich die politische Arbeit in der sozialdemokratischen Hochburg.

Die Ausgangslage im Landkreis

Der Kreis gilt als traditionelle SPD-Hochburg und das zeigte sich auch bei der letzten Kreiswahl 2011. Die SPD siegte mit über 44 Prozent vor der CDU mit 31 Prozent. Danach folgten die Grünen mit knapp 12 Prozent und die Freie  Wählergemeinschaft mit rund 6 Prozent. Das Schlusslicht bildeten die FDP mit 3,9 und die Linken mit 3,4 Prozent. Im Kreistag bildet die SPD zusammen mit den Grünen eine Koalition. Landrat ist Stefan Reuß von der SPD.

Die größten Herausforderungen

Der Werra-Meißner-Kreis hat mit dem demographischen Wandel zu kämpfen. Viele junge Menschen ziehen weg, um woanders zu arbeiten und die Bevölkerung überaltert. Damit verstärken sich auch die strukturellen Probleme auf den Dörfern. Die Menschen machen sich Sorgen um die ärztliche Versorgung, ihre Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Nahversorgung. Viele Häuser stehen leer und lassen sich nur schwer verkaufen. Doch es wird auch etwas gegen den Trend unternommen. Der Kreis bietet eine gute Versorgung mit Kinderbetreuungsangeboten, das Breitbandnetz für schnelleres Internet soll gebaut werden und die Arbeitslosigkeit befindet sich auf einem historischen Tief.

Weitere Informationen

Der Landkreis im Kurzporträt

Der Werra-Meißner-Kreis ist ländlich geprägt, mit Witzenhausen im Norden, Hessisch-Lichtenau im Westen und Eschwege im Osten. In der Mitte steht der Hohe Meißner, der Jahr für Jahr viele Touristen anzieht. Im Sommer wird hier gewandert oder geradelt, im Winter ziehen die Pisten Skiläufer und Schlittenfahrer an. Die Urlauber bummeln durch romantische Fachwerkstädte oder paddeln mit dem Kanu über die Werra. Besonders in den letzten Jahren wurde viel in den Tourismus im Kreis, der gerade einmal rund 100.000 Einwohner beheimatet, investiert. Es entstand die Marke "Frau Holle Land“, mit zahlreichen Veranstaltungen rund um die Naturgöttin und Märchenfigur der Brüder Grimm.

Ende der weiteren Informationen

Das Topthema vor der Wahl

Seit der Werra-Meißner-Kreis unter den kommunalen Schutzschirm des Landes geschlüpft ist, lauten die obersten Prioritäten in allen Kommunen: Einnahmen generieren und sparen. Die Bürger spüren die Einschnitte und müssen gleichzeitig mehr Steuern zahlen. Dadurch konnte der Kreis einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen und will nun Schulden abbauen.

Das beschäftigt die Menschen noch

Ein relativ neues Thema ist die Integration von Flüchtlingen. Der Kreis möchte Flüchtlinge schneller auf den Arbeitsmarkt vermitteln und im sozialen Miteinander integrieren. Dazu sollen auch die Vereine ihren Beitrag leisten. Viele Menschen engagieren sich mittlerweile als Begleiter, Ansprechpartner oder Lehrer im Deutschunterricht. Doch der Kreis hofft auch hier auf weitere Unterstützer.

Ein seit Jahren schwelender Streit ist das Thema Werraversalzung durch das Kasseler Unternehmen K+S. Die Bürgerinitiativen beklagen Umweltschäden durch die Einleitung von Salzabwässern in den Fluss. So gebe es kaum noch Fischarten in der Werra und das Grundwasser sei in Gefahr.

Das sind die wichtigen Köpfe

Karina Fissmann ist Spitzenkandidatin der SPD und seit 2013 Unterbezirksvorsitzende. Die Landtagsabgeordnete Lena Arnoldt startet als Spitzenkandidatin für die CDU in den Kommunalwahlkampf. Mit Sigrid Erfurth setzen die Grünen auf eine erfahrene Kommunalpolitikerin, unter deren Fraktionsvorsitz die Grünen erstmals in einer rot-grünen Koalition sind. Auf Listenplatz 1 der FWG Eschwege geht Patricia Hölzel ins Rennen um einen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung. Sie gehört dem Magistrat der Kreisstadt als ehrenamtliche Stadträtin an. Wichtige Bundespolitiker mit viel Engagement für die Region sind Michael Roth (SPD) und Helmut Heiderich (CDU).

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

In den Kreistag Werra-Meißner wollen die Parteien SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Die Linke sowie die Freie Wählergemeinschaft (FWG) einziehen. Sie sind bereits im aktuellen Kreisparlament vertreten. Im Gegensatz zu allen anderen hessischen Landkreisen hat die Alternative für Deutschland (AfD) für den hiesigen Kreistag keine Liste eingereicht und kandidiert auch in keiner Kommune. Die SPD hat sich vier Hauptthemen gesetzt: Integration der Flüchtlinge, Stärkung der Wirtschaft und Schaffung weiterer Arbeitsplätze, Abbau des Leerstandes in Eschwege und die Förderung des sozialen Zusammenhaltes. Ihre Ziele möchte die SPD weiterhin in einer Koalition mit den Grünen verfolgen. Die CDU setzt ebenfalls auf vier Hauptthemen: Den Kreishaushalt konsolidieren, Flüchtlinge integrieren, Ganztagsangebote an den Schulen ausbauen und angesichts der demographischen Entwicklung die medizinische Versorgung sichern. Die Grünen wollen den Klima- und Umweltschutz weiter vorantreiben, die Integration der Flüchtlinge verbessern, den ausgeglichenen Kreishaushalt sichern und die Mobilität auf dem Land stärken.

Hier krachte es im Vorfeld der Wahl

Aufreger gab es im Vorfeld im Witzenhäuser Stadtteil Ermschwerd und im Hessisch Lichtenauer Stadtteil Retterode. Beide werden in der kommenden Legislaturperiode keinen Ortsbeirat mehr haben. Damit wird der zweitgrößte Stadtteil von Witzenhausen erstmals ohne gewählte Interessenvertretung dastehen. Der Ermschwerder Wahlvorschlag benannte nur sechs Kandidaten. Weil der Ortsbeirat aber sieben Sitze hat, ist der Vorschlag ungültig. In Retterode wurden zwar genügend Kandidaten aufgestellt, allerdings sind die Wahlvoraussetzungen nicht erfüllt worden. Wer kandidieren will, muss sechs Monate in Retterode gemeldet sein. Das ist bei einem Kandidaten nicht der Fall gewesen. Daher ist dieser Wahlvorschlag ebenfalls ungültig.

Diese Entscheidungen stehen noch an

In Hessisch Lichtenau wird ein neuer Bürgermeister gewählt. Fünf Kandidaten haben sich zur Wahl gestellt. Der amtierende Bürgermeister Jürgen Herwig (SPD) geht nach 16 Jahren Amtszeit in den Ruhestand.