Hände halten schwarzes und grünes Puzzleteil nebeneinander
Bild © pixabay, hessenschau.de

Nach der Landtagswahl beginnen am Donnerstag die ersten Gespräche über mögliche Regierungsbündnisse. Aber wie gut passen zum Beispiel CDU und Grüne in ihren politischen Zielen zueinander? Nicht so gut wie vielleicht vermutet, zeigt eine Analyse des hr-Datenteams.

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In Kürze

Das hr-Datenteam hat die Parteien auf ihre inhaltliche Nähe hin analysiert. Es zeigt sich:

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CDU und Grüne kommen am Donnerstag in Wiesbaden zusammen, um nach der Landtagswahl über eine mögliche Neuauflage der schwarz-grünen Koalition in Hessen zu beraten. Da aber rechnerisch auch andere Regierungsbündnisse möglich sind, wird es in den kommenden Tagen auch zwischen weiteren Parteien, die im neuen Landtag vertreten sind, Sondierungen geben.

Koalitionsoptionen Endergebnis 01:43
Diese Koalitionsoptionen im neuen Landtag gibt es - zumindest rechnerisch. Bild © hessenschau.de

Doch wie gut passen die sechs Parteien im neuen Landtag (CDU, Grüne, SPD, AfD, FDP, Linke) eigentlich inhaltlich zueinander? Diese Frage hat sich das Datenteam des Hessischen Rundfunks gestellt.

Wahlomat und Abgeordnetenwatch-Kandidatencheck als Indikatoren

Um die politische Nähe der Parteien zu messen, wurden die Antworten der Parteien im Wahl-O-Maten und die Antworten der Abgeordneten im neuen Landtag im Kandidatencheck des Portals abgeordnetenwatch.de untersucht. Bei beiden Formaten konnten die Befragten mit Zustimmung, Ablehnung oder neutral antworten.

Für die Auswertung wurde gezählt, wie oft zwei Parteien oder zwei Abgeordnete gleich geantwortet haben. So lässt sich abbilden, wie stark das Antwortverhalten von zwei Parteien übereinstimmt. Ein Ergebnis von 60 Prozent Übereinstimmung bedeutet zum Beispiel, dass die beiden Parteien drei von fünf Fragen gleich beantwortet haben.

Die Grafik unten zeigt die entsprechenden Zahlen für alle Partei-Kombinationen: Dicke Verbindungen zwischen zwei Parteien bedeuten eine hohe Übereinstimmung. Wie die Zahlen genau zustande kamen, wird am Ende des Artikels erklärt.

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Schwarz-Grün verbindet trotz Koalition wenig

Bei dieser Analyse fallen mehrere Besonderheiten ins Auge. Zunächst ist festzustellen, dass die bisherigen und möglicherweise auch künftigen Regierungspartner CDU und Grüne inhaltlich nicht viel zu verbinden scheint.

Auf die 38 Fragen im Wahl-O-Maten gaben die Parteien 17 Mal die gleiche Antwort - also auf weniger als die Hälfte der Fragen. Bei den Kandidatenchecks von abgeordnetenwatch.de beantworteten die Abgeordneten im Schnitt sogar nur ein Drittel der Fragen gleich.

Allerdings waren die CDU-Politiker auf abgeordnetenwatch.de nicht sehr auskunftsfreudig: Nur 19 der 40 neuen Landtagsabgeordneten nahmen teil.

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Parteimeinung ist nicht gleich Abgeordnetenmeinung

Die Zahlen verschieben sich zudem bei getrennter Betrachtung von Antworten der Parteien einerseits und Antworten der Abgeordneten andererseits. Während die Linke und die AfD in den Parteien-Antworten beim Wahl-O-Maten nur etwa ein Fünftel übereinstimmende Antworten haben, sind es bei den Abgeordneten 37 Prozent, also fast doppelt so viel.

Die höchste Übereinstimmung bei den Partei-Antworten haben CDU und FDP sowie SPD und Linke mit je 79 Prozent, das entspricht 30 von 38 Fragen.

Bei den Abgeordneten dagegen gibt es die meiste Übereinstimmung mit 76 Prozent bei Grünen und Linken, was zwischen 14 und 15 gleichen Antworten bei 19 Fragen entspricht.

GroKo und Ampel wären inhaltlich schwierig

Eine große Koalition aus CDU und SPD wäre in Hessen rechnerisch möglich. Sie ist aber weder bei Wählern noch bei den Politikern populär. Inhaltlich sind sich CDU und SPD zwar mindestens so nah wie CDU und Grüne, die Abgeordneten von CDU und SPD sind sich mit 40 Prozent gleicher Antworten im Schnitt sogar näher als die von CDU und Grünen. Viel Übereinstimmung ist das trotzdem nicht.

Ebenfalls rechnerisch möglich wäre eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Während Grüne und SPD im Schnitt bei etwa zwei Drittel der inhaltlichen Fragen übereinstimmen, sind sich FDP und die beiden anderen Parteien in weniger als der Hälfte der Fragen einig.

Eine Koalition von SPD, Linken und Grünen (Rot-Rot-Grün) ist dagegen rechnerisch nicht möglich, inhaltlich dagegen wäre sie wohl weniger problematisch: Diese drei Parteien gaben im Schnitt zwischen 64 und 74 Prozent übereinstimmende Antworten.

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AfD am nächsten bei CDU und FDP

Bei der AfD stimmen die Antwortmuster von Partei und Abgeordneten am ehesten mit denen der CDU überein. Mit 54 Prozent (Abgeordnete) und 58 Prozent (Partei) gab es jeweils bei mehr als der Hälfte der Fragen gleiche Antworten.

Bei AfD und FDP stimmen fast genau die Hälfte der Antworten überein. Deutlich weniger sind es bei SPD, Grünen und Linken. Auffällig ist hier, wie oben schon erwähnt, dass die Abgeordneten der Linken und der AfD bei 37 Prozent, also etwa 7 von 19 Fragen gleich geantwortet haben. Im Wahl-O-Maten sind es bei beiden Parteien nur 21 Prozent Übereinstimmung.

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Lagerbildung bei den Abgeordneten

Die Antworten der Abgeordneten lassen sich natürlich nicht nur im Durchschnitt exemplarisch für die ganze Partei abbilden. Spannend ist auch die Nähe zwischen den einzelnen Kandidaten.

Zieht man die Menge der übereinstimmenden Antworten als Maß für die Anziehungskraft zwischen zwei Abgeordneten heran, kann ein Computer-Algorithmus die Abgeordneten in einer Art Wolke platzieren. Abgeordnete, die nah beieinanderliegen, weisen ein ähnliches Antwortverhalten auf.

Dabei zeigt sich eine klare Lagerbildung: Die Abgeordneten der einzelnen Parteien liegen in der Regel näher beieinander. SPD und Grüne sind noch einigermaßen durchmischt, die Abgeordneten der beiden Parteien haben also offensichtlich ähnliche Einstellungen.

CDU, Linke und AfD bilden dagegen jeweils relativ abgegrenzte Gruppen. Hier gleichen sich also die Antwortmuster innerhalb der Partei, sind aber unterschiedlich zu den anderen Parteien. Die Abgeordneten der FDP sind am weitesten verteilt, allerdings eher in der Nähe von CDU und AfD.

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So kamen die Zahlen zustande

Für diese Analyse wurden die Antworten der Parteien im Wahl-O-Maten und die Antworten der gewählten Abgeordneten im Kandidatencheck von abgeordnetenwatch.de ausgewertet. Auf die Fragen konnte jeweils mit Zustimmung, Ablehnung oder neutral geantwortet werden.

Haben zwei Parteien oder zwei Abgeordnete auf die gleiche Frage also zum Beispiel mit Zustimmung geantwortet, wurde das als Übereinstimmung gewertet. Wenn zwei Parteien 19 von 38 Fragen gleich beantwortet haben, zählt das als 50 Prozent Übereinstimmung.

Um das Antwortverhalten der Abgeordneten auf Partei-Ebene untersuchen zu können, wurden die gleichen Antworten für alle Politikerkombinationen der beiden Parteien zusammengezählt und durch die Gesamtzahl der Fragen geteilt. 100 Prozent Übereinstimmung würden so bedeuten, dass alle Abgeordneten der beiden Parteien alle Fragen genau gleich beantwortet haben.

Beispielrechnung
Angenommen, es gibt zwei Parteien (A und B) mit jeweils zwei Abgeordneten (A1, A2, B1, B2). Alle Abgeordneten beantworten vier Fragen. Dabei ergeben sich folgende Übereinstimmungen:
A1 und B1: zwei von vier Fragen gleich beantwortet
A1 und B2: eine von vier Fragen gleich beantwortet
A2 und B1: zwei von vier Fragen gleich beantwortet
A2 und B2: drei von vier Fragen gleich beantwortet
Damit gibt es insgesamt acht Übereinstimmungen (2+1+2+3), maximal möglich wären 16. Im Schnitt stimmen die Parteien also zur Hälfte oder 50 Prozent überein.

Hinweis zu diesem Artikel
Nur weil Parteien im Wahl-O-Maten oder Abgeordnete im Kandidatencheck auf eine Frage gleich antworten, heißt das natürlich nicht, dass sie die exakt gleiche politische Einstellung dazu haben. Die Analysen in diesem Artikel beruhen auf Vereinfachungen und müssen nicht zwangsläufig etwas darüber aussagen, wie gut zwei Parteien tatsächlich zusammenarbeiten können.

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