Collage aus Logos von kleinen Parteien, die zur Landtagswahl in Hessen 2018 antreten: Die Partei, NPD, Graue Panther, Menschliche Welt, Die Piraten, öpd, Vhoch3-Partei, Bündnis Grundeinkommen, LKR, Freie Wähler, Die Violetten, Bürgerrechtsbewegung Solidarität, Partei für Gesundheitsforschung, Allianz Deutscher Demokraten, Bündnis C, Partei der Humanisten, Partei Mensch Umwelt Naturschutz
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Grün, blau oder grau, ökologisch, satirisch oder rechts: 17 kleine Parteien kämpfen um den Einzug in den hessischen Landtag. Ein Überblick über ihre zum Teil höchst unterschiedlichen Anliegen.

Ob DKP oder Republikaner: Manch bekannter Parteiname wird am 28. Oktober auf dem Stimmzettel für die Landtagswahl fehlen. Für eine Teilnahme ist bei kleinen Gruppierungen die Personaldecke oft zu dünn und das Konto zu leer. Trotzdem kandidieren diesmal 17 Kleinparteien, vier mehr als vor fünf Jahren. Einige bestehen erst seit wenigen Jahren.

Anders als die sechs größeren Parteien CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP und AfD können sie sich den aktuellen Umfragen zufolge keine Hoffnungen machen, die Fünf-Prozent-Sperrklausel für den Einzug in den Landtag zu schaffen. Ein Blick auf die Inhalte zeigt: Was später im Wahlergebnis gern unter "Sonstige" zusammengefasst wird, besteht aus höchst unterschiedlichen Politikansätzen. Das reicht von blau über violett bis orange, von christlich über esoterisch bis stramm rechts.

Überblick in der Reihenfolge des Stimmzettels:
Die Piraten | Freie Wähler | NPD | Die PARTEI | ÖDP | Graue Panther | BüSo | AD-Demokraten | Bündnis C | BGE | Die Violetten | LKR | Menschliche Welt | Die Humanisten | Gesundheitsforschung | Tierschutzpartei | V-Partei³

Die Piraten

Vollständiger Name: Piratenpartei Deutschland
Gründungsjahr: 2006
Ergebnis 2013 in Hessen: 1,9%
Spitzenkandidat in Hessen: Jürgen Erkmann (*1969), Datenschutzberater aus Frankfurt

Wichtigstes Ziel: Basisdemokratie, Freiheit und Transparenz in allen Lebensbereichen. Schwerpunkt ist dabei nach wie vor die Netzpolitik mit Datenschutz und dem Prinzip der informationellen Selbstbestimmung als zentralen Forderungen.
Weitere Forderungen: Netzneutralität und freies WLAN in allen öffentlichen Einrichtungen. Eine Stärkung der Bürgerrechte und mehr Transparenz im Staatswesen sind weitere Kernforderungen. Außerdem: freier Zugang zu Bildung und ein modernes Zuwanderungsgesetz.
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Freie Wähler

Vollständiger Name: Freie Wähler Hessen
Gründungsjahr: 2009
Ergebnis 2013 in Hessen: 1,2%
Spitzenkandidat in Hessen: Engin Eroglu (*1982), selbständig aus Schwalmstadt

Wichtigstes Ziel: Die "Freien Wähler" sind die überregionale politische Vereinigung freier Wählergemeinschaften. Sie will vor allem die Kommunalpolitik stärken und fordert eine landespolitische Trendwende.
Weitere Forderungen: Die Schere zwischen Arm und Reich soll geschlossen und Anliegergebühren für Straßenausbau abgeschafft werden. Herausforderungen in der Asylpolitik dürften nicht zulasten der Kommunen gehen. Wohnungsnot in Großstädten soll vor allem durch Stärkung des ländlichen Raums bekämpft werden.
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NPD

Vollständiger Name: Nationaldemokratische Partei Deutschlands
Gründungsjahr:
1964
Ergebnis 2013 in Hessen: 1,1%
Spitzenkandidat in Hessen: Daniel Lachmann (*1980), Geschäftsführer aus Büdingen

Wichtigstes Ziel: Die rechtsextreme Partei, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, richtet sich gegen "Massenzuwanderung, Islamisierung und Überfremdung". Ihre Ziele stehen insgesamt im Kontext der völkischen Ideologie.
Weitere Forderungen: Arbeitsplätze sollen bevorzugt an Deutsche vergeben, deutsche Kinder getrennt von "Kulturfremden" unterrichtet, Moscheen verboten werden. Um die traditionelle Familie zu stärken, soll das Kindergeld erhöht werden. Umweltschutz sei "Heimatschutz": Windkraftanlagen werden kategorisch abgelehnt.
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Die PARTEI

Vollständiger Name: Partei für Arbeit Rechtsstaaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative
Gründungsjahr: 2004
Ergebnis 2013 in Hessen: 0,5%
Spitzenkandidat in Hessen: Mario Bouffier (*1976), Grafik-Designer aus Waldbrunn (Westerwald)

Wichtigstes Ziel: Die PARTEI ist eine Satirepartei. Sie fordert einen Neuanfang in Hessen, weil Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) "gefühlt hundert Jahren" regiere.
Weitere Forderungen: Grundschüler sollen über den Instant-Messengerdienst Snapchat, die Oberstufe über die Dating-App Tinder unterrichtet werden. Gewünscht werden auch “unterirdische Windkraftanlagen“, eine Wasserrutschen-Trasse für Pendler aus dem Taunus nach Frankfurt und Kurse in Rechtskunde für Bayern, die nach Hessen ziehen wollen.
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ÖDP

Vollständiger Name: Ökologisch-Demokratische Partei
Gründungsjahr: 1982
Ergebnis 2013 in Hessen: 0,1%
Spitzenkandidat in Hessen: Angela Ramona Binder (*1978), freiberuflich aus Linsengericht

Wichtigstes Ziel: In der Landespolitik steht die Bildung an erster Stelle. Sie soll das Wissen vermitteln, wie sozial und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften in der Demokratie möglich ist.
Weitere Forderungen: Hessen soll bis 2050 seinen Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen, die ökologische Landwirtschaft ausgebaut und der Tierschutz verstärkt werden. Eltern würden in den ersten drei Lebensjahren ihres Kindes ein monatliches Erziehungsgehalt bekommen. Die ÖDP will außerdem die Abschaffung der Fünf-Prozent-Sperrklausel bei Landtagswahlen erreichen.
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Graue Panther

Gründungsjahr: 2013
Ergebnis 2013 in Hessen: -
Spitzenkandidat in Hessen: Alexander Günther (*1969), Fachinformatiker aus Dietzenbach

Wichtigstes Ziel: Die Grauen Panther sind eine von mehreren Gruppierungen, die aus der 2008 aufgelösten Partei "Die Grauen - Grauen Panther" hervorgegangen sind. Sie verstehen sich nach eigenen Angaben nicht als reine Interessenvertretung für Senioren, sondern "für jung und alt".
Weitere Forderungen: Die Maxime lautet, "ein demokratisches und solidarisches Gemeinwesen zu erneuern, in dem das Wohl und die Stärke Aller aus dem Schutz der Schwachen erwächst." Dazu zählen Verbesserungen in Gesundheitssystem und Pflege sowie Maßnahmen gegen Wohnungsnot und Altersarmut.
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BüSo

Vollständiger Name: Bürgerrechtsbewegung Solidarität
Gründungsjahr: 1992
Ergebnis 2013 in Hessen: 0,0%
Spitzenkandidat in Hessen: Alexander Hartmann (*1961), Chefredakteur aus Wiesbaden

Wichtigstes Ziel: Die BüSo fordert die Schaffung einer "neuen Weltwirtschaftsordnung" mit einem Ausbau der Industrialisierung.
Weitere Forderungen: Nur mit Beteiligung am chinesischen Projekt der "Neuen Seidenstraße" könnten Deutschland und Hessen der "europäischen Armutsfalle" entgehen. Die Partei fordert den Wiedereinstieg in die Atomenergie und ein landesweites Magnetbahn-Netz. Sie begreift sich als Bürgerrechtsbewegung.

AD-Demokraten

Vollständiger Name: Allianz Deutscher Demokraten
Gründungsjahr: 2016
Ergebnis 2013 in Hessen: -
Spitzenkandidat in Hessen: Yüksel Özcelik (*1965), Dipl.-Ingenieur aus Friedberg

Wichtigstes Ziel: Die Partei richtet sich mit ihrem Programm vor allem an Migranten und sieht Deutschland als Einwanderungsland.
Weitere Forderungen: Sie fordert die doppelte Staatsbürgerschaft für in Deutschland geborene Einwandererkinder und ein kommunales Wahlrecht für alle ausländischen Staatsbürger und Staatenlose. Politischem Extremismus, vor allem von rechts, soll stärker entgegengetreten werden. Ein vereinfachtes Steuersystem soll Familien begünstigen.
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Bündnis C

Vollständiger Name: Bündnis C - Christen für Deutschland
Gründungsjahr: 2015
Ergebnis 2013 in Hessen: -
Spitzenkandidat in Hessen: Andrea Rehwald (*1964), Vertriebsassistentin aus Merenberg

Wichtigstes Ziel: Das Bündnis C vertritt eine Politik nach christlichen Grundsätzen. Sie strebt eine "biblisch verankerte Lebensordnung" mit umfassenden Schutz menschlichen Lebens ein.
Weitere Forderungen: Ehe und Familie sollen gestärkt, die Schöpfung bewahrt werden. Abtreibungen werden abgelehnt. Die Fürsorge für Schwache und die Integration Behinderter will das Bündnis verbessern. Flüchtlinge sind  willkommen. Gleichzeitig müsse der Staat einer drohenden Islamisierung begegnen.
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BGE

Vollständiger Name: Bündnis Grundeinkommen
Gründungsjahr: 2016
Ergebnis 2013 in Hessen: -
Spitzenkandidat in Hessen: Gerhard Wagner (*1947), Bankkaufmann aus Wiesbaden

Wichtigstes Ziel: Das Bündnis Grundeinkommen ist eine monothematische Partei, die als einziges Ziel hat, in Deutschland die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens voranzubringen. Dieses soll allen Menschen unabhängig von sonstigen Einkommen zur Verfügung stehen.
Weitere Forderungen: Die Partei verfolgt keine weiteren Ziele. Eine Enquetekommission im Bundestag soll die Einzelheiten festlegen, insbesondere die Höhe des Grundeinkommens und dessen Finanzierung.
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Die Violetten

Gründungsjahr: 2001
Ergebnis 2013 in Hessen: -
Spitzenkandidat in Hessen: Jochem Kalmbacher (*1964), Pflegedienstleiter aus Rodgau

Wichtigstes Ziel: Die Partei tritt für eine ganzheitlich-spirituelle Politik ein. In Hessen legt sie ihren Schwerpunkt auf Verbesserungen im Gesundheitssystem und der Kranken- und Altenpflege.
Weitere Forderungen: Dem Pflegenotstand soll mit einer "angemessenen Entlohnung im gesamten Pflegebereich" begegnet werden. Die Partei macht sich für eine "altersgerechte und gesundheitsfördernde Versorgung" stark und fordert eine Altersgrundrente. Die Schulen soll sich dem Thema Pflege mehr widmen.
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LKR

Vollständiger Name: Liberal-Konservative Reformer - Die Eurokritiker
Gründungsjahr: 2015
Ergebnis 2013 in Hessen: -
Spitzenkandidat in Hessen: Stephanie Tsomakaeva (*1970), Geschäftsführerin aus Langen

Wichtigstes Ziel: Die Partei, die zunächst Alfa hieß, vertritt vor allem kritische Positionen gegenüber der EU und ist für die Abschaffung des Euro. Gegründet wurde sie von Bernd Lucke, der die AfD nach einem Rechtsruck verließ.
Weitere Forderungen: Die Partei plädiert in der Asylpolitik für "eine aktiv gesteuerte Hilfskultur statt einer naiven Willkommenskultur“. Kommunen sollen entscheiden, wie viele Flüchtlinge sie aufnehmen. Polizei und Justiz sollen besser ausgestattet, Delikte härter geahndet werden.  Mehr direkte Demokratie soll unter anderem mit dem Abbau von Hürden bei Bürgerbegehren erreicht werden.
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Menschliche Welt

Gründungsjahr: 2013
Ergebnis 2013 in Hessen: -
Spitzenkandidat in Hessen: Caffer Azbak (*1971), Diplom-Kaufmann aus Eschborn

Wichtigstes Ziel: Das Leitbild der spirituell ausgerichteten Partei ist eine globale menschliche Gesellschaft. Ihre Ziele orientieren sich an den Lehren des indischen Philosophen Prabhat Ranjan Sarkar.
Weitere Forderungen: In Hessen will sich die Partei dafür einsetzen, dass in Wirtschaft, Politik und Bildung Menschlichkeit im Vordergrund steht. Weitere Anliegen sind die Gleichberechtigung von Mann und Frau, artgerechte Tierhaltung und die Gewinnung und Speicherung erneuerbarer Energien mithilfe umweltfreundlicher Technologien.
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Die Humanisten

Vollständiger Name: Partei der Humanisten
Gründungsjahr:
2014
Ergebnis 2013 in Hessen: -
Spitzenkandidat in Hessen: Rutger Comes (*1968), Lehrer für Pflegeberufe aus Frankfurt

Wichtigstes Ziel: Die Partei versteht sich als "liberal, sozial und progressiv". Ihr Kernthema ist die Säkularisierung. Sie will die Errichtung eines föderalen europäischen Bundesstaates mit einer europäischen Verfassung.
Weitere Forderungen: Der bekenntnisorientierte Religionsunterricht soll durch ein ethisch-philosophisches Fach ersetzt werden. Die Partei setzt sich für die schrittweise Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens ein und fordert ein einfacheres Steuersystem. Sie ist für die Legalisierung von Rauschmitteln wie Cannabis zu legalisieren.
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Gesundheitsforschung

Vollständiger Name: Partei für Gesundheitsforschung
Gründungsjahr: 2015
Ergebnis 2013 in Hessen: -
Spitzenkandidat in Hessen: Dennis Rudolph (*1984), Ingenieur aus Groß-Zimmern

Wichtigstes Ziel: Hauptanliegen der Partei ist die Erforschung von Alterskrankheiten wie Krebs, Alzheimer, Diabetes, Herzinfarkt und Parkinson sowie die Entwicklung wirksamer Medizin gegen diese Krankheiten.
Weitere Forderungen: In Hessen soll ein Prozent des Landeshaushaltes in diese Forschung investiert werden. Die Hälfte des Geldes soll in Bau und Betrieb neuer Forschungseinrichtungen fließen. Die andere Hälfte ist für die Ausbildung von mehr Wissenschaftlern und den Ausbau entsprechender Fachbereiche vorgesehen.
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Tierschutzpartei

Vollständiger Name: Partei Mensch Umwelt Tierschutz
Gründungsjahr: 1993
Ergebnis 2013 in Hessen: -
Spitzenkandidat in Hessen: Claudia Scharnagl (*1960), kaufmännische Angestellte aus Wehrheim

Wichtigstes Ziel: Der Kampf gegen die Ausbeutung von Tieren steht im Mittelpunkt. Tiere sieht die Partei als "empfindungsfähige Mitgeschöpfe" mit unveräußerlichen Grundrechten.
Weitere Forderungen: Die Partei will die Abschaffung von Massentierhaltung in Hessen erreichen. Sie fordert die Abschaffung von Rasselisten für Hunde und Sachkundenachweise für Hundehalter. Ethik soll verpflichtendes Schulfach werden. Die Schaffung von mehr bezahlbaren Wohnraum und sowie ein Tempolimit auf hessischen Autobahnen.
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V-Partei³

Vollständiger Name: Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer
Gründungsjahr: 2016
Ergebnis 2013 in Hessen: -
Spitzenkandidat: Alexandra Munir-Muuß (*1969), Gastronomin aus Frankfurt

Wichtigstes Ziel: Die junge Partei will das Sprachrohr der Vegetarier und Veganer sein. Sie setzt sich für mehr ökologische Landwirtschaft und gegen Massentierhaltung ein.
Weitere Forderungen: Die V-Partei³ sieht in Hessen noch viel Entwicklungsbedarf auf dem Gebiet der Laborfleisch-Forschung. Tierversuche und das Schlachten von Tieren sollen verboten, bis dahin Videoüberwachung in Schlachthäusern Pflicht werden. Die Partei fordert außerdem mehr Obdachlosenheime, eine wirksame Mietbremse und die Umsetzung eines Geschlechtervielfaltsgesetzes.
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