Spurensicherung nach einem Einbruch
Spurensicherung nach einem Einbruch Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Das Kapitel "Sicherheit in Hessen" fehlt in keinem größeren Parteiprogramm zur Landtagswahl. Zu den häufigsten Delikten gehören Einbrüche. Nicht selten leiden die Opfer lange unter den Folgen - und die Täter kommen davon.

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"Es war um halb drei mittags. Man denkt, es kann nichts passieren", sagt Polina Kechter. Vor genau einem Jahr ist es doch passiert. Damals ist die Wiesbadenerin Opfer eines Wohnungseinbruchs geworden. Unbekannte stiegen durchs Fenster im Hochparterre des Hauses ein, nahmen Bargeld und Schmuck mit.

Es waren unersetzliche Erinnerungsstücke darunter - wie die Kette mit einem Kreuz "von meiner Mama". Die Täter wurden noch nicht gefasst. Und Frau Kechter hat bis heute mit der Sache zu kämpfen.

Und nicht nur sie. Elf Mal pro Tag wird in Hessen "erfolgreich" eine Wohnung geknackt. Diese Fälle zählen - wie auch Diebstähle - zu den Eigentumsdelikten. Sie bilden die mit Abstand größte Gruppe der Straftaten in Hessen.

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Ein Einbrecher hebelt mit einem Brecheisen eine Tür im Keller eines Hauses auf. (Symbolbild)

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Der Einbrecher geht, die Angst bleibt

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Die Angst, im Dunkeln auf der Straße überfallen zu werden, mag verbreiteter sein. Die 27 Morde eines Jahres sind furchtbarer und machen größere Schlagzeilen. Sehr viel zahlreicher sind Einbrüche. Auch ohne Verletzungen gilt hier: Dass in die eigene Wohnungen eingedrungen wurde, erleben die Einbruchsopfer oft als besonders belastend.

Denn in jedem der landesweit 4.169 gemeldeten, vollzogenen Einbrüche jährlich wurde "plötzlich eine sicher scheinende Grenze überschritten, ohne dass sich die Opfer wehren konnten". So fasst Martin Rettenberger die Erfahrungen von Betroffenen wie Polina Kechter zusammen. "Diese Erfahrung kann für die Betroffenen ganz massive psychische Folgen haben", sagt der Leiter der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, die im Auftrag von Bund und Ländern Verbrechen erforscht.

Erfolge und Dämpfer

Bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalitätsstatistik Anfang des Jahres meldete das Innenministerium freilich einen Erfolg. Die Zahl aller registrierten Straftaten sank 2017 gegenüber dem Vorjahr um 8,9 Prozent. Und dazu trug nicht zuletzt der nach Steigerungsraten bereits 2016 eingesetzte Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen bei. Er lag im vergangenen Jahr bei 20 Prozent.

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"Sicherheit" im Wahlprogramm

Welche Konzepte haben die sechs größten Parteien CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP und AfD beim Thema Sicherheit und Kriminalitätsbekämpfung vor der Landtagswahl am 28. Oktober? Einen Überblick über die Schwerpunkte finden Sie hier.

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Allerdings ist die Erfolgsquote laut Statistik auf diesem Feld nach wie vor niedrig - ein Problem, das Fahnder anderswo auch haben. Insgesamt werden in Hessen zwar fast zwei Drittel aller Delikte aufgeklärt, der beste Wert seit 1971. Aber bei Einbrüchen gelingt es seit Jahren nur in jedem fünften Fall, die Täter zu fassen. Manchmal gehen immerhin ganze Banden ins Netz: Wie vergangenen Sommer, als Frankfurter Fahnder eine 25-köpfige Bande aushoben, die europaweit agierte und der eine Serie von mindestens 70 Taten zugeschrieben wurden.

Ist da jemand auf dem Balkon?

Meist aber können die Täter mitsamt der Beute unerkannt entkommen. Die Hoffnung, dass ihr Fall aufgeklärt werden könnte, hat auch Polina Kechter aufgegeben. Geblieben ist die Unsicherheit. "Ich habe immer das Gefühl, dass jemand am Balkon da läuft oder guckt. Diese Angst sitzt fest im Kopf." Vielleicht bleibt diese Erfahrung anderen Menschen zunehmend erspart.

Die Mindeststrafe für Einbrüche in Privatwohnungen wurde schon von drei auf 12 Monate erhöht. Die Polizei setzt außerdem auf eine Prognosesoftware: Sie soll aufgrund Zehntausender Daten helfen, die nächsten Ziele von Einbrechern vorab zu erkennen. Ihre Wirksamkeit aber ist noch nicht belegt, auch Datenschützer haben Bedenken.

Besonders wirksam sind nach Ansicht der Polizei in jedem Fall fachmännisch gesicherte Wohnungen. Weil Bewohner mehr als früher in Sicherheit investieren, bleibt es inzwischen in jedem zweiten Fall in Hessen beim Einbruchsversuch.