Hessentrend im Oktober 2018
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Kurz vor der Landtagswahl deuten sich im aktuellen Hessentrend kräftige Verschiebungen in der Parteienlandschaft an: die CDU deutlich unter 30 Prozent, die SPD nur noch knapp vor den Grünen. Für eine Zwei-Parteien-Koalition würde es derzeit nicht reichen.

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Die wichtigsten Hessentrend-Ergebnisse im Überblick

  • CDU und SPD müssen auf zweistellige Verluste gefasst sein.
  • Die Grünen haben mit einem Rekordwert die SPD als zweitstärkste Kraft fast eingeholt.
  • Schwarz-Grün fehlt derzeit eine Mehrheit, für eine GroKo reicht es aber auch nicht.
  • Möglich wäre Jamaika (CDU, Grüne, FDP), knapp auch Ampel (SPD, FDP, Grüne) oder Rot-Grün-Rot.
  • Der AfD als viertstärkster Fraktion, aber auch der FDP und der Linken scheint der Einzug in den Landtag gewiss.
  • Allerdings haben sich erst 60 Prozent der Wähler fest für eine Partei entschieden.

CDU und SPD in Hessen haben kurz nach der Bayernwahl und zehn Tage vor der Landtagswahl am 28. Oktober einen herben Umfrage-Rückschlag zu verdauen. Im Hessentrend von infratest dimap im Auftrag der ARD bliebe die regierende CDU bei der Sonntagsfrage zwar stärkste Partei. Sie würde mit 26 Prozent aber erstmals seit den 60er Jahren so klar unter die 30-Prozentmarke rutschen.

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Die SPD wäre mit dem historischen Tiefstwert von 21 Prozent inzwischen auf direkter Augenhöhe mit den weiter erstarkten Grünen, die in der Umfrage auf 20 Prozent kommen. Als vierstärkste Kraft hätte die AfD mit 12 Prozent den Einzug auch ins letzte Landesparlament geschafft, in dem sie noch nicht vertreten ist. Mit einem gewissen Polster über der Fünf-Prozent-Hürde wäre außerdem die FDP (9 Prozent) vertreten. Die Linke (8 Prozent) käme mit ihrem bislang besten Landtagswahlergebnis in Hessen ebenfalls in den Wiesbadener Landtag. Auf alle anderen Parteien entfielen 4 Prozent.

Drei Parteien würden gebraucht

Damit deuten sich ein Sechs-Parteien-Landtag und schwierige Koalitionsverhandlungen an. Für das amtierende schwarz-grüne Bündnis würde es nicht reichen, obwohl 55 Prozent der Befragten mit der Regierung zufrieden sind. Auch CDU und SPD hätten voraussichtlich zusammen nicht genug Mandate. Dass eine solche Koalition nicht gerade ihre bevorzugte wäre, haben Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und sein Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) im TV-Spitzenduell des hr aktuell wieder zu verstehen gegeben.

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Sonntagsfrage

"Welche Partei würden Sie wählen, wenn ..." - die Sonntagsfrage misst aktuelle Wahlneigungen, nicht das tatsächliche Wahlverhalten. Das Ergebnis gibt also einen Zwischenstand wieder. Viele Wähler legen sich erst kurzfristig vor einer Wahl fest.

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Rechnerisch wären der Vorwahlumfrage zufolge mindestens drei Partner zur Regierungsbildung nötig: einer Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP scheint eine deutliche rechnerische Mehrheit gewiss. Eine Ampelkoalition aus SPD, FDP und Grünen oder auch eine rot-grün-rote Landesregierung könnten knapp möglich sein.

Allerdings gilt bei allem eine wichtige Einschränkung: Erst 60 Prozent der Wahlberechtigten haben nach eigenen Angaben fest entschieden, wen sie wählen. 18 Prozent halten eine Änderung ihrer derzeitigen Parteipräferenz bis zum Wahltag für möglich. 22 Prozent haben eine solche Präferenz nicht oder tendieren dazu, nicht wählen zu gehen.

Berliner GroKo-Parteien kräftig gestutzt

Verglichen mit dem Hessentrend von September müssten CDU, SPD und AfD Einbußen von jeweils zwei Prozentpunkten hinnehmen. Die Grünen würden weitere drei Prozentpunkte zulegen. Wie sehr sich die politischen Kräfte in Hessen ändern könnten, zeigt aber vor allem der Vergleich mit dem Landtagswahlergebnis 2013: die Parteien der Berliner GroKo CDU (-12,3) und SPD (-9,7) würden wie vergangenen Sonntag in Bayern auch in Hessen arg gestutzt. Grüne (+8,9) und FDP (+4) können nahezu auf eine Verdoppelung ihrer Ergebnisse hoffen, die AfD (+7,9) auf eine Verdreifachung. Auch die Linke könnte kräftig wachsen (+3,2).

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Trend bestätigt

Die ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten Zahlen des ZDF-Politbarometers bestätigen die Ergebnisse des Hessentrends. Sie sehen die CDU bei 26 Prozent. Die SPD käme mit 20 Prozent sogar lediglich auf Platz drei, hinter den Grünen mit 22 Prozent. Linke und FDP wären mit jeweils acht Prozent gewiss im Landtag, aber hinter der AfD mit 12 Prozent.

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CDU im Abstieg, Grüne im Aufwind: Diese Entwicklung zeigt sich auch in den aktuellen Sympathiewerten für die beiden Parteien und ihre Spitzenkandidaten. Mit der Arbeit der CDU in Wiesbaden etwa waren 42 Prozent der Befragten zufrieden. Das sind 7 Prozentpunkte weniger als im Januar. Danach folgten unter anderem der Asylstreit in der Koalition, der Streit um Verfassungsschutzchef Hans-Goerg Maaßen, die gerade in Hessen umstrittenen Maßnahmen der Bundesregierung gegen drohende Dieselfahrverbote - und die Bayernwahl. Für die Leistung der Grünen in der Landesregierung heben dagegen 55 Prozent den Daumen.

Al-Wazir am beliebtesten

Und wie schon im September ist der grüne Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (51 Prozent) beliebtester Politiker vor seinem Kabinettschef Bouffier. Dessen Zufriedenheitswert von 49 Prozent liegt laut infratest dimap unter dem vieler Amtskollegen – und auch leicht unter dem des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel folgt mit weitem Abstand (35 Prozent). Nach anderen hessischen Politikern wurde nicht gefragt.

In der Frage, wer in einer künftigen Regierung den Ton angeben sollte, zeigt sich das geänderte Kräfteverhältnis innerhalb von Schwarz-Grün noch stärker. Vor die Alternative CDU oder Grüne gestellt, sagen 41 Prozent der Befragten: Die CDU sollte die Regierung anführen. 40 Prozent sähen allerdings lieber einen Grünen als Ministerpräsidenten. Im direkten Vergleich mit der SPD (38 Prozent) hätte die CDU (44 Prozent) in diesem Punkt die Nase dagegen erkennbar vorne.

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Hessentrend

Im Auftrag der ARD hat das Institut infratest dimap in der Zeit vom 16. bis 17. Oktober 1.002 wahlberechtigte Hessen nach repräsentativer Zufallsauswahl telefonisch befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,4 und 3,1 Prozentpunkten.

Fragen und Antworten zum Thema Meinungsumfragen finden Sie hier.

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