Die Ergebnisse der Sonntagsfrage des hr-Hessentrends
Sonntagsfrage zur Landtagswahl: Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag in Hessen Landtagswahl wäre? Bild © hessenschau.de

Auf eine erneute Mehrheit dürfen CDU und Grüne in Hessen derzeit kaum hoffen. Im neuen hr-Hessentrend profitiert die SPD davon aber nicht. Dafür wird die AfD drittstärkste Kraft - auch weil ihr Hauptthema wieder für mehr Wähler an Brisanz gewinnt.

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Die wichtigsten Hessentrend-Ergebnisse im Überblick:

  • Schwarz-Grün hätte bei der Landtagswahl im Herbst anders als 2013 keine Mehrheit mehr. Eine große Koalition und ein Jamaika-Bündnis wären möglich, Rot-Rot-Grün nicht.
  • CDU und SPD müssen im Vergleich zur vorigen Wahl auf herbe Verluste gefasst sein.
  • Die AfD würde drittstärkste Kraft im neuen Landtag - vor Grünen, Linke und FDP, die ebenfalls sicher drin wären.
  • Während CDU und CSU über die Asylpolitik streiten, ist diese für die meisten Hessen wieder zum drängendsten Thema geworden.
  • Im Direktvergleich vergrößert Ministerpräsident Bouffier (CDU) seinen Vorsprung vor SPD-Landeschef Schäfer-Gümbel etwas.
  • Die meisten Hessen schauen mit Zuversicht auf die Verhältnisse im Bundesland. Aber die Zahl der Besorgten ist gestiegen.

Gut vier Monate sind es noch bis zur hessischen Landtagswahl am 28. Oktober. Von der Möglichkeit, anschließend ihr vor fünf Jahren begonnenes Regierungsbündnis fortsetzen zu können, sind CDU und Grüne weit entfernt. In der Sonntagsfrage des neuen Hessentrends verfehlt die Koalition mit zusammen 45 Prozent die Mehrheit von mehr als 50 Prozent.

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Was das Regierungslager kaum trösten wird: Mit der Arbeit von Schwarz-Grün zeigen sich gleichzeitig 58 Prozent der Befragten zufrieden. Das ist der beste Wert für ein hessisches Kabinett in den vergangenen 20 Jahren.

Getrübte Freude

In der Umfrage, die das Institut infratest dimap in den vergangenen Tagen im Auftrag des hr erstellt hat, stagniert die CDU. Sie liegt wie im vergangenen Hessentrend von Mitte Januar dieses Jahres bei 31 Prozent - gut sieben Prozentpunkte unter ihrem Ergebnis von 2013. Die Grünen schaffen mit 14 Prozent zwar mehr als im Januar-Hessentrend (+1). Die Freude über den leichten Zuwachs wird aber dadurch getrübt, dass die Partei den Rang der drittstärksten Kraft im Bundesland verloren hat.

Denn hinter CDU und SPD, die mit nunmehr 22 Prozent gegenüber dem vorigen Hessentrend am stärksten verliert (-3), ist die AfD angekommen. Sie erreicht 15 Prozent und legt damit spürbar zu (+3). Jeweils sieben Prozent entfallen auf Linke (-1) und FDP (-1).

Groko oder Jamaika?

Das Ergebnis macht auch bei Berücksichtigung der üblichen Fehlergrenze von Umfragen einen Sechs-Parteien-Landtag sehr wahrscheinlich - und eine neue Regierungskonstellation. Denkbar wäre nach dem Hessentrend die Bildung einer großen Koalition aus CDU und SPD ebenso wie eine Erweiterung der bestehenden schwarz-grünen Koalition um die FDP zum Jamaika-Bündnis.

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Für Rot-Rot-Grün (43 Prozent) reicht es bei weitem nicht. Und die AfD ist als Bündnispartner allgemein unerwünscht. So war die Lage auch nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr, was zu turbulent-langwierigen Verhandlungen und einer Fortsetzung der großen Koalition führte.

Asylstreit zeigt Wirkung

Die Gewinne der AfD gehen mit einer spürbar gestiegenen Bedeutung des Flüchtlingsthemas für viele Hessen einher. In einer Zeit, in der sich auf Bundesebene CDU und CSU auf diesem Gebiet zerstritten haben und der Wiesbadener Mordfall Susanna die Gemüter bewegt, benennen mit 37 Prozent (+7) die meisten Befragten Flüchtlinge/Einwanderung/Asylpolitik als wichtigstes Problem im Bundesland. Den Stellenwert von 2016 (70 Prozent) und 2017 (45 Prozent) erreicht das aufgeladene Thema nicht.

Anfang des Jahres hatte eine Mehrheit noch Fragen von Bildung, Schule und Ausbildung die größere Dringlichkeit beigemessen. Dieses Themenfeld rangiert derzeit mit 35 Prozent nur noch auf Rang zwei. Alle weiteren Probleme folgen in der Gewichtung weit dahinter - auch Infrastruktur/Verkehr (18) und Wohnen/Miete (12).

Schäfer-Gümbel verliert etwas an Boden

Vor allem auf die Kritik an hohen Mieten und fehlenden Wohnungen hat im anlaufenden Wahlkampf bislang die oppositionelle SPD gesetzt. Ausgezahlt hat es sich in der aktuellen Umfrage nicht. Die SPD verliert gegenüber der Landtagswahl 2013 knapp sieben Prozentpunkte. Nur jeder fünfte glaubt, dass die Sozialdemokraten das Land besser regieren würden.

Und nicht nur die Partei hat an Zustimmung verloren, sondern - nach einem Aufwärtstrend bei der Befragung im Januar - etwas auch ihr Landeschef und Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel.

Zufrieden oder gar sehr zufrieden mit ihm als Politiker zeigen sich noch 45 Prozent (-2). Stärker verliert diesmal Vize-Ministerpräsident Tarek Al-Wazir (Grüne). Er verteidigt mit 50 Prozent (-4) aber Platz zwei. An der Spitze ist die Zustimmung für die Arbeit von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mit 58 Prozent unverändert.

Bouffier stagniert - und vergrößert Vorsprung

In der direkten Konkurrenz zu Amtsinhaber Bouffier haben sich die Hessentrend-Werte von SPD-Chef Schäfer-Gümbel noch etwas ungünstiger verändert. Würde der Ministerpräsident direkt gewählt, könnte Bouffier nach wie vor mit 45 Prozent der Stimmen rechnen, sein SPD-Herausforderer mit 36 Prozent (-4).

Kann ein Profilvergleich zwischen den beiden Hauptkontrahenten der SPD ein wenig mehr Hoffnung machen? Auch nicht unbedingt. Auf zwei Gebieten hat Schäfer-Gümbel bei den Befragten wie schon in früheren Umfragen zwar die Nase vorn: deutlich in der Frage sozialer Gerechtigkeit, hauchdünn nur bei der nach der persönlichen Glaubwürdigkeit. Wenn es um Führungsstärke und Kompetenz in Wirtschaftsfragen geht, punktet Bouffier aber mit großem Vorsprung.

Die meisten sind zuversichtlich, aber ...

Eine weiter erstarkte AfD, eine zunehmende Problematisierung der Asylpolitik trotz gesunkener Flüchtlingszahlen, Ungewissheit über die künftige Landesregierung: In dieser Situation hat sich auch die Einschätzung leicht verändert, die hessische Wähler über ihre aktuelle Grundstimmung abgeben.

Mit 58 Prozent bezeichnet sich eine deutliche Mehrheit immer noch als eher zuversichtlich. Aber mit 33 Prozent (+4) sehen wieder mehr Menschen als zu Beginn des Jahres in den Verhältnissen in Hessen einen Grund zur Beunruhigung. Solche besorgten Menschen finden sich mit weitem Abstand vor allem unter AfD-Anhängern.

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Hessentrend

Für den Hessentrend hat das Institut infratest dimap in der Zeit vom 14. bis 19. Juni 1.003 wahlberechtigte Hessen telefonisch befragt. Die Fehlertoleranz liegt zwischen 1,4 und 3,1 Prozentpunkten und gilt als repräsentativ.

Fragen und Antworten zum Thema Meinungsumfragen finden Sie hier.

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