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Schwarz, rot, grün, gelb: welche Koalitionen gibt es bald in Hessen? Bild © picture-alliance/dpa

Eine Neuauflage der schwarz-grünen Koalition scheint klar. Noch steht das endgültige Wahlergebnis jedoch nicht fest. Wegen des knappen Ausgangs und der komplizierten Regelung für Ausgleichsmandate muss dann womöglich neu sondiert werden.

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Wegen vieler Überhang- und Ausgleichsmandate wird der künftige Landtag in Wiesbaden wohl auf 137 Sitze anwachsen. Die CDU kann nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 40 Abgeordnete stellen, die Grünen und die SPD jeweils 29. Die AfD hat 19 Sitze errungen, die FDP 11 und die Linken 9. Doch bleibt es dabei? Das endgültige Ergebnis soll am 16. November vorliegen.

Sollte dann der Landtag nur einen Sitz mehr haben, hätte Schwarz-Grün mit seinen 69 Abgeordneten unter Umständen keine Mehrheit mehr. Lange sah es am Wahlabend genau danach aus. Noch die letzte Hochrechnung vor Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses gab die Menge der Sitze mit 138 an. Eine Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP war eine Option. Sollte die Zahl mit dem endgültigen Ergebnis wieder umspringen, hätte das auch Folgen für die laufenden Sondierungsgespräche, die bislang auf eine Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition hinauslaufen.

Angesichts des knappen vorläufigen Ausgangs der Hessenwahl, der die Grünen mit gerade mal 94 Stimmen Vorsprung auf Platz zwei vor der SPD sieht, kann eine vergleichsweise geringfügige Korrektur womöglich große Wirkung entfalten. FDP-Fraktionschef René Rock zeigte sich im Interview mit der Frankfurter Neuen Presse für den Fall, dass die SPD doch noch vor den Grünen landen sollte, schon einmal gesprächsbereit über eine Ampel-Koalition unter Führung der Sozialdemokraten. Die CDU wartet das endgültige Ergebnis nicht ab und will schon eine knappe Woche zuvor ihren Wunschkoalitionspartner verkünden.

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Bouffier und al-Wazir im Landtag.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sondierungsgespräche: CDU und Grüne loben sich gegenseitig

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Auffällige Ergebnisse in Frankfurt

Derzeit arbeitet Landeswahlleiter Wilhelm Kanther an den endgültigen Zahlen, die er am 16. November verkünden will. Dabei wird besonders auf Daten geschaut, die unplausibel erscheinen.

Wie beispielsweise in einem Wahlbezirk im Frankfurter Stadtteil Oberrad: Dort kommt die CDU auf einen Zweitstimmen-Anteil von lediglich 6,9 Prozent, wie aus dem von der Stadt veröffentlichen vorläufigen Ergebnis hervorgeht. In den beiden Nachbarbezirken erhielten die Christdemokraten hingegen 20,4 und 23,6 Prozent. Gemessen wurde dort auch eine ungewöhnlich niedrige Wahlbeteiligung von 14 Prozent.

Korrekturen ohne Auswirkung auf Direktmandate

Inzwischen scheint geklärt, dass es sich in dem Fall um eine Panne handelt. Die Frankfurter Rundschau zitierte am Mittwoch den Ortsvorsteher Christian Becker (CDU), wonach 350 Stimmzettel zwar ausgezählt wurden, deren Ergebnis jedoch nicht dem Wahlamt mitgeteilt wurde. Auffällig waren auch Ergebnisse in weiteren Frankfurter Wahlbezirken.

Am Mittwoch legte der Wahlausschuss der Stadt die korrigierte Auszählung der Landtagswahl vor. Demnach wurden in elf Wahlbezirken die Ergebnisse zunächst nur geschätzt. Als Grund nannte Wahlleiterin Regina Fehler Probleme mit der Erfassungssoftware, die zum ersten Mal eingesetzt wurde. Das Computersystem sei in der Wahlnacht zeitweise abgestürzt. An den Frankfurter Direktmandaten änderten die Korrekturen aber nichts. Ob sie Auswirkungen auf das landesweite Ergebnis der Zweitstimmen haben, werde erst feststehen, wenn alle Zahlen vorliegen.

Überhangs- und Ausgleichmandate

Die Zahl der Sitze im Landtag setzt sich zusammen aus den Direktmandaten (Erststimme) und der Summe der Abgeordneten, die über die Landesliste ihrer Partei in den Landtag einziehen (Zweitstimme). Gibt es wie im Fall der CDU mehr Direktmandate, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis an Sitzen eigentlich zustünden, also sogenannte Überhangsmandate, gibt es für die anderen Fraktionen Ausgleichsmandate.

Unter Umständen geben dann selbst Nachkommastellen im korrigierten Zweitstimmenergebnis in mehreren Wahlkreisen den Ausschlag dafür, ob eine Fraktion einen Abgeordneten mehr bekommt, weil alle Zahlen aus den 55 Wahlkreisen addiert werden. Fest steht im Vorfeld nur: Es ist kompliziert.

Niederschriften aus 5.000 Wahllokalen werden überprüft

Wie viele Stimmen hier den Ausschlag geben könnten, ob es besonders enge Wahlkreise gibt, die jetzt überprüft werden - dazu stellt das Büro des Landeswahlleiters Wilhelm Kanther keine Modellrechnungen an, wie er auf Anfrage sagt: "Dazu fehlt uns schlicht die Zeit." Die Berechnung und Verteilung von Ausgleichsmandaten seien überdies so komplex, dass nur ein Computer sie schaffe.

Diese Berechnung erfolgt ganz am Schluss der laufenden Überprüfung des vorläufigen Wahlergebnisses, nachdem der Landeswahlausschuss die Niederschriften der Kreiswahlausschüsse gesichtet und zusammengezählt hat. Laut Kanther verrichten die Kreiswahlausschüsse und -leiter den Löwenanteil der Arbeit, weil sie sämtliche Niederschriften aus den insgesamt mehr als 5.000 Wahllokalen und Briefwahlurnen im Land auf ihre Plausibilität hin prüfen und gegebenenfalls noch einmal durchrechnen.

2013 veränderten sich die Ergebnisse aller Parteien

Dabei kommt es regelmäßig zu Verschiebungen, wenn etwa jemand am Wahlabend eine falsche Zahl in eine Zeile eingetragen hat oder bei der Übermittlung an den Landeswahlleiter einen Fehler gemacht hat. Bei der Landtagswahl 2013 waren es beim amtlichen Endergebnis rund 2.100 gültige Stimmen mehr als noch am Wahlabend gewesen, für alle 18 angetretenen Parteien veränderte sich das Ergebnis noch.

Damals allerdings waren die Abstände zwischen den Parteien so groß, dass sich an der Reihenfolge nichts änderte. Bislang, berichtet Landeswahlleiter Kanther, veränderte das endgültige Wahlergebnis auch nicht die Sitzverteilung im Landtag im Vergleich zum vorläufigen Ergebnis.