Das Foto zeigt die Spitzenkandidaten Bouffier und Schäfer-Gümbel im Fernsehstudio
Kontrahenten im TV-Duell: Ministerpräsident Bouffier (CDU) und SPD-Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel (SPD) (v.l.) Bild © picture-alliance/dpa

Vor der Landtagswahl am 28. Oktober haben sich Ministerpräsident Bouffier (CDU) und SPD-Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel zum TV-Duell im hr getroffen. Worüber sie sich gestritten haben und einig waren - sowie besondere Szenen im Video und ein erstes Fazit.

Videobeitrag
hsk1645

Video

zum Video TV-Duell vor der Wahl – Eine Analyse

Ende des Videobeitrags
Videobeitrag
TV-Duell

Video

zum hr-fernsehen.de Video #hrWAHL - Das-Duell in voller Länge

Ende des Videobeitrags

Wie wichtig dieses TV-Duell anderthalb Wochen vor der Landtagswahl am 28. Oktober für Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU, 66) und SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD, 49) ist, zeigt sich schon bei der Ankunft der beiden.

Die Kontrahenten erreichen den Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Mittwoch zur Aufzeichnung der Sendung "#hrWAHL - Das Duell" in ihren Wahlkampfbussen, beide werden von mehreren Dutzend Parteimitgliedern mit Sprechchören und Plakaten begrüßt.

Weitere Informationen

#hrWAHL - Der Vierkampf

Die Spitzenkandidaten der vier aussichtsreichsten kleineren Parteien waren bereits bei "#hrWAHL - Der Vierkampf" aufeinandergetroffen. Hier geht es zum Video.

Ende der weiteren Informationen

In Begleitung ihrer Ehefrauen geht es für sie ins Fernsehstudio, wo sie sich eine Stunde lang den Fragen der Moderatorinnen stellen. Nach der Sendung klatschen beide Kandidaten mit ihren Leuten ab. Zurecht?

Das TV-Duell im Überblick:

In welchen Momenten geht es hoch her?

Wie es zu seiner Rolle als Oppositionsführer gehört, greift Schäfer-Gümbel den Ministerpräsidenten immer wieder an. Beim Thema Wohnen beispielsweise wirft der SPD-Landeschef Bouffier und dessen Regierung Versagen vor.

"Sie haben 60.000 Wohnungen privatisiert!", ruft Schäfer-Gümbel dem Ministerpräsidenten zu und berichtet von einer 82 Jahre alten Mieterin im Frankfurter Ostend, die nach Umwandlung ihrer Mietwohnung in eine Eigentumswohnung wegen Luxussanierung nun ihre Miete nicht mehr zahlen könne und ausziehen müsse. Bouffier solle dieser Frau nun erklären, wieso die Landesregierung der Stadt Frankfurt mit einer entsprechenden Verordnung nicht die Möglichkeit gebe, Einspruch gegen solch eine Umwandlung einzulegen.

Bouffier versucht zu beschwichtigen ("Ich möchte, dass die Frau in ihrer Wohnung zu erträglichen Preisen bleiben kann.") und geht seinerseits Schäfer-Gümbel an: Dieser habe "alles miteinander vermischt". Die Koalition aus Union und SPD im Bund habe schließlich beschlossen, den Anteil der Kosten senken zu wollen, mit denen sich Mieter an Modernisierungen beteiligen müssen. Schäfer-Gümbel unterbricht, hakt nach, Bouffier kontert mit Unverständnis auf die Unterbrechung.

An einer anderen Stelle kritisiert Schäfer-Gümbel den "distanzierten Umgang mit einem Rechtspopulisten wie Hans-Jürgen Irmer" in den eigenen Reihen der CDU. Irmer ist Bundestagsabgeordneter aus Hessen und saß bis 2017 im Landtag. Unter anderem wegen Publikationen zu Muslimen und dem Islam sowie Äußerungen zur Homosexualität stand er immer wieder in der Kritik. "Man muss schon auch vor der eigenen Haustür kehren", sagt Schäfer-Gümbel. Bouffier nennt Irmer im TV-Duell einen Demokraten, der "in allen Wahlen jedes Mal das Direktmandat holt".

Videobeitrag
tv duell irmer

Video

zum Video "Sie haben einen Rechtspopulisten in den eigenen Reihen geschützt"

Ende des Videobeitrags

Sind sich beide auch mal einig?

In der Frage, wie sich Hessen seit 2015 um die zahlreichen Flüchtlinge gekümmert habe, sind sich beide Politiker weitestgehend einig.

"Wir haben das Thema Flüchtlinge in Hessen sehr gut bearbeitet", sagt Bouffier. Die Aufgabe sei noch lange nicht erledigt, aber man habe erfolgreich Menschen in Arbeit gebracht und vielen Deutsch beigebracht. Das liege aber auch daran, sagt Bouffier und schaut Schäfer-Gümbel dabei an, dass die Sozialdemokraten "mit uns gemeinsam diese Politik gemacht haben". Dafür bedanke er sich ausdrücklich.

Schäfer-Gümbel bestätigt diese Zusammenarbeit und sagt, er sei "fest davon überzeugt, dass es richtig war, die Gesellschaft beieinander zu halten".

Videobeitrag
tv-duell-fluechtlingskrise

Video

zum Video "Haben das Kernthema der AfD - Flüchtlinge - in Hessen sehr gut bearbeitet"

Ende des Videobeitrags

Kommen Bundespolitik und Bayern-Wahl zur Sprache?

Bouffier nutzt das historisch schlechte SPD-Wahlergebnis in Bayern für Sticheleien gegen Schäfer-Gümbel: "Da kommt jemand, der hat gerade 9,7 Prozent eingefahren als Sozialdemokrat - da wäre ich mal ein bisschen vorsichtig." Dass er eigentlich nur die bayerische SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen meinen konnte, quittiert Bouffier mit einem lapidaren "Ja, ja".

Die Große Koalition im Bund hat keinen guten Stand bei Bouffier. "Eine große Koalition wird von den Bürgern nicht geschätzt", sagt er. "Das hat sicher auch mit den Erfahrungen aus Berlin zu tun." Schäfer-Gümbel thematisiert die Große Koalition kaum, deutet nur an, dass er ein Bündnis von CDU und SPD in Hessen nicht grundsätzlich für ausgeschlossen halte.

Videobeitrag
tv duell bayernwahl

Video

zum Video "Da kommt jemand, der hat gerade mal 9,7 Prozent eingefahren"

Ende des Videobeitrags

Was sagen die beiden zur Diesel-Krise?

Natürlich sind auch die drohenden Fahrverbote in hessischen Städten wie Frankfurt und Limburg Thema. Zu der Frage, wie Hardware-Nachrüstungen finanziert werden könnten, bringt Bouffier öffentliche Fördertöpfe ins Gespräch. "Wir haben auch die Möglichkeit, mit öffentlichen Mitteln zu helfen." Dabei bezieht er sich auf nicht abgerufene Mittel des Bundes zur Unterstützung der Elektromobilität. "Bevor der Dieselfahrer der Dumme ist, bin ich bereit, auch darüber zu diskutieren." Es bleibe aber auch dabei, dass die Industrie zuerst gefordert sei.

Schäfer-Gümbel sagt zu der Frage, ob kommunale Fahrzeuge mit der Hilfe von Steuergeld nachgerüstet werden sollten: "Es ist die einzige Chance, hier schnellstmöglich Fahrverbote zu verhindern, und deswegen ist es in der Tat eine Notmaßnahme." Die schwarz-grüne Landesregierung habe aber in der Diesel-Krise zu spät angefangen zu handeln.

Videobeitrag
tv-duell-dieselkrise

Video

zum Video "Müssen Druck gemeinsam aufrecht erhalten"

Ende des Videobeitrags

Wird über mögliche Koalitionen nach der Landtagswahl gesprochen?

Der Ministerpräsident schließt Koalitionen seiner Partei mit der AfD und der Linkspartei in Hessen aus und warnt vor einer Koalition aus SPD, Linkspartei und Grünen. "Das wäre schlimm fürs Land." Weiter darauf eingehen will er nicht. Er werbe nicht für Koalitionen, sondern für die CDU.

Schäfer-Gümbel formuliert als Ziel, "dass die Union in der Opposition landet". Er glaube, die größte Sorge der Menschen in Hessen sei es, dass es in den nächsten fünf Jahren mit der Hessen-CDU und Volker Bouffier so weitergehen könnte wie in den vergangenen 19 Jahren. "Wie das am Ende aussieht, ob das eine Zweier-Konstellation ist oder welche auch immer, das entscheiden die Bürger am 28. Oktober."

Videobeitrag
tv-duell-koalitionen

Video

zum Video "Große Koalition wird von den Bürgern nicht geschätzt"

Ende des Videobeitrags

Worüber wird noch geredet?

Diskutiert werden im TV-Duell auch die Themen Verkehr und Bildung. Schäfer-Gümbel kritisiert die seiner Ansicht nach zu langen Planungszeiten für Verkehrsprojekte und fordert für Kindergartenkinder eine komplett kostenlose Ganztagsbetreuung.

Bouffier verweist auf die jüngst eingeführten Gebührenbefreiungen für Eltern von Kindergartenkindern. Beim Thema Verkehrsprojekte erinnert der Ministerpräsident an die Kosten ("Wie wollen Sie das bezahlen?"). Bei den langen Planungszeiten sieht er die Ursache auch in den Klagemöglichkeiten von Betroffenen.

Ein erstes Fazit des TV-Duells

hr-Landtagskorrespondentin Teresa Peters und hessenschau.de-Redakteur Christian Albrecht über ihre ersten Eindrücke nach dem TV-Duell:

Videobeitrag
startbild-einschaetzung

Video

zum Video Wie war's? Zwei TV-Duell-Beobachter im Gespräch

Ende des Videobeitrags

Ihre Kommentare Ihre Meinung zum TV-Duell? Wer hat sich besser geschlagen?

91 Kommentare

  • Ich hatte ja schon weiter unten meine Meinung zu diesen TV-Duell gesagt Bouffier war eindeutig souveräner, Schäfer-Gümbel unnötig aggressiv und nannte keinerlei Lösungen für seine Wunschträume .....

    was mir allerdings wirklich Sorgen macht ist der "Grünruck" der mittlerweile stattfindet !

    diese Partei bietet keine wirklichen Lösungen an außer vielleicht die bedingungslose Grenzöffnung was in diesen Zeiten wohl das allerschlimmste sein wird !

    ich bitte alle die mit den Grünen liebäugeln dringendst wenigstens Teile ihres Programmes zu lesen um zu sehen was da wirklich auf sie zukommen wird...

  • Ist nicht doch zu befürchten, dass wir alle zu Fußgängern und Radfahrern werden, wenn die Grünen die hessische Landesregierung stellen?
    Dann würde mich allerdings brennend interessieren, ob Al-Wazir dann auch auf seinen Dienstwagen verzichten würde....

  • Wie lange will man hier eigentlich noch ignorieren, dass Tarek Al-Wazir der einzige ernsthafte Herausforderer von Volker Bouffier ist? Die neusten Umfragen zeigen zum Glück, dass auch die Ausstrahlung von derartigen Verlierer-Duellen die Grünen in 10 Tagen nicht aufhalten kann.

Alle Kommentare laden