Tanz in alten Trachten ind der Region Marburg-Biedenkopf.

Ein Wahlkreis geprägt durch starken Mittelstand: Im Hinterland herrscht nahezu Vollbeschäftigung - auch dank innovativer Unternehmen. Und im romantischen Lahntal kommen auch Naturliebhaber auf ihre Kosten.

So lebt man hier

Irgendwo zwischen Tradition und High Tech bewegt sich das Leben der rund 90.000 Wahlberechtigten, die hier in 15 Kommunen leben. Der Wahlkreis umfasst Teile des hessischen Hinterlandes, des Marburger Landes und der Region Burgwald-Ederbergland. Die Gegend ist bekannt für ihren starken Mittelstand. Gleichzeitig spielen Traditionen und Brauchtum für viele Bürger nach wie vor eine wichtige Rolle: Volksfeste werden gut besucht, viele Vereine bemühen sich um Geschichtsbewusstsein: An Freizeitangeboten mangelt es hier nicht: ob Sommerrodeln an der Sackpfeife, Wakeboarden am Niederweimarer See oder Wandern durchs romantische Lahntal.

Das sind die Probleme

Im ländlichen Raum spielt die Verkehrsanbindung für viele Menschen eine große Rolle – an fehlenden Angeboten gibt es immer wieder Kritik. Gleichzeitig ist der unerwünschte Verkehr vor der eigenen Haustür für manche Bürger ein Problem: Weil es von Marburg aus in Richtung Norden keine Autobahn gibt, rollt der Verkehr durch kleine Gemeinden wie Wetter, Lahntal und Münchhausen. Anwohner klagen seit Jahren über Lärm – und warten sehnsüchtig auf eine Ortsumgehung. Die soll aber erst 2023 fertig sein.

Streit gibt es auch immer wieder, wenn große Windkraftanlagen gebaut werden sollen. In den vergangenen Jahren sind in der Region verschiedene Bürgerinitiativen entstanden, die Nachteile für die Natur oder Landschaft befürchten. Obwohl die Universitäten in Marburg und Gießen vor der Tür liegen, leidet die Region unter Fachkräftemangel – und könnte diesen auch in Zukunft noch stärker zu spüren bekommen. Florierende Unternehmen suchen händeringend qualifiziertes Personal, wenn Ärzte in Rente gehen, gibt es häufig keinen Nachfolger.

Das sind die Chancen

Die Region hat viel zu bieten: Die Lebenshaltungskosten sind niedrig, es gibt interessante Unternehmen und viele Arbeitsplätze. Das wissen allerdings viele Menschen nicht. Wenn die Region es schafft, ihr Image aufzupolieren, könnte sie mehr junge Menschen und Fachkräfte anziehen. Dafür braucht sie auch gute Schulen, Kinderbetreuung, Verkehrsanbindungen und schnelles Internet.

Auch kulturelles Potential ist vorhanden. Viele Orte können auf eine lange Geschichte zurückblicken. Zudem finden bei Biedenkopf seit Jahren die Eckelshausener Musiktage statt: Ein überregional bedeutendes Klassik-Festival mit einzigartigem, ländlichem Charme. Doch auch das wissen viele Menschen nicht. Ein Großteil der Besucher kommt von außerhalb.

Das ist die politische Ausgangslage

Das Kräfteverhältnis ist recht ausgeglichen. Auf kommunaler Ebene konnte sich in Biedenkopf – der größten Stadt im Wahlkreis –  in den letzten Jahren jedoch stets die SPD durchsetzen. Interessant: Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) stammt aus Biedenkopf. Trotz seiner Prominenz hat er aber nicht das Direktmandat geholt. Er musste sich gegen Angelika Löber (SPD) sehr knapp geschlagen geben. Schäfer zog über die Landesliste seiner Partei in den Landtag ein. Das Duell zwischen diesen beiden aktuellen Landtagsabgeordneten wird sich dieses Jahr wohl wiederholen. Beide sollten es aber auch über ihre Listenplätzte schaffen.

Das sind die Direktkandidaten:

Thomas Schäfer (CDU), Hessens Finanzminister. Angelika Löber (SPD), Sprecherin ihrer Landtagsfraktion für Umweltpolitik und Verbraucherschutz. Ingeborg Cernaj (Linke) ist Kreistagsabgeordnete, Sandra Laaz (Grüne), Fraktionsvorsitzende im Kreistag von Marburg Biedenkopf. Hans-Otto Seitz (FDP) ist Ortssprecher der FDP für Gladenbach und Bad Endbach. Karl-Hermann Bolldorf (AfD) ist Fraktionsvorsitzender der AfD im Kreistag. Er war vorher mehr als vierzig Jahre lang in der CDU und langjähriger Bürgermeister von Biedenkopf. Bolldorf ist auf Platz 7 der AfD-Landesliste – und hätte damit Chancen auf einen Sitz im Landtag.

 Darum geht es im Wahlkampf

Den größten Promi-Bonus genießt im Wahlkreis Thomas Schäfer als Finanzminister. Die CDU wirbt deshalb auch großformatig mit seiner Person. Diesmal will er das Direktmandat holen. Wie er wirbt auch seine SPD-Kontrahentin Löber mit ihrer Erfahrung als Landespolitikerin. Die Linke kritisiert im Wahlkampf besonders Zustände im Gesundheitssektor und in der Pflege. Die FDP will sich unter anderem für Bildung und eine bessere Bürgerbeteiligung einsetzen. Die Kandidatin der Grünen setzt einen Schwerpunkt auf die Wohnungspolitik in der Region. Der regionale AfD-Kandidat wirbt mit der Tatsache, dass er 18 Jahre lang Bürgermeister in Biedenkopf war – damals allerdings noch für die CDU. Sein Slogan im Internet: „Einwanderung ist kein Menschenrecht, sondern ein Privileg.“

Weitere Informationen

Die Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlkreises im hr-Kandidatencheck

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Darüber wird am 28.10. noch entschieden

In Cölbe und Breidenbach werden neue Bürgermeister gewählt.