Die Ortschaft Crainfeld bei Grebenhain im Vogelsberg unter einem Regenbogen.

Der Vogelsbergkreis ist der am dünnste besiedelte Kreis in Hessen. Ohne Pkw hat man es schwer. Und das Internet ist mancherorts noch immer sehr langsam.

So lebt man hier

Ein wenig wie in Island kommt man sich im Vogelsberg vor. Zu Recht, denn der Vogelsberg hat einen vulkanischen Ursprung und Ähnlichkeiten gibt es auch bei der eher überschaubaren Besiedelung: Rund 107.000 Einwohner verteilen sich auf einer Fläche von über 1.400 Quadratkilometern. Der Vogelsbergkreis ist damit der am dünnste besiedelste Kreis in Hessen. Im Zuge der Reform vom vergangenen Jahr wurde der Wahlkreis um die Nachbarstadt Laubach (10.000 Einwohner; im Kreis Gießen) erweitert. Die Gegend ist touristisch noch nicht völlig erschlossen, aber auf einem guten Weg dorthin. Die Wirtschaft wird geprägt von vielen kleinen und mittelgroßen Unternehmen, meist mit einer langen Tradition. Aufgrund der guten Lage mitten in Deutschland haben sich in Autobahnnähe einige Speditionen angesiedelt. Auch Europas größter Online-Versender für Lampen hat seinen Sitz hier.

Das sind die Probleme

Der seit Jahren anhaltende Trend, dass junge Menschen in die Städte ziehen und nur die Alten auf dem Land bleiben, macht dem Vogelsberg zu schaffen. Die Immobilienpreise sind im Keller. Manche Häuser sind nahezu unverkäuflich und finden nicht mal für Preise von Mittelklassewagen einen neuen Eigentümer. Das gilt jedoch nicht durchgehend. In und um Städten wie Alsfeld und Lauterbach werden eifrig Einfamilienhäuser gebaut. Auch alte Bauernhöfe in abgelegenen Dörfern finden gelegentlich neue Bewohner – trotz der eher mäßigen Verkehrsanbindung. Ohne Pkw hat man es schwer im Vogelsberg.  Ungelöst ist noch immer das Problem der teilweise sehr langsamen Internetverbindungen. Zwar werden seit über einem Jahr Glasfaserkabel im Vogelsberg verlegt, aber noch lange nicht jeder Ort ist an das Breitbandnetz angeschlossen. Auch die Mobilfunkversorgung ist nicht überall zufriedenstellend. In vielen kleinen Orten im Vogelsberg fehlen Gaststätten und Lebensmittelläden. Die Kreisverwaltung versucht dem Landärztemangel durch Stipendien von angehenden Ärzten zu begegnen.

Das sind die Chancen

Nur eine Autostunde vom Rhein-Main-Gebiet entfernt, eignet sich der Vogelsberg als Ziel für Tagesausflüge und Wochenend-Kurztrips. Die weitläufige Natur wurde und wird dort gehegt und gepflegt. Der „Naturpark Hoher Vogelsberg“ ist der älteste Naturpark Deutschlands überhaupt. Die touristische Vermarktung steckt noch in den Anfängen. Erst vor einem Jahr ist mit dem „Vulkaneum“ in Schotten eine große Ausstellung zur Erinnerung an die eigene, vulkanische Geschichte entstanden. Auf dem Hausberg – dem „Hoherodskopf“ – ließ ein Gastronom riesige Weinfässer als Übernachtungsmöglichkeit aufbauen. Unweit von Grebenhain erlernt man, wie man sein eigenes, hochwertiges Messer schmiedet. Der alte Bahnhof von Rixfeld – direkt am „Vulkan-Radweg“ – wurde zu einem romantischen Café umgebaut. Aber auch abseits des Tourismus tut sich was! Das Land Hessen baut in Lauterbach ein neues Finanzamt. Rund 100 Bedienstete sollen dort bald zentral für Hessen die Fälle von Grunderwerbssteuer bearbeiten. Viele der Mitarbeiter lebten zwar im Vogelsberg, mussten aber täglich ins Rhein-Main-Gebiet pendeln. Die Arbeitslosigkeit im Kreis ist gering. Auch wegen der Nähe zum weiter prosperierenden Fulda, das ebenfalls ein Ziel für Pendler ist.

Das ist die politische Ausgangslage

Die CDU hat im Vogelsberg bislang sowohl bei der Landtagswahl 2013 als auch bei der Kreistagswahl 2016 das Rennen gemacht. Allerdings ist der Vorsprung zur SPD nicht übermäßig groß. Beide Parteien kamen bei den Wahlen jeweils auf über 30 Prozent. Gewählter Direktkandidat bei der Landtagswahl vor 5 Jahren wurde der Landwirt Kurt Wiegel von der CDU. Er tritt jedoch aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl an. Alle anderen Parteien fristen eher ein Schattendasein. Besonders kräftig Federn ließ die FDP bei der letzten Landtagswahl: sie musste einen Verlust von 11 Prozent verkraften und erzielte einen Stimmenanteil von 4,8 Prozent. Auch Die GRÜNEN konnten im Vogelsberg bislang nicht punkten: 7,5 Prozent bei der letzten Landtagswahl und 7,7 Prozent bei der Kreistagswahl dürften kaum für Jubelstürme innerhalb der Partei gesorgt haben.

Das sind die Direktkandidaten

  • Für die CDU möchte Michael Ruhl aus Herbstein seinen Parteifreund Kurt Wiegel „beerben“.
  • Swen Bastian aus Alsfeld geht für die SPD ins Rennen. Er kennt den Landtag bereits gut als Büroleiter eines Landtagsabgeordneten in Wiesbaden.
  • Für Bündnis 90/Die Grünen stellt sich wieder Eva Goldbach aus Lauterbach zur Wahl. Bei der hessischen Landtagswahl 2013 wurde die 52-jährige bereits über die Landesliste gewählt.
  • Die Vogelsberger LINKE hofft auf Zustimmung für Nicole Eggers. Sie ist bereits in der Landtagsfraktion der LINKE tätig und beschäftigt sich besonders mit Schul- und Hochschulpolitik.
  • Die FDP setzt wieder auf Mario Döweling. Der Gymnasiallehrer war bereits von 2009 bis 2014 Mitglied des Landtags.
  • Der 42-jährige Verwaltungsangestellte Steffen Rühl soll für die AfD punkten. Rühl ist derzeit Kreissprecher der AfD in Antrifttal. Dort war er, damals noch CDU-Mitglied, zeitweise Vorsitzender der Gemeindevertretung.
  • Die Freien Wähler vertrauen auf Michael Krebühl. Er war zuletzt schon Direktkandidat der Freien Wähler für die Bundestagswahl 2017.
Weitere Informationen

Die Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlkreises im hr-Kandidatencheck

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Darum geht es im Wahlkampf

Den ländlichen Raum stärken und den Vogelsberg "nach vorn" bringen - das wollen alle Parteien. Die zahlreichen Windkraftanlagen, die sich für die Energiewende drehen, stoßen auf Kritik. Auch die Planung eines Solarparks bei Lauterbach wurde von Anwohnern, mit Hinweis auf eine optische Verschandelung der Landschaft, wütend abgelehnt.  Dass Wasser aus der Region in immer höheren Maß nach Frankfurt gepumpt wird, kam im langen, heißen Sommer nicht gut an. Die Landes-SPD holte sich die Bürgermeisterin von Schotten – Susanne Schaab – in ihr angedachtes Regierungsteam. Sie argumentiert schon seit Jahren gegen den Wasserdurst der Frankfurter.

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