Das Bild zeigt Gondeln, die von Rüdesheim zum Niederwalddenkmal schweben.

Der Muff der 50-Jahre ist passé: Wein und Traumlandschaft locken Besucher und neue Einwohner an. Aber die Kurorte haben zu kämpfen. Und dann ist da noch der Bahnlärm im Mittelrheintal.

So lebt man hier

Der Wahlkreis 28 umfasst den Rheingau sowie die Staatsbäder Schlangenbad und Bad Schwalbach und die Gemeinde Heidenrod im Untertaunus mit insgesamt knapp 60.000 Wahlberechtigten. Man lebt hier ländlich und meist im Grünen – der Rheingau ist geprägt von Weinbergen und Kulturdenkmälern, in Schlangenbad und Bad Schwalbach sprudeln Thermal- und Heilquellen, Heidenrod gilt als die waldreichste Gemeinde Hessens.

Das sind die Probleme

Der Bahnlärm. Alles, was an Güterverkehr zwischen Nordsee und Mittelmeer auf der Schiene unterwegs ist, rattert durch das enge Mittelrheintal und raubt Anwohnern und Touristen den Schlaf. Auch wenn schon viele Millionen in Lärmschutz geflossen sind (aktuell baut die Bahn sogenannte Schienenstegdämpfer ein), auch wenn alte Güterzüge nach und nach mit "Flüsterbremsen" ausgestattet werden – merklich leiser wird es dadurch kaum, weil der Schienengüterverkehr stetig zunimmt. Einziger Ausweg: eine Alternativtrasse. Ganz andere Probleme haben die Staatsbäder Schlangenbad und Bad Schwalbach: Wie kann man teure Thermalbäder aufrechterhalten, wenn die Kurgäste ausbleiben? Wie macht man gestressten Großstädtern aus dem Ballungsraum Rhein-Main den waldreichen Untertaunus als Naherholungsziel schmackhaft? Für die Landesgartenschau 2018 hat Bad Schwalbach seinen Kurpark aufpoliert, ein neues "Wir"-Gefühl angestoßen. Wie nachhaltig das wirkt, bleibt abzuwarten.

Nirgendwo in Hessen ist der Kubikmeter Frischwasser teurer als in Heidenrod, wo sich 8.000 Menschen auf 19 Ortsteile verteilen. Das bedeutet extreme Leitungslängen pro Einwohner. Der kleine Ort kämpft mit einer viel zu großen Infrastruktur (Dorfgemeinschaftshäuser, Friedhöfe, Kläranlagen).

Das sind die Chancen

Wein und Wandern boomen – der Rheingau profitiert vom Trend zum Kurzurlaub im eigenen Land; Gastronomie und Hotels haben den Muff der 50er Jahre abgestreift, Winzer in schicke Vinotheken investiert. Rüdesheim hat kaum Anleger genug für all die Hotelschiffe auf Flusskreuzfahrt am Rhein. Am Rand des Ballungsraums Rhein-Main gelegen, bietet sich der Wahlkreis zum Wohnen im Grünen für viele Pendler an. Anders als in anderen ländlichen Regionen ist Leerstand deshalb kein Problem – im Gegenteil, es mangelt eher an bezahlbarem Wohnraum. 

Das ist die politische Ausgangslage

Der Wahlkreis gilt als Hochburg der CDU. Petra Müller-Klepper hat schon drei Mal in Folge das Direktmandat geholt. Die ehemalige Staatssekretärin im Sozialministerium und Landesvorsitzende der Frauen-Union ist im Rheingau aufgewachsen, bestens vernetzt und in der Region unermüdlich präsent. SPD-Herausforderer Sebastian Busch empfiehlt sich als "neue Generation", muss sich aber eine größere Bekanntheit über seinen Heimatort Lorch hinaus, wo er 2013 als Bürgermeister kandidiert hatte, erst noch erkämpfen. Auch die übrigen Kandidaten treten zum ersten Mal zu einer Landtagswahl an.

Das sind die Direktkandidaten

  • Petra Müller-Klepper (CDU)
  • Sebastian Busch (SPD)
  • Klaus Stolpp (Bündnis 90/Die Grünen)
  • Petra Heimer (Die Linke)
  • Björn Sommer (FDP)
  • Frank Grobe (AfD)
Weitere Informationen

Die Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlkreises im hr-Kandidatencheck

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Darum geht es im Wahlkampf

Für die Pendler-Region geht es um einen attraktiven ÖPNV: Eine Citybahn-Anbindung von Bad Schwalbach nach Wiesbaden, die Kreis und Kommunen finanziell nicht überfordert, und einen Direktzug für Pendler nach Frankfurt auf der Rheingau-Linie. Im Fokus steht auch bezahlbarer Wohnraum für Normalverdiener sowie der Ausbau von Ganztagsangeboten an Schulen.

Darüber wird am 28.10. noch entschieden

Bürgermeisterwahl in Schlangenbad. Kandidaten sind Marco Eyring (CDU) sowie Thomas Günzel und Korhan Ekinci, die als unabhängige Bewerber antreten.

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