Die Orangerie in Kassel.

Der Wahlkreis Kassel-Stadt II umfasst die östliche Hälfte der nordhessischen Großstadt mit ihren rund 200.000 Einwohnern. In einigen Quartieren des Kasseler Ostens ist die Arbeitslosigkeit nach wie vor ein großes Thema.

So lebt man hier

Es ist ein Wahlkreis mit vielen Gesichtern. Die City mit der Königsstraße - der Kasseler Fußgängerzone - gehört dazu, ebenso wie die Parkanlage Karlsaue mit der Orangerie an der Fulda, genauso aber auch die Nordstadt, das Quartier mit dem höchsten Ausländeranteil Kassels und vielen Hartz IV-Empfängern. Außerdem ist dort die Kasseler Universität beheimatet. Alle fünf Jahre sorgt die Weltkunstschau documenta dafür, dass wuselige Betriebsamkeit und internationales Flair einziehen. Das gilt zwar für ganz Kassel, besonders aber für das Zentrum mit dem Museum Fridericianum und dem Friedrichsplatz. Dort stand zuletzt der riesige Büchertempel der argentinischen Künstlerin Marta Menujin.

Das sind die Probleme

Kassel konnte in den zurückliegenden Jahren die Arbeitslosigkeit halbieren. In einigen Quartieren des Kasseler Ostens ist sie aber nach wie vor ein großes Thema. Sozialer Wohnungsbau müsste besonders hier neue Akzente setzen. Wegen des hohen Ausländeranteils von über 30 Prozent ist Integrationsarbeit in der Nordstadt eine ständige Herausforderung. Die City-Kaufleute kämpfen darum, die Innenstadt attraktiv zu halten gegen die Konkurrenz auf der grünen Wiese oder aus dem Internet. Auch wenn einige Traditionsgeschäfte inzwischen aufgegeben haben, ist Leerstand bislang allerdings kein großes Thema in Kassel.

Das sind die Chancen

Die wachsende Universität mit inzwischen mehr als 25.000 Studierenden sorgt mit ihrem wachsenden Campus dafür, dass der Kasseler Osten eine Verjüngungskur bekommt. Unternehmensgründungen aus der Universität heraus schaffen Arbeitsplätze, ein neu eröffneter Science-Park soll die Schnittstelle sein zwischen Forschung und Wirtschaft. Die Kasseler Wirtschaft insgesamt floriert seit zehn Jahren und spült Gewerbesteuern in die Stadtkasse. Das hat dafür gesorgt, dass Kassel seine Schulden halbieren konnte und finanziell inzwischen ganz gut da steht. Die Zeiten der einstigen Schutzschirm-Kommune sind vorbei. Damit sich diese Entwicklung fortsetzt, wurde im Kasseler Osten mit dem „Langen Feld“ ein neues Industriegebiet geschaffen, die ersten Firmen haben sich bereits angesiedelt.

Das ist die politische Ausgangslage

Kassel gilt als sozialdemokratische Hochburg. Das gilt besonders für den Wahlkreis im Kasseler Osten mit seinen Industriestandorten und Arbeitersiedlungen. Auch wenn die Mehrheiten mal komfortabler waren: Vertreter anderer Parteien hatten hier bislang kaum eine Chance. Nur 2003 gelang es dem damaligen CDU-Kandidaten, an der SPD vorbei zu ziehen.

Das sind die Direktkandidaten

  • Für die CDU kandidiert Jörg Hildebrandt. Er tritt zum vierten Mal an, hat aber bislang immer den Einzug in den Landtag verpasst.
  • Die SPD setzt auf ihren bisherigen Abgeordneten Wolfgang Decker. Er vertritt den Walkreis seit 2008 Jahren in Wiesbaden und wurde bisher drei Mal direkt gewählt.
  • Die Grünen schicken ihre bisherige Landtagsabgeordnete Karin Müller ins Rennen, die Linken Violetta Bock, die Freien Wähler Vera Gleuel, die FDP Christian Kuschel und die AfD Thomas Materner.
  • Außerdem bewerben sich als Direktkandidaten Christian Hachmann für die Piraten
  • und Paul (Luna) Schon für „Die Partei“.
Weitere Informationen

Die Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlkreises im hr-Kandidatencheck

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Darum geht es im Wahlkampf

Die SPD will die Förderung bezahlbarer Wohnungen voran bringen, besonders rund um die Universität. Es geht um Zukunftskonzepte für schwierige Stadtteile wie die Nordstadt und den Erhalt des Technik-Museums. Außerdem wird eine Verbesserung der Pflege und eine Stärkung der Polizei gefordert. Die FDP setzt auf einen Ausbau der Infrastruktur und will die Digitalisierung voranbringen, außerdem will sie die Verkehrssituation in und um Kassel verbessern und fordert die bislang fehlende Nordumgehung Kassels. Die Zukunft des documenta-Obelisken ist nicht im engeren Sinn eine Thema des Landtagswahlkampfes, wird aber derzeit heftig diskutiert. Während Grüne und Linke den Erhalt auf dem Königsplatz fordern, sind SPD und CDU für eine Umsetzung an einen anderen Standort, z.B. vor das neu enstehende documenta-Institut neben der Universität am Holländischen Platz. Die AfD fordert die Beseitigung der 18 Meter hohen Säule, die für einen offenen Umgang mit Flüchtlingen steht, und hat sie als „entstellende Kunst“ bezeichnet.

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