Das Neustaedter Rathaus mit dem Gebrueder Grimm Denkmal in Hanau.

Dieser Wahlkreis liegen im Südwesten des Main-Kinzig-Kreises. Frankfurt und Offenbach sind direkte Nachbarn, und viele Berufstätige pendeln. Vielleicht macht ihnen die Nordmainische S-Bahn doch irgendwann das Leben leichter.

So lebt man hier

Der Wahlkreis Main-Kinzig II umfasst die Städte und Gemeinden Hanau, Maintal, Erlensee, Großkrotzenburg und erstmals Niederdorfelden. Diese fünf Kommunen liegen im südwestlichen Teil des Main-Kinzig-Kreises, dem bevölkerungsreichsten Landkreis Hessens. Die Stadt Hanau begrüßt demnächst ihren 100.000. Einwohner und wird damit zu Hessens sechster Großstadt. Der Wahlkreis ist außerdem derjenige mit dem viertgrößten Ausländeranteil. Viele Menschen pendeln täglich von oder nach Frankfurt oder Offenbach. Auch deshalb warten die Menschen im Kreis weiter auf die Nordmainische S-Bahn.  

Das sind die Probleme

Der Wahlkreis hat die dritthöchste Arbeitslosenquote (6,4%) in Hessen. Gleichzeitig wird Wohnraum knapp. Die Städte und Gemeinden versuchen deshalb, neue Wohngebiete zu erschließen. Hanau war einst der größte Stützpunkt der US-Armee in Europa. Deshalb wird hier seit Jahren die Konversion vorangetrieben, die Umwandlung ehemaliger Militärgelände. Auf dem Gelände der Pioneer-Kaserne zum Beispiel entsteht ein Stadtteil für knapp 5.000 Menschen. Immer wieder wehren sich Anwohner gegen Wohnbauprojekte: Die Menschen in Hanau-Mittelbuchen zum Beispiel wollen den dörflichen Charakter ihres Stadtteils erhalten.

Das sind die Chancen

Weil Hanau immer mehr den Anschluss an Frankfurt verlor, wurde die Innenstadt in den vergangenen Jahren umgebaut. Kostenpunkt: knapp 600 Millionen Euro. Ziel: Hanau wieder attraktiver machen. Das sei gelungen, heißt es aus dem Rathaus. Zum 1. April 2021 will Hanau kreisfrei werden, also den Main-Kinzig-Kreis verlassen. Auch davon erhofft sich die Stadt einen Imagegewinn. Davon könnten auch die Nachbarstädte und –gemeinden profitieren. In Erlensee siedelt sich auf dem ehemaligen Fliegerhorst Industrie an – auch wegen der günstigen Verkehrsanbindung. Weitere Chancen würde die Anbindung Erlensees ans S-Bahn-Netz bieten, über die diskutiert wird. Dazu müsste der Bahnanschluss am Fliegerhorst reaktiviert werden. Nachteil der Entwicklung: Mieten steigen.

Das ist die politische Ausgangslage

Der Wahlkreis war lange fest in "roter" Hand. In den vergangenen Jahren hat er sich allerdings zu einer CDU-Hochburg entwickelt. Bei der Landtagswahl 2013 sicherte sich der Hanauer Christdemokrat Heiko Kasseckert das Direktmandat. Der Wahlkreis Main-Kinzig II gehört zu den Wahlkreisen mit der niedrigsten Wahlbeteiligung und dem höchsten Anteil an ungültigen Stimmen in Hessen.

Das sind die Direktkandidaten

Acht Kandidaten bewerben sich um ein Mandat. Während die CDU auf Kontinuität und ihren Abgeordneten Kasseckert setzt, geht die SPD wie so oft bei den vergangenen Wahlen mit einem neuen Gesicht ins Rennen. Für sie tritt Jutta Straub aus Hanau an, Vize-Fraktionsvorsitzende im Kreistag. Für die Grünen bewirbt sich Birol Avci (31, Hanau), für die Linke Ulrike Eifler (43, Hanau) und für die FDP Thomas Schäfer (51, Maintal). Für die AfD kandidiert mit Walter Wissenbach aus Hanau der Sprecher der hessischen "Alternativen Mitte", einem als gemäßigt geltend Parteiflügel. Mit Bernhard Müller bewirbt sich erstmals ein Kandidat der Freien Wähler, außerdem Jerry Paul für Die PARTEI.

Weitere Informationen

Die Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlkreises im hr-Kandidatencheck

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Darum geht es im Wahlkampf

Der Wahlkampf verläuft unspektakulär, Wahlkampfthemen sind Mangelware. Ein Thema, zu dem sich nahezu alle Parteien und Politiker geäußert haben: die angepeilte Kreisfreiheit Hanaus. Grotzkrotzenburg würde dadurch nämlich zur "Enklave" und hätte keine gemeinsamen Grenzen mehr mit dem Rest des Main-Kinzig-Kreises. Die Gemeinde selbst will nicht zum Hanauer Stadtteil werden und auch nicht in den Landkreis Offenbach wandern, sondern weiterhin dem Main-Kinzig-Kreis angehören.