Das Schloss in Berlepsch.

Der Werra-Meißner-Kreis zieht Jahr für Jahr viele Touristen an. Aber die Gegend kämpft mit dem demographischen Wandel: Viele junge Menschen verlassen die Region.

So lebt man hier

Im Sommer wird hier gewandert oder geradelt, im Winter ziehen die Pisten Skilangläufer und Schlittenfahrer an. Die Urlauber bummeln durch romantische Fachwerkstädte oder paddeln mit dem Kanu über die Werra. Die Arbeitslosenquote lag im Juli 2018 bei 4,7 Prozent.

Das sind die Probleme

Der Werra-Meißner-Kreis hat mit dem demographischen Wandel zu kämpfen. Viele junge Menschen ziehen weg, um woanders zu arbeiten und die Bevölkerung überaltert. Laut dem Statistischen Bundesamt ist jeder Vierte im Kreis über 65 Jahre alt. Damit ist Werra-Meißner der Spitzenreiter in Hessen. Damit verstärken sich auch die strukturellen Probleme auf den Dörfern. Die Menschen machen sich Sorgen um die ärztliche Versorgung, ihre Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Nahversorgung. Viele Häuser stehen leer und lassen sich nur schwer verkaufen.

Außerdem sehen viele Einwohner die Pläne zum Ausbau der Windkraft und die Werraversalzung durch den Kasseler Konzern Kali und Salz (K+S) kritisch. So haben sich Bürgerinitiativen gegründet, um Windkraftanlagen in der Region zu verhindern. Die Bürger befürchten, dass das schöne nordhessische Landschaftsbild durch die Windräder zerstört wird und somit Touristen ausbleiben könnten. Bei der Werra beklagen die Bürgerinitiativen die schlechte Qualität des Flusses. So gebe es kaum noch Fischarten in der Werra und das Grundwasser sei in Gefahr.

Das sind die Chancen

Die Region selbst würde sich mehr Familien wünschen. Daher werben die Gemeinden mit günstigen Grundstückspreisen, einer wunderschönen Landschaft und Kita-Plätzen. Das scheint zu fruchten. Denn zumindest schrumpft der Kreis nicht mehr, sondern gewinnt neue Einwohner dazu. Außerdem wurde in den letzten Jahren viel in den Tourismus im Kreis investiert. Es entstand die Marke „Frau Holle Land“, mit zahlreichen Veranstaltungen rund um die Naturgöttin und Märchenfigur der Brüder Grimm.

Das ist die politische Ausgangslage

Der Wahlkreis gilt als rote Ecke Hessens. Traditionell wird hier SPD gewählt. Bei der letzten Wahl siegte sie mit 38,3 Prozent. Der SPD-Direktkandidaten Lothar Quanz holte mit 43,1 Prozent das Mandat. Sein Konkurrent  Dirk Landau von der CDU kam auf 37,6 Prozent der Stimmen.

Für viel Aufregung hat die Wahlkreisreform gesorgt. Der Landtag hatte im Dezember 2017 unter Anderem beschlossen, dass die Gemeinde Nieste aus dem Landkreis Kassel nicht mehr wie bisher im Wahlkreis Kassel-Land II wählt, sondern nun zum angrenzenden Wahlkreis 9 (Eschwege-Witzenhausen) gehört. Die Gemeinde Nieste hatte daraufhin überlegt, die Reform anzufechten. Doch angesichts der hohen Anwaltskosten und der geringen Aussicht auf Erfolg, hat der Bürgermeister einen Rückzieher gemacht. Grund für die Reform ist der Grundsatz der Gleichheit der Wahl: Es muss sichergestellt werden, dass die Mehrheitswahl der Abgeordneten für den Landtag auf Grundlage möglichst gleich großer Wahlkreise und einem annähernd gleichen Stimmgewicht gewährleistet ist.

Das sind die Direktkandidaten

  • Dirk Landau von der CDU. 54 Jahre alt und Landtagsabgeordneter. Zum vierten Mal kandidiert er in seinem Wahlkreis für ein Abgeordnetenmandat im Hessischen Landtag. Gegen ihn wird aktuell wegen Verleumdung ermittelt. Der Hessische Landtag hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kassel seine Immunität aufgehoben. Landau selbst hält an seiner Kandidatur fest. Er habe sich nichts vorzuwerfen.
  • Knut John von der SPD. Er ist 55 Jahre alt und in Eschwege Stadtverordneter. John soll dem ausscheidenden Landtagsabgeordneten Lothar Quanz in das Parlament folgen.
  • Felix Martin von Bündnis 90/Die Grünen. Er ist 23 Jahre alt und Sprecher der Grünen im Werra-Meißner-Kreis.
  • Dorothea Volland von Die Linke. Sie ist 32 Jahre alt und Mitglied des Kreisausschusses im Werra-Meißner-Kreis. 
  • Michael Göbel von der FDP. Er ist 50 Jahre alt und Versicherungsfachwirt.
  • Andreas Hölzel für die Freie Wähler Gemeinschaft. Er ist 59 Jahre alt, Stadtverordneter und Kreistagsabgeordneter.
  • Klaus-Dirk Schenk von der AfD. Er ist 73 Jahre alt und Kreisverbandssprecher der AfD im Werra-Meißner-Kreis.
Weitere Informationen

Die Kandidatinnen und Kandidaten des Wahlkreises im hr-Kandidatencheck

Ende der weiteren Informationen
Externer Inhalt

Externen Inhalt von Tableau (Datengrafik) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Tableau (Datengrafik). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts