Tarek Al-Wazir und Volker Bouffier

Gerade mal eine Stimme als Mehrheits-Pölsterchen im Landtag - arg dünn. Und die Koalitionsverhandlungen kommen erst noch. Trotzdem zeichnet sich ab: Bouffier und Al-Wazir werden am Ende weiter machen.

Grüne, SPD, FDP – Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hat am Montagmorgen als Chef der trotz heftiger Verluste stärksten Partei angekündigt, nach den hessischen Landtagswahlen mit allen potentiellen Koalitionspartnern sprechen zu wollen. Rechnerisch wäre neben Schwarz-Grün auch Jamaika mit CDU, Grünen und FDP möglich, ein CDU-SPD-Bündnis – und sogar eine Regierung ganz ohne CDU.

Denn knapp ginge eine sogenannte grüne Ampel mit einem von SPD und FDP gewählten Ministerpräsidenten Tarek Al-Wazir. Aber für solche Lösungen spricht fast nichts, auch wenn die Bundestagswahl mit ihrer Wendung zur GroKo-Lösung gezeigt hat: Überraschungen sind nie ganz auszuschließen.

Die CDU will Schwarz-Grün

Ministerpräsident Bouffier hat am Montagmorgen in hr-iNFO klar gemacht: Er favorisiert ein Zweier-Bündnis. Das komme "natürlich eher in Betracht, als Dreierbündnisse". Und im 2er-Pack ist rechnerisch sonst nur noch eine CDU/SPD-Koalition möglich. Sie hätte mit ebenfalls nur einer Stimme Mehrheit den Namen GroKo nicht mehr verdient und gilt als nahezu ausgeschlossen: Keine der beiden Seiten hat für sie irgendeine Neigung durchblicken lassen. Einer Minimal-Mehrheit kann Bouffier zwar auch Positives abgewinnen.  Er hält das für herausfordernd, aber auch disziplinierend. Da denkt er gewiss nicht an eine Partnerschaft mit der SPD. Die erste Auflage von Schwarz-Grün war erstaunlich stabil.

Die Grünen können sich Jamaika nicht vorstellen

Grünen-Spitzenkandidat Tarek Al-Wazir hält sich öffentlich noch bedeckt. Aber die Partnerschaft mit der CDU ist, wie das Ergebnis zeigt, ihm und seiner Partei gut bekommen. Jetzt wären die Grünen sogar noch stärker. Und Grünen-Bundeschef Robert Habeck hat im ARD-Morgenmagazin ziemlich klar über Jamaika geurteilt: "Ich glaube, die Frage stellt sich jetzt so gar nicht mehr". Hessens FDP-Spitzenkandidat René Rock habe einen weiteren Ausbau der Windkraft in dem Bundesland ausgeschlossen. Keine Energiewende in Hessen mehr: Das sei mit den Grünen nicht zu machen. Habeck betonte außerdem, er habe in Schleswig-Holstein erlebt, dass eine Mehrheit von nur einem Mandat "bombig" klappen kann.

Die FDP hat Jamaika schon aufgegeben…

FDP-Mann Rock hat vor der Wahl signalisiert, dass er ein Bündnis mit CDU und Grünen favorisiert. Unter dem Eindruck des Wahlabends hat er es nun aber ausgeschlossen. "Wenn Schwarz-Grün eine eigene Mehrheit hat, wird sich die FDP nicht an einer Regierung beteiligen", sagte er dem Radiosender FFH. Ersatzrad wollten die Liberalen nicht sein. Wenn die anderen Parteien ohne sie eine Mehrheit hätten, könne die FDP nichts durchsetzen. Dann habe das wenig Sinn.

…und die Ampel auch

Eine rot-grün-gelbes Bündnis hatte Rock vor der Wahl zwar für unwahrscheinlich, aber nicht ganz für tabu erklärt. Aber eben in dieser Farbenfolge: wenn ein Sozialdemokrat Ministerpräsident würde. Jetzt sind die Grünen mit 94 Stimmen Vorsprung vor der SPD gelandet. Ein Ministerpräsident Al-Wazir, das wäre für Rock wohl zu viel – und für seinen Bundeschef Christian Lindner ohnehin. Darauf legen gerade die Grünen Wert. Ihr Bundesgeschäftsführer Michael Kellner sagte am Montag im SWR: Lindner werde wohl kaum einen Rückzieher von seinem Ampel-Ausschluss machen. "Ich glaube, vorher springt er eher in ein leeres Schwimmbecken als das mitzumachen." Die schwer geschlagene SPD dürfte ebenfalls nicht wild auf die Juniorrolle sein. Attraktiv wäre unter solchen Vorzeichen die Ministerpräsidenten-Rolle für die Grünen nicht wirklich.

Koalitionsoptionen Endergebnis 01:43