Combo Landtagswahl FAQ
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Wer, wie, was - und wieso? Am 28. Oktober ist Landtagswahl. Und weil die vergangene schon wieder fünf Jahre her ist und jede Wahl ihre Eigenheiten hat: hier die Antworten auf wesentliche Fragen.

Wen wir wählen - und wie viele

Am Sonntag, 28.10., werden für die kommenden fünf Jahre die 110 Abgeordneten des neuen Landesparlaments bestimmt. Es könnten aber auch mehr werden. "Wir“ - das sind diesmal rund 4,38 Millionen Wahlberechtigte. Frauen sind leicht in der Überzahl, die größte Altersgruppe stellen mit 35 Prozent die Bürger, die älter als 60 Jahre sind. 61.700 junge Menschen dürfen zum ersten Mal wählen.

Was uns das angeht

Jede Menge. Kindergärten, Schulen, Polizei, Straßenbau, Flüchtlingsunterbringung und, und, und: In fast jeder politischen Frage spricht die Landespolitik mit, und oft hat sie das letzte Wort. Zu Regierungsarbeit und Gesetzgebung in Wiesbaden kommt in unserem föderalen System noch der Bundesrat, der vielen Gesetzen zustimmen muss. Hier hat Hessen fünf Stimmen der insgesamt 69 Stimmen.

Wer antritt

797 Kandidatinnen und Kandidaten und 23 Parteien machen mit. Darunter sind wieder viele Kleinparteien: von Freien Wählern über Piratenpartei und Humanisten bis zu den Violetten. Manch vertrauter Parteiname fehlt. Neben den Republikanern treten zum Beispiel Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und Marxistisch-Leninistische Partei (MLPD) nicht an.

Weshalb es diesmal besonders spannend ist

Den aktuellen Umfragen zufolge dürften erstmals in Hessen sechs Parteien Mandate im Landtag gewinnen: Neben den etablierten Fraktionen CDU, SPD, Grüne, Linke und FDP ist auch mit der AfD fest zu rechnen, wie auch der hr-Hessentrend zeigt. Die Neulinge könnten einiges durcheinanderwirbeln: Die schwarz-grüne Koalition, die erste ihrer Art in einem Bundesland, muss um eine erneute Mehrheit kämpfen. Die Koalitionsbildung könnte vertrackt werden.

Warum Sie zwei Stimmen haben

Jeder Wähler hat einen Stimmzettel, aber zwei Stimmen. Erststimme? 55 Wahlkreise gibt es in Hessen - von Kassel-Land 1 bis Bergstraße 2. Aus jedem dieser Kreise zieht ein erfolgreicher Direktkandidat in den Landtag ein. Dafür ist die Erststimme. Die Zweitstimme entfällt auf die Landesliste der Partei und regelt das Kräfteverhältnis der Parteien im Landtag.

Warum der Landtag wachsen könnte

Wenn eine Partei direkt über die Erststimmen mehr Mandate gewinnt, als ihr nach den Zweitstimmen zustehen, werden zum Ausgleich Überhangmandate eingerichtet. Der neue Landtag hätte dann mehr als die eigentlich vorgesehenen 110 Sitze - ein diesmal nicht unwahrscheinliches Szenario. Auf diese Weise ist der Bundestag zuletzt auf 709 Sitze angewachsen und zum weltweit größten Nationalparlament geworden.

Was sonst noch ansteht

Mehr als ein Begleitprogramm! Zur Landtagswahl kommt diesmal die Abstimmung über eine Reform der hessischen Landesverfassung hinzu. Die per Grundgesetz 1946 bundesweit abgeschaffte Todesstrafe wird auch in der hessischen Theorie gestrichen. Dafür werden unter anderem die Gleichberechtigung, Kinderrechte und neue Staatsziele aufgenommen.

Außerdem finden zeitgleich noch 34 Bürgermeister-Direktwahlen statt - von B wie Bad König (Odenwald) bis W wie Wöllstadt (Wetterau). Ein neuer Landrat wird auch gesucht, und zwar im Landkreis Limburg-Weilburg.

Noch mal genauer: Wer alles darf

Den Landtag wählen: alle, die mindestens 18 Jahre alt sind, deutsche Staatsbürger und seit mindestens drei Monaten ihren Wohnsitz in Hessen haben. Es sei denn, ihnen wurde das Wahlrecht entzogen.

In den Landtag gewählt werden: nur diejenigen, die mindestens 21 Jahre alt sind. In jedem anderen Land und bei der Bundestagswahl geht das ab 18. Die Sonderrolle wird das Bundesland verlieren, wenn am Tag der Landtagswahl die Reform der Landesverfassung eine Mehrheit findet.

Und wer dürfen sollte

Das ist umstritten. Vom Wahlrechtsentzug sind nämlich (durch Richterspruch) nicht nur Straftäter betroffen, sondern auch bis zu 7.000 behinderte Menschen, die auf eine Betreuung in allen Angelegenheiten angewiesen sind. Nordrhein-Westfalen hat diese umstrittene Regelung zur Landtagswahl 2017 aufgehoben.

Warum die deutsche Post sich freut

Weil am Montag die Briefwahl beginnt, die anders als Briefeschreiben voll im Trend liegt. Ihr Anteil stieg von der Landtagswahl 2008 bis zur Wahl 2013 rasant von 13 auf 23 Prozent. Beantragen kann man die Briefwahlunterlagen ohne Angabe von Gründen bis Freitagmittag vor der Wahl, bei plötzlicher Erkrankung sogar bis 15 Uhr am Wahlsonntag. In jedem Fall muss der Briefwahl-Umschlag bis Schließung des Wahllokals um 18 Uhr bei der Kommune eingegangen sein.

Was sich beim Wahllokalbesuch empfiehlt

Zum Beispiel, die per Post eingegangene Wahlbenachrichtung mit ins zugewiesene Wahllokal zu nehmen. Vergessen, verloren? Nicht so schlimm: Wer sich mit Personalausweis oder Reisepass im Wahllokal ausweisen kann, bekommt den Stimmzettel auch. Handyfotos aus der Wahlkabine zur verschicken, ist übrigens verboten.

Wann das Ergebnis feststeht

Die erste Prognose auf Basis einer repräsentativen Umfrage unter Wählern nach der Stimmabgabe: um Punkt 18 Uhr. Die ersten belastbaren Hochrechnungen auf Basis zufällig ausgewählter Stimmbezirk-Ergebnisse: sollten bis 20 Uhr da sein. Das vorläufige Endergebnis: kaum vor Mitternacht.

Wo man sich am Wahlabend auf dem laufenden halten kann

Wie wäre es mit hessenschau.de, hr-fernsehen und/oder hr-iNFO?