Bildkombo mit einem Landtagsfoto, einem Ausschnitt aus einer Grafik zum Frauenanteil im Landtag und Bijan Kaffenberger von der SPD.
In den Landtag (links) zieht auch Bijan Kaffenberger (SPD) ein. Der Ausschnitt aus der Grafik zeigt den Frauenanteil im neuen Landtag. Bild © picture-alliance/dpa/hr

Wer ist der jüngste Abgeordnete, wer hält die Eröffnungsrede und wer muss künftig draußen bleiben? Nach der Hessen-Wahl stellen sich viele Fragen zum neuen Landtag. Ein paar Antworten finden Sie hier.


Wer ist der jüngste Abgeordnete im neuen Landtag?

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zum Video Lukas Schauder, jüngster Abgeordneter im neuen Landtag am Wahlabend

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Das Greenhorn ist Lukas Schauder von Bündnis90/ Die Grünen. Der Mann hat gerade die Wählbarkeitsgrenze überschritten und hat es mit seinen 21 Jahren in den neuen Landtag geschafft. Angetreten war er für den Wahlkreis Main-Taunus I, er lebt in Bad Soden am Taunus.

Schauder studiert noch und zwar Jura in Frankfurt. Für einen Politiker kein ungewöhnliches Studienfach, viele der Abgeordneten oder Minister sind auch Juristen. Sein Herz schlägt für den Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, er nennt Klavierspielen als sein Hobby und glaubt fest daran, dass "ein besseres Hessen möglich ist" - so sein Wahlspruch. Ein Thema, dass den Youngster nach eigenen Angaben besonders interessiert, ist die Digitalisierung. Für deren Umsetzung und Weiterentwicklung will er sich einsetzen.

Wer ist der älteste Abgeordnete im neuen Landtag?

Rolf Kahnt, Ausschnitt von seiner Internetseite www.rolf-kahnt.de
Rolf Kahnt Bild © Screenshot: rolf-kahnt.de

Mit seinen 73 Jahren ist Rolf Kahnt von der AfD der älteste Abgeordnete im neuen Landtag, wo er nun mit 18 weiteren AfD-Abgeordneten sein Debut gibt. Zwar hatte seine Partei ihren Kandidaten empfohlen, sich nicht am hr-Kandidatencheck zu beteiligen, Kahnt hat aber doch die hr-Fragen beantwortet, allerdings nur schriftlich. Kahnt ist Studienrat a. D., also ein ehemaliger Lehrer und seit 2016 Fraktionsvorsitzender der AfD im Kreistag Bergstraße.

Er nennt die Einführung des Euro "unsinnig", Merkels Migrationspolitik "katastrophal" und meint, dem "Niedergang unserer Kultur, unserer Werte, unserer Bildung" müsse Einhalt geboten werden. Privat ist der Landtagsoldie nach eigenen Angaben sehr sportlich, spielt Tennis und fährt Mountainbike.

Wer wird die Eröffnungsrede im Landtag halten?

Rolf Kahnt von der AfD (siehe oben). Mit seinen 73 Jahren ist er die älteste gewählte Person im Landtag, der so genannte Alterspräsident. Ihm steht nach der Geschäftsordnung des Landtags die Eröffnungsrede zu.

Und quasi als generationenübergreifendes Projekt ist dort auch geregelt, dass die beiden jüngsten gewählten Abgeordneten die Schriftführer des Ältesten in der konstituierenden Sitzung sind.

Wer ist der Newcomer, der auch überregional die meiste Aufmerksamkeit erreicht?

Am deutlichsten aus der Masse der neuen Abgeordneten sticht Bijan Kaffenberger heraus. Der 29 Jahre alte SPD-Abgeordnete ist mit gut 28 Prozent der Stimmen als Direktkandidat in den Landtag gezogen. Er ist Fan vom Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98 und schreibt an einem Buch.

Als Beruf gibt er Volkswirt an. Das ist alles interessant, aber noch kein Alleinstellungsmerkmal - seine Behinderung hingegen schon. Kaffenberger leidet am Tourette-Syndrom. Seine Ticks und Zuckungen sind deutlich sichtbar. Er geht offen damit um und betreibt den Youtube-Kanal "Touretikette".

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zum Video Bijan Kaffenberger über seinen erfolgreichen Einzug in den Landtag

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Sein politischer Erfolg gibt ihm Recht: Bei der Wahl nun hat er der ehemaligen hessischen Kultusministerin Karin Wolff (CDU) den Wahlkreis (Darmstadt II) abgenommen. Zahlreiche Medien - auch überregional - berichten über ihn und seine Besonderheit (FAZ, Welt, Focus).

Kaffenberger will sich nicht über seine Behinderung definieren, sagt er. Inklusion ist ein Thema für ihn, aber nicht das zentrale. Spezialisiert hat sich der Jungpolitiker auf die Themen Finanzen und Digitalisierung.

Wie hoch ist der Frauenanteil im neuen Landtag, und in welcher Fraktion sitzen die meisten?

Es werden immer mehr: Seit 2013 hat sich der Frauenanteil im Landtag gesteigert. Vor fünf Jahren waren es knapp 31,8 Prozent, im neuen Landtag 2018 sind Frauen mit 33,6 Prozent vertreten.

Den höchsten Anteil an Frauen findet man in der Linken-Fraktion (56 Prozent). Die AfD, neu im Landtag vertreten, bringt nur zehn Prozent Frauen-Anteil auf. So wenig hatte zuletzt 2009 nur die FDP, die sich aber inzwischen auch auf gut 18 Prozent gesteigert hat.

Grafik: Frauen im Landtag
Den höchsten Frauenanteil im Landtag hat die Linke. Bild © hr

Der neue Landtag ist doch bestimmt auch jünger!?

Zu den jüngsten Abgeordneten im Landtag gehören Lukas Schauder (21, Grüne) und Felix Martin (23, Grüne) - und auch insgesamt ist der Landtag etwas jünger geworden. 2013 lag der Altersdurchschnitt bei 50,7 Jahren, 2018 liegt er bei 49,4 Jahren.

Wie die zwei Youngster vermuten lassen, sind die Abgeordneten der Grünen mit einem Durchschnittsalter von etwas über 44 Jahren im Durchschnitt am jüngsten. Die meisten Lenze zählen im Durchschnitt die AfD-Abgeordneten, aber sie liegen mit ihren knapp 55 Jahren weit unter dem ältesten Abgeordneten Rolf Kahnt (73), der ja aus ihren Reihen kommt.

Diagramm: Wie alt ist welche Fraktion durchschnittlich?
Der Landtag ist im Durchschnitt mit der Wahl nicht jünger geworden. Bild © hr

Wirklich der größte Landtag?

Dem neuen Landtag werden 137 Abgeordnete angehören. Das ist viel. Sehr viel sogar. Um genau zu sein sind das 27 Abgeordnete mehr als 2013 und damit ein neuer Höchstwert. Doch woran liegt das?

An der CDU! Die Partei hat bei den Zweitstimmen zwar stark eingebüßt, holte über die Erststimmen aber 40 von insgesamt 55 Direktmandate. Dadurch hat sie acht Abgeordnete mehr, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis eigentlich zustehen. Um das für die anderen Parteien auszugleichen, was vorgeschrieben ist, sind 19 weitere Mandate nötig - und somit 27 Stühle mehr im Plenarsaal.

Dort sitzen sich die Abgeordneten dann zwar noch nicht auf dem Schoß, aber doch inzwischen sehr eng zusammen - wie genau das gehen soll, ist nach Angaben des Landtagssprechers noch unklar. "Es wird passend gemacht." Ebenso ist die Frage noch nicht geklärt, welche Fraktion wo sitzt, also wo der Neuzugang AfD untergebracht werden soll.

Welche Partei hat die meisten Abgeordneten gewonnen und wer ist Top-Verlierer?

LTW 18 Ergebnisse Sitzverteilung
Bild © infratest dimap/hessenschau.de

Absoluter Spitzenreiter im Zugewinn an Sitzen ist die AfD. Das liegt natürlich daran, dass sie neu in den Landtag einzieht und somit jeder Sitz ein neuer ist. Mit ihrem Ergebnis von 13,1 Prozent erhält die AfD 19 (neue) Sitze.

Nur knapp dahinter mit 15 neuen Sitzen (Ergebnis: 19,8 Prozent) liegen die Grünen, bei denen das ein echter und sehr deutlicher Zugewinn zum Ergebnis der Landtagswahl von 2013 ist. Auch Abgeordnete hinzugewonnen haben FDP (plus fünf) und Linke (plus drei).

Top-Verlierer sind die Fraktionen von SPD und CDU, die mit minus acht und minus sieben Abgeordneten deutlich geschrumpft sind.

Neue Direktmandate? Wer ist hier der Stimmenking?

Außer der CDU mit ganzen 40, gewannen nur noch Bewerber von SPD (10) und - erstmals überhaupt - der Grünen (5) Direktmandate in ihren Wahlkreisen. Den Stimmen-Highscore für ein Direktmandat machte ein CDU-Bewerber:

Für Markus Meysner stimmten im Wahlkreis Fulda II knapp 25.000 Menschen. Ähnlich viele Kreuzchen bekam die SPD-Kandidatin im Wahlkreis Kassel Land II, Manuela Strube: knapp 24.000 und damit auch ein Direktmandat.

Prominente Politiker, die nicht mehr dabei sind

Mit den neuen Direktmandaten der Grünen ist für zwei CDU-Minister ihre Zeit als Landtagsabgeordnete nun beendet: Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) stand am Wahlabend in seinem Wahlkreis Offenbach-Stadt als erster grüner Direktmandat-Sieger Hessens fest. Das ist besonders bitter für die CDU, weil er das Mandat Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) wegschnappte, der damit raus ist.

Bildkombo: links Eva Kühne-Hörmann, rechts Stefan Grüttner
Bye-bye Landtag: Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) und Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) sind raus. Bild © picture-alliance/dpa

Nicht besser erging es Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU): In Kassel-Stadt I hatte sie das Nachsehen, dort ging das Direktmandat an die Grüne Vanessa Gronemann - mit derselben Konsequenz. Kühne-Hörmann ist raus aus dem Landtag.