Ob-Wahl-Endspurt
Wer wird Chef im Römer? Bernadette Weyland (CDU) oder Peter Feldmann (SPD) - oder vielleicht doch einer der anderen zehn Kandidaten. Bild © picture-alliance/dpa

Die Frankfurter haben gewählt. Die Wahllokale zur Wahl eines Oberbürgermeisters sind seit 18 Uhr geschlossen.

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Die Stadt Frankfurt hat inzwischen zudem die Wahlbeteiligung nach unten korrigiert.

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Rund 511.000 Frankfurter waren am Sonntag zur Wahl aufgerufen, mehr als jemals zuvor bei einer Direktwahl des Oberbürgermeisters. Seit 18 Uhr sind die Wahllokale geschlossen, nun werden die Stimmen ausgezählt.

Mit einem vorläufigen Ergebnis wird ab 21 Uhr gerechnet. Dann entscheidet sich, ob ein Kandidat mit absoluter Mehrheit auf Anhieb die OB-Wahl gewonnen hat - oder ob es in zwei Wochen zu einer Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den höchsten Stimmenanteilen kommen wird.

Hohe Wahlbeteiligung

Bereits am Nachmittag zeichnete sich eine hohe Wahlbeteiligung ab: Die Wahlleiterin teilte auf ihrer Website mit, dass ersten Hochrechnungen zufolge bis 18 Uhr 57,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben hatten. Bleibt es dabei, wäre das ein neuer Rekord seit 1995. Damals lag die Beteiligung bei 55,8 Prozent.

Grundlage für die aktuellen Daten sind Umfragen in neun Wahlbezirken. Zudem stellten fast 50.000 Menschen im Vorfeld Anträge auf Briefwahl, das sind rund zehn Prozent mehr als 2012. Die Briefwähler sind in die Hochrechnungen der Wahlbeteiligung eingerechnet.

Zuvor sank die Wahlbeteiligung seit Jahren. Bei der Wahl im Jahr 2012 gingen insgesamt nur 37,5 Prozent der Wahlberechtigten wählen, bei der Stichwahl zwischen dem damaligen CDU-Kandidaten Boris Rhein und Peter Feldmann (SPD) waren es nur noch 35,1 Prozent. Feldmann gewann die Stichwahl mit 57,4 Prozent der Stimmen.

Mehr Kandidaten als je zuvor

Feldmanns Sieg damals war eine Überraschung. Viele dachten, nach 17 Jahren unter der CDU-Oberbürgermeisterin Petra Roth bliebe der Posten bei ihrer Partei. Nach sechs Jahren im Amt ist Feldmann dieses Mal der wohl bekannteste Kandidat und gilt als Favorit.

Noch keine OB-Wahl in Frankfurt hatte so viele Kandidaten, Feldmann trat gegen elf Konkurrenten an. Darunter sind einige, die bisher keine Karriere in der Politik vorzuweisen haben: Etwa der Frisör Karsten Schloberg, die Soziologin Felicia Herrschaft oder der Unternehmer Ming Yang (alle unabhängig). Hier finden Sie alle Kandidaten im hessenschau.de-Videointerview.

Feldmann mit Ministerpräsidentin und Musiker unterwegs

Im Wahlkampf-Endspurt hatten sich die Kandidaten von SPD und CDU noch einmal prominente Unterstützung geholt. Für Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD) rührte dessen Parteikollegin Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland Pfalz, in einem kurzen Facebook-Video die Werbetrommel. Am Mittwoch besuchte Feldmann zusammen mit dem Frankfurter Musiker und Produzenten Moses Pelham ein Jugendhaus.

Die bundespolitische Lage hätte für Feldmann durchaus besser sein können: Die SPD hat nach vielen Verwerfungen innerhalb der Parteispitze und der bevorstehenden Abstimmung der Parteibasis über eine mögliche Große Koalition einen schweren Stand. Immerhin: Im Wahlkampf spürte Feldmann wenig von den Turbulenzen der Bundes-SPD.

Bei seinen Auftritten gab sich Feldmann nicht siegessicher, aber zumindest sehr souverän. hr-iNFO sagte er, er sei sicher, dass es bei so vielen Kandidaten zu einer Stichwahl kommt. Und ebenso sicher, dass er dabei sein wird. Wenn keiner der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommt, wird es am 11. März eine Stichwahl geben.

Weyland setzte auf Ex-OB und Ministerpräsidenten

Die CDU-Kandidatin Bernadette Weyland trat zuletzt immer wieder mit Ex-Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) auf, aber auch mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Mit ihm ließ sich Weyland "bewaffnet" mit Boxhandschuhen ablichten.

Weyland war in der Stadtpolitik bisher kaum aufgefallen, sie war vor ihrer Kandidatur Staatssekretärin im hessischen Finanzministerium. In der CDU hatte sie zeitweise mit Gegenwind zu kämpfen. Beispielsweise stieß ihr Vorschlag, die Commerzbank-Arena an die Frankfurter Eintracht zu verkaufen, auf wenig Gegenliebe bei Sportdezernent Markus Frank (CDU).

Für Furore sorgte auch, dass Weyland als Staatssekretärin in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde, um sich voll der Oberbürgermeisterkandidatur widmen zu können.

Wer sonst noch Chancen haben könnte

Denkbar für den Wahlausgang ist, dass Feldmann (SPD) und Weyland (CDU) in die Stichwahl zwei Wochen später kommen. Chancen für die Stichwahl rechneten sich aber auch die Kandidatin der Grünen, Nargess Eskandari-Grünberg, aus, sowie Ex-Ordnungsdezernent Volker Stein, unabhängiger Kandidat, der von seiner Partei - der FDP - nicht unterstützt wird.

Stein hatte im Wahlkampf eine eigene Umfrage veröffentlicht , die er über Facebook verbreitete: Wenig überraschend schnitt er dabei sehr gut ab, lag mit 24 Prozent nur sieben Prozent hinter Feldmann auf dem zweiten Platz. Repräsentativ war das nicht: Angeblich hatte sein Wahlkampf-Team rund 300 Menschen auf der Straße befragt.

Mit seiner harten Linie, etwa beim Thema Sicherheit und Flüchtlinge, besetzte Stein im Wahlkampf jene Themen, die womöglich auch einem AfD nahen Publikum gefallen könnten. Die AfD hatte in Frankfurt keinen Kandidaten aufgestellt.

Wenn nicht der Chefsessel, dann ein Hund

Die Kandidatin der Linken, Janine Wissler, hatte im Wahlkampf betont, dass es ihr vor allem wichtig sei, über für sie zentrale Themen in der Stadt zu sprechen: sozialer Wohnungsbau, bezahlbare Mieten, und eine soziale und solidarische Stadt. Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag hoffte, zumindest mehr Stimmen zu bekommen als bei der letzten OB-Wahl - da waren es drei Prozent.

Nur einer kann Oberbürgermeister werden und zumindest CDU-Kandidatin Weyland hat schon eine Idee, wie sie sich über eine verlorene Wahl hinweg trösten könnte: Sie wünscht sich dann einen Hund, sagte sie hr-iNFO. Das Geld aus ihrer Versetzung in den einstweiligen Ruhestand stünde ihr dann auch wieder voll zur Verfügung.

Hier geht es zu unserem Themencheck Wohnen, zum Themencheck Sicherheit und allen wichtigen Fragen und Antworten zur Oberbürgermeister-Wahl.

Sendung: hr-iNFO, 25.02.2018, 17.00 Uhr