Feldmann und Weyland am Wahlabend.
Feldmann und Weyland am Wahlabend. Bild © picture-alliance/dpa

Vor der Stichwahl im März liegt Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann komfortabel in Führung, die Linke und Mitbewerber Stein haben eine Wahlempfehlung für ihn ausgesprochen. Herausfordererin Weyland schreckt das nicht, sie will nochmal angreifen.

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Aus zwölf mach zwei: Die Zahl der Kandidaten für das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters hat sich mit der Wahl am Sonntag deutlich gelichtet. Bei der Stichwahl in zwei Wochen können sich die Frankfurter entscheiden zwischen Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD), der im ersten Durchgang 46,0 Prozent der Stimmen erzielte, und Bernadette Weyland (CDU), die 25,4 Prozent der Stimmen erhielt.

Die Frage wird dann sein, wen all diejenigen wählen, die im ersten Durchgang noch einem der anderen zehn Kandidaten ihre Stimme gaben. Die Linke sprach inzwischen eine Wahlempfehlung für Feldmann aus. Das habe eine "sehr große Mehrheit" der Kreismitgliederversammlung der Partei am Montagabend beschlossen, sagte ein Sprecher der Linken am Dienstag.

Es gehe darum zu verhindern, dass Feldmanns Herausforderin Weyland an die Spitze des Römers komme und eine Politik des Rückschritts einleite. Zuvor hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" darüber berichtet. Für die Linke hatte sich am Sonntag Janine Wissler um das Amt beworben, sie kam auf 8,8 Prozent der Stimmen.

Bei den Grünen gibt es viel Gesprächsbedarf

Die ebenfalls unterlegene Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne/9,3 Prozent) hielt sich noch mit einer Wahlempfehlung für die Stichwahl zurück. Sie will das Votum der Grünen-Mitgliederversammlung abwarten, die am Mittwoch stattfindet.

Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass die Grünen dann Feldmann und Weyland einladen wollen, damit sich die Mitglieder selbst eine Meinung bilden können.

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Bei den Grünen dürfte es ohnehin viel Gesprächsbedarf geben. Immerhin konnte die Partei das vermutete Wählerpotenzial von rund 15 Prozent überhaupt nicht ausschöpfen. Im Gegenteil: Nicht einmal jeder zweite, der bei den Kommunalwahlen 2016 noch Grün gewählt hatte, gab nach ersten Berechnungen seine Stimme nun Eskandari-Grünberg.

Die übrigen Wähler stimmten vor allem für Feldmann (23,4 Prozent) oder Wissler (15,4 Prozent), wie die Stadt bei der Vorstellung ihrer Wählerwanderungsanalyse am Montag mitteilte. Wissler selbst verlor demnach zwar ebenfalls viele der potenziellen Linken-Stimmen an Feldmann (32,9 Prozent), sie konnte dennoch das Ergebnis ihrer Partei von 2016 leicht übertreffen.

Feldmann konnte das SPD-Ergebnis fast verdoppeln

Der größte Gewinner ist auch dieser Analyse zufolge Amtsinhaber Feldmann: Hatte die SPD bei den Kommunalwahlen 2016 noch 23,8 Prozent erzielt, konnte er dieses Ergebnis nun fast verdoppeln. Zum einen stimmten mehr als 90 Prozent der SPD-Wähler für ihn, zum anderen gewann er auch viele Anhänger fast aller anderen Parteien. CDU-Kandidatin Weyland dagegen profitierte am meisten von FDP-Wählern - fast 19 Prozent derjenigen, die nun ihr die Stimme gaben, hatten 2016 noch die Liberalen gewählt.

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Zum Nachlesen: Unser Liveticker vom Wahlabend mit Ergebnissen und Stimmen.

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Deren Parteimitglied Volker Stein trat zwar ebenfalls an, aber ohne die Unterstützung seiner Partei. Für ihn stimmten 5,9 Prozent der Wähler, was Platz fünf bedeutete. Er erklärte am Montag, seine Wähler wüssten, wen sie bei der Stichwahl zu wählen hätten. Er selbst werde Weyland seine Stimme nicht geben.

Die größte Gruppe sind die Nichtwähler

Besonders große Sorgen dürfte Weyland etwas anderes machen: Auch in den CDU-Hochburgen verlor sie gegen Feldmann. Dabei gab sie nicht nur an den SPD-Mann viele potenzielle CDU-Wähler ab, sondern auch an die einmal mehr größte Gruppe bei dieser Wahl: die Nichtwähler. Die zwischenzeitliche Nachricht von einer hohen Wahlbeteiligung entpuppte sich als Zahlenfehler. Tatsächlich gaben mehr als 62 Prozent der über 500.000 Wahlberechtigten - also rund 315.000 Menschen - keine Stimme ab. Und erfahrungsgemäß wächst diese Gruppe bei der Stichwahl eher noch, gerade wenn das Ergebnis im ersten Durchgang so scheinbar eindeutig war.

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Die größte Herausforderung für Feldmann dürfte also sein, seine Anhänger zum Wählen zu motivieren. Entsprechend "kämpferisch und optimistisch" gehe er nun in den verlängerten Wahlkampf, sagte er. Auch seine Konkurrentin Weyland hat das Rennen noch nicht aufgegeben: "25,4 Prozent sind ein Auftrag. Packen wir's an!", twitterte sie nach dem ersten Durchgang.

Denn es gibt einen Präzedenzfall: 2012 lag Feldmann nach dem ersten Durchgang mit 33 Prozent der Wählerstimmen hinter dem damaligen CDU-Kandidaten Boris Rhein (39,1 Prozent) zurück - und gewann den zweiten Durchgang klar.