Bernadette Weyland (CDU) und Peter Feldmann (SPD) im TV-Duell.
Bernadette Weyland (CDU) und Peter Feldmann (SPD) im TV-Duell. Bild © hessenschau.de

Kurz vor der Oberbürgermeister-Stichwahl in Frankfurt am Sonntag sind beide Kandidaten in einem TV-Duell im hr-fernsehen aufeinander getroffen. Amtsinhaber Peter Feldmann (SPD) oder seine Herausforderin Bernadette Weyland (CDU) - wer hat sich besser geschlagen?

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Um 20.54 Uhr am Donnerstagabend schlendert Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ins hr-Fernsehstudio - in sechs Minuten soll die Liveübertragung des TV-Duells der Frankfurter OB-Stichwahlkandidaten beginnen. Den Moderatoren ist die Erleichterung anzusehen. Spät, aber er ist endlich da.

Feldmanns Kontrahentin, Bernadette Weyland (CDU), steht zu diesem Zeitpunkt bereits seit einer guten Viertelstunde hinter ihrem Pult und plaudert mit dem Fernsehteam. Wie wichtig ihr Pünktlichkeit ist, soll Feldmann im Verlauf der Sendung noch zu spüren bekommen.

Schwarzes Kleid, rote Krawatte

Amtsinhaber Feldmann geht als Favorit in die OB-Stichwahl am Sonntag. Im ersten Wahlgang vor knapp zwei Wochen verfehlte er mit 46,0 Prozent der Wählerstimmen nur knapp die absolute Mehrheit, die ihm einen direkten Sieg beschert hätte. Weyland landete deutlich hinter ihm mit 25,4 Prozent auf Platz zwei.

Nun stehen sich beide im letzten großen öffentlichen Rededuell gegenüber: Die 60 Jahre alte Weyland im schwarzen, knielangen Kleid mit rotem Blazer. Feldmann (59) im dunkelblauen Anzug mit weißem Hemd und roter Krawatte.

Wie war die Atmosphäre?

Kennen Sie diese Kollegen im Job, die wir zwar respektieren, aber hin und wieder mit heimlicher Freude piesacken? Und nach Feierabend sind wir dann froh, dass wir wieder getrennte Wege gehen? In etwa so.

45 Minuten lang ließen sich Weyland und Feldmann zu den Politikfeldern Wohnen, Bildung und Sicherheit befragen. Beide wirkten gut vorbereitet und konzentriert. CDU-Kandidatin Weyland sagte selbstbewusst über ihre Chancen am Sonntag in Anspielung auf Feldmanns Überraschungssieg vor sechs Jahren: "Was er konnte, kann ich auch." Sie war als diejenige, die den Amtsinhaber herausforderte, die Angriffslustigere. Als sie von Feldmann verlangte, er solle sie bitte Frau DOKTOR Weyland nennen, brachte sie ihn kurz aus dem Konzept ("Mit den Doktoren ist es im Augenblick so ein bisschen die Frage.").

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Feldmann verteidigte und lobte seine bisherige Arbeit, nannte viele Zahlen ("Wir schaffen pro Jahr 1.250 Hortplätze") und erinnerte hier und da - äquivalent zum "Landesvater" - an einen Stadtvater, wenn er zum Beispiel Frankfurt als beliebtes Touristenziel beschrieb: "Die Leute finden die Stadt cool. Sie kommen zu uns, nicht nur wegen der neuen Altstadt." Oder beschwichtigte: "Wir wollen uns doch nicht streiten, wer was zuerst vertreten hat."

Wer konnte bei welchen Themen punkten?

Weyland beschrieb sehr eindringlich Missstände an den Schulen. Sie berichtete vom Besuch einer Schule im Stadtteil Rödelheim, "wo die Kinder im Küchenraum und im Werkraum Schimmel haben". Sie habe nicht atmen können und sei rausgegangen. "Ich finde, das sind unhaltbare Zustände." Für verdreckte Klos an den Schulen forderte sie ein "Toilettenprogramm".

Feldmann betonte immer wieder konkrete Veränderungen in seiner Amtszeit wie sinkende Preise bei bestimmten ÖPNV-Tickets, das Einfrieren von Mieten bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding oder den Bau neuer Kitas. "Wir haben es einfach gemacht."

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Wurde es auch mal laut?

Nicht laut, aber energisch. Zum Beispiel, als Weyland sagte, ihr sei nicht klar, welche Position Feldmann beim Thema Videoüberwachung einnehme. Plötzlich nagelte sie ihn förmlich fest: "Sind Sie dafür oder dagegen?" Feldmann: "Ganz einfach: Ich bin dafür."

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Feldmann grätschte Weyland mehrfach ins Argument, in dem er sie daran erinnerte, dass ihre Partei, die CDU, zusammen mit den Grünen jahrelang die Stadt regiert hat. Sie tun es übrigens noch immer, inzwischen aber zu dritt mit der SPD.

Sogar richtig fies zueinander wurden die beiden am Ende des TV-Duells. Etwas Nettes sollten sich beide jetzt noch sagen, wünschten sich die Moderatoren. Feldmann über Weyland: "Das ist schon bewundernswert, wie jemand sich an diese Wahlsache macht, obwohl die halbe Partei gegen einen ist - davor habe ich Respekt." Bäm. Auch der Frankfurter CDU einen mitgegeben.

Und was Weyland am amtierenden Oberbürgermeister schätze? "Dass man sich unbedingt darauf verlassen kann, dass er immer unpünktlich ist." Siehe oben.

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Waren beide auch mal einer Meinung?

Als Weyland von einem Rundgang durchs Bahnhofsviertel berichtete und sagte, sie habe erlebt, wie eine Polizistin angepöbelt wurde, sprang ihr Feldmann zur Seite: "Gewalt gegen Polizisten, gegen Ordnungskräfte, gegen die Feuerwehr, das geht gar nicht. Da muss man klare Kante zeigen."

Ebenfalls einig waren sich beide, dass die Schulklos in Frankfurt zum Teil in einem schlimmen Zustand sind.

Das Fazit - wer war besser?

Weyland war im Angriff besser als Feldmann. Sie benannte drängende Probleme in der Stadt und warf sie dem Oberbürgermeister immer wieder vor die Füße ("Sie waren sechs Jahre in der Verantwortung und haben das nicht umgesetzt.") Ihre Rolle als Herausforderin hat die CDU-Kandidatin im TV-Duell bestanden.

Feldmann hingegen wirkte in der Diskussion oft beschwichtigend und deeskalierend ("Mit der neuen SPD-Schuldezernentin ist mehr Ruhe reingekommen"). Andererseits verkaufte er seine zurückliegende Amtszeit selbstbewusst, so wie es von ihm erwartet wird. Nur er hat kurz ein positives Frankfurt-Gefühl aufkommen lassen ("coole Stadt").

Unentschieden, meint der Autor. Und Sie?

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OB-Stichwahl am Sonntag

Alle wichtigen Fragen und Antworten zur Stichwahl haben wir hier zusammengefasst. Am Sonntag berichten wir mit Liveticker und aktuellen Ergebnissen von der OB-Stichwahl.

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29 Kommentare

  • Ein Blick in die Hessische Gemeindeordnung hätte den Zuschauer*innen gezeigt, dass Bürgermeister wenig zu sagen haben. Entscheidend sind die Mehrheiten im Magistrat und in der Stadtverordnetenversammlung. Und die übergeordneten Rechte von Land und Bund. Bleibt meist nur der Bürgermeister als Grüßonkel oder Grüßtante im Rathaus.

    Gelingt es hingegen dem Stadtoberhaupt eine stabile politische Mehrheit hinter sich zu versammeln, dann sind seine/ihre Spielräume für politische Gestaltung größer.

    Allerdings ist zu bedenken, dass Landes- und Bundesrecht in viele Entscheidungen einer Kommune eingreifen.

    Mein Fazit: Die Handlungsmöglichkeiten von Bürgermeister wird überschätzt. Aufgrund der schlechten Wahlbeteiligung ist die Legitimation nur gering.

  • Eindeutig Peter Feldmann,Konzeptionell durchdacht und auch die Vermittlung seiner Ideen und deren Umsetzung nach sozialdemokratischen Kriterien zeigen seine Klasse als Politiker,der verdient Oberbürgermeister von Frankfurt am Main zu werden.

  • Auf seinen DOKTORTITEL zu bestehen ist einfach nur peinlich. Wenn Frau DOKTOR sonst nichts zu bieten hat, bitte sehr! Peter Feldmann punktet eindeutig mit Fachkenntnis, Gelassenheit, Sympathie und Präsenz. Da kann sich eine unsympathische Frau DOKTOR aber mal eine Scheibe abschneiden.
    Ich wünsche Peter Feldmann viel Erfolg für Sonntag!

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