Blick auf Marburg vom Schloss aus

In einer von Hessens jüngsten Städten ist die Auswahl für die rund 75.000 Einwohner am Sonntag groß. Von der Studentin über den Kneipenwirt bis zur Rentnerin stehen in Marburg fast alle für die OB-Wahl parat.

Wer antritt

  • Thomas Spies (SPD), Amtsinhaber, 58 Jahre
  • Dirk Bamberger (CDU), Landtagsabgeordneter, 48 Jahre
  • Renate Bastian (Linke), Rentnerin, 76 Jahre
  • Nadine Bernshausen (Grüne), Richterin, 42 Jahre
  • Mariele Diehl (Klimaliste), Studentin, 20 Jahre
  • Jounes Erojo (Marburg24), Kneipenwirt, 43 Jahre
  • Michael Selinka (FDP), Lehrer, 51 Jahre
  • Frank Michler (Weiterdenken Marburg), Softwareentwickler, 44 Jahre
  • Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg), Unternehmerin, 54 Jahre

So stehen die Kandidatinnen und Kandidaten zu zentralen Themen des Wahlkampfs:

Thema Wohnraum

Gerade in einer Studentenstadt wie Marburg sind vor allem kleinere, bezahlbare Wohnungen gefragt, aber wie fast überall sind diese Mangelware. Deshalb wollen sich alle Kandidaten laut Wahlprogramm auch für mehr Wohnraum einsetzen.

Selinka (FDP), Michler (Weiterdenken Marburg) und Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg) sprechen sich klar für einen neuen Stadtteil auf den Lahnbergen aus. CDU-Kandidat Bamberger will, dass diese Option geprüft wird. Er kritisiert, Grüne und SPD würden vor allem in der Innenstadt neuen Wohnraum schaffen und dabei die Außenbezirke vergessen.

Erojo (Marburg24) fordert, dass in allen Stadtteilen gleichberechtigt neue Sozialwohnungen gebaut werden müssten. Auch Bernshausen (Grüne) und Amtsinhaber Spies (SPD) versprechen, sich für neue Wohnungen einzusetzen. Diehl (Klimaliste) fordert, dass dafür keine neuen Flächen zugebaut werden sollen, sondern bereits versiegelte Flächen wie Parkplätze umgewidmet. Bastian (Linke) will verhindern, dass städtische Wohnungen an private Investoren verkauft werden.

Thema Verkehr

Auch hier steht Marburg vor einem typischen Problem junger und wachsender Städte in Hessen. Im Lahntal sind viele Autos, Busse und Fahrräder auf schmalen Straßen unterwegs. Dazu komme noch die Behringwerke mit rund 6.000 Mitarbeitern und Lkw, die täglich durch die Stadt fahren.

Diehl (Klimaliste) will Autos aus der Innenstadt langfristig ganz aussperren, mit nur wenigen Ausnahmen zum Beispiel für Menschen mit Gehbehinderung. Die anderen Kandidaten beschränken sich erstmal darauf, mehr öffentlichen Nahverkehr zu fordern.

Bastian (Linke) und Michler (Weiterdenken Marburg) setzen dafür auf ein Experiment: An Wochenenden soll Busfahren in Marburg probeweise kostenlos werden. Das Stadtparlament hatte sich bereits für diesen Modellversuch ausgesprochen, ob er auch umgesetzt wird, hängt auch vom Rhein-Main-Verkehrsverbund ab. Selinka (FDP) will eine Straßenbahn für Marburg.

Ein Verkehrsprojekt, das mehrere Kandidaten fordern, ist der Bau eines Tunnels durch den Marburger Rücken bei Marbach, um den Verkehr in der Stadt zu entlasten. Klar dafür sprechen sich auf Nachfrage von hessenschau.de die Kandidaten Selinka (FDP) und Erojo (Marburg24) aus. Zumindest prüfen wollen Bamberger (CDU) und Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg) diese Option.

Amtsinhaber Spies (SPD) weist darauf hin, dass die Stadtplanung gerade dabei sei, ein vollumfängliches und zukunftsträchtiges Verkehrskonzept zu entwickeln. Details dazu gibt es bislang nicht.

Thema Videoüberwachung

Nachdem mehrere Frauen im sogenannten Jägertunnel in der Stadt sexuell belästig wurden, hat sich die Verwaltung für ein Modellprojekt entschieden: Videoüberwachung per Knopfdruck. Ist jemand in Gefahr, kann sie oder er einen der Knöpfe an der Wand in dem Fußgängertunnel drücken, die dort im Abstand von wenigen Metern angebracht sind. Mit dem Knopfdruck startet eine Videoübertragung aus dem Tunnel direkt zur Feuerwehrleitstelle. Die dortigen Einsatzkräfte können dann die Polizei alarmieren.

Fast alle Kandidaten stellen sich klar hinter das Projekt. Bastian (Linke), Diehl (Klimaliste), Selinka (FDP), Michler (Weiterdenken Marburg) und Bernshausen (Grüne) betonen aber, dass sie mehr Videoüberwachung aus Datenschutzgründen grundsätzlich eher kritisch sähen. CDU-Kandidat Bamberger will dagegen mehr Videoüberwachung, wo es hilfreich sein könnte. Auch Amtsinhaber Spies (SPD) steht hinter dem Konzept der Videoüberwachung per Knopfdruck und will prüfen, wo es noch eingesetzt werden könnte.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 05.03.2021, 19.30 Uhr