Vier Portraits der Kandidaten der Landratswahl vor farbigen Hintergünden.

Am Sonntag wird im Landkreis Darmstadt-Dieburg der Landrat gewählt. Ins Rennen gehen vier Kandidaten. Wer tritt an? Wofür stehen die Kandidaten? Was sind die Topthemen? Und welche Besonderheiten bringt diese Wahl mit sich? Ein Überblick.

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Der Landkreis Darmstadt-Dieburg ist vielseitig. Spargel- und Erdbeerbauern finden hier genauso gute Arbeitsbedingungen vor wie Unternehmerinnen und Unternehmer aus Handwerk und Hightech-Industrie. Auch Natur- und Kulturfreunde kommen auf ihre Kosten, ob bei einem Besuch der Fossilien-Fundstätte Grube Messel (UNESCO-Welterbe), der Veste Otzberg. Oder beim ausgedehnten Spaziergang durch Wälder und Weinberge.

Die Wahlberechtigten im Kreis dürfen am Sonntag per Direktwahl darüber abstimmen, wer für die kommenden sechs Jahre als Landrat Repräsentant der Region wird. Zur Auswahl stehen vier Kandidaten.

Klaus Peter Schellhaas (SPD)

Ausgeschnittenes Portrait von Klaus Peter Schellhaas (SPD) auf einer rosafarbenen Fläche.

Schellhaas ist amtierender Landrat, und das bereits seit 2009. Offiziell endet die Amtszeit des Dieburgers Ende September 2021. Er hofft auf Verlängerung. Der 60-Jährige punktet mit politischer Erfahrung. Vor seiner Tätigkeit als Landrat war Schellhaas sechs Jahre lang Bürgermeister von Modautal, außerdem zwei Jahre Kreisbeigeordneter.

Sein Steckenpferd: die medizinische Versorgung. Als Landrat hat er dafür gesorgt, dass fünf medizinische Versorgungszentren entstanden sind, unter anderem in Seeheim-Jugenheim und Groß-Umstadt. Diese sichern die ärztliche Versorgung auch im ländlichen Raum.

Robert Ahrnt (Grüne)

Ausgeschnittenes Portrait von Robert Ahrnt (Grüne) auf einer grünen Fläche.

Ahrnt ist derzeit stellvertretender Landrat. Er gilt als aussichtsreichster Herausforderer von Schellhaas. Auch der 57-Jährige ist alles andere als ein Neuling in Sachen Kommunalpolitik, war beispielsweise Gemeindevertreter in Roßdorf oder Kreissprecher seiner Partei. Als stellvertretender Landrat steht Ahrnt kurz vor der Abwahl. Hintergrund ist die neue Koalitionsbildung von SPD und CDU als Ergebnis der Kommunalwahl im März 2021.

Der gelernte Architekt und Stadtplaner aus Kranichstein hat sich Klimaschutz und bessere Bedingungen an Schulen auf die Fahne geschrieben.

Tom Volkert (Die Linke)

Ausgeschnittenes Portrait von Tom Volkert (Linke) auf einer pinkfarbenen Fläche.

Volkert ist Unternehmensberater in der IT-Branche und lebt mit seiner Familie in Münster. Erst vor wenigen Monaten ist er der Linkspartei beigetreten. Politische Erfahrung hat er daher wenig. Um so größer ist sein soziales Engagement. Der 55-Jährige ist seit jungen Jahren ehrenamtlich aktiv, etwa bei der Feuerwehr, der Polizei oder als Schöffe am Jugendgericht Dieburg.

Sein Hauptinteresse gilt einer bürgernahen Verwaltung. Er will, dass sich Menschen bei Problemen schnell und unkompliziert Hilfe holen können. Beispielsweise bei der Suche nach einem Kindergartenplatz. Außerdem setzt er sich für eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs ein.

Luke Laumann (Die Partei)

Ausgeschnittenes Portrait von Luke Laumann (DIE Partei) auf einer grauen Fläche.

Laumann studiert im zweiten Semester Politikwissenschaften an der TU Darmstadt. Der gelernte Sozialassistent lebt bei seinen Eltern in Messel. Auch er bringt kaum politische Erfahrung mit. Der 20-Jährige ist der erste Landratskandidat, den seine Partei im Kreis Darmstadt-Dieburg jemals gestellt hat. Wohlgemerkt ohne Wahlprogramm, was nicht untypisch ist für die satirische Partei rund um Gründer Martin Sonneborn.

Trotz fehlender Inhalte ist Laumann überzeugt, durch sein Alter die jungen Leute im Kreis anzusprechen. Und das ist sein Ziel.

Das beschäftigt die Menschen in der Region

  • Verkehr: Durch die Nähe zum Frankfurter Flughafen, zur A5 und zur A67 ist das Thema Verkehr ein Dauerbrenner in der Region. Es staut sich gerne in Darmstadt-Dieburg. Trotz mehrerer Verkehrsgipfel und auch einem Verkehrsentwicklungskonzept des Kreises im Jahr 2011: Die geplante Nord-Ost-Umgehung von Darmstadt kam bis heute nicht zustande. Stattdessen ist eine Straßenbahnverbindung zwischen Darmstadt und Groß-Zimmern geplant, eine nach Weiterstadt wird derzeit geprüft. Außerdem soll die Odenwaldbahn ausgebaut werden. Kleinbusse auf Abruf sollen zukünftig den Nahverkehr unterstützen.
  • Medizinische Versorgung: Der Hausärztemangel besonders in ländlichen Gebieten beschäftigt auch den Kreis Darmstadt-Dieburg seit Jahren. Die fünf medizinischen Versorgungszentren, die der Kreis mittlerweile betreibt, kommen da gut an. Außerdem gibt es in der Region noch eigenständige Kliniken. Auch das ist fast schon ein Alleinstellungsmerkmal des Landkreises.
  • Investitionen: Kliniken, öffentlicher Nahverkehr, aber auch in den Bereichen Bildung und Digitalisierung - der Kreis nimmt Geld in die Hand, und das trotz der Coronakrise. Im Dezember vergangenen Jahres wurde mit den Stimmen der Ampelkoalition der Haushalt 2021 beschlossen: ein Etat von knapp 560 Millionen Euro. Die Opposition hatte den Haushaltsplan fast geschlossen abgelehnt, die AfD enthielt sich. Das Argument: Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie seien noch längst nicht absehbar. Besonders der neue Koalitionspartner, die CDU, hatte immer wieder zum Sparen aufgerufen.

Besonderheiten der diesjährigen Landratswahl

  • Umstrittener Wahltermin: Dass am Sonntag tatsächlich gewählt wird, darüber wurde im Vorfeld ordentlich gestritten. Amtsinhaber Schellhaas wollte den Termin der diesjährigen Wahl eigentlich mit der Kommunal- und Kreiswahl im März 2021 zusammenlegen. Das spare Kosten, die Menschen müssten in Zeiten von Corona nicht zwei Mal in die Wahllokale, es mangele an Wahlhelfenden. Doch sowohl Opposition als auch Koalitionspartner überstimmten Schellhaas: Eine Trennung der Wahlen sei wichtig für den demokratischen Prozess.
  • Ein Wahlkampf unter Pandemiebedingungen: Das Coronavirus machte es den Landratskandidaten nicht leicht, mit den Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt zu treten. Sprechstunden fanden nicht statt. Der Wahlkampf lief hauptsächlich über das Internet.
  • CDU zieht Kandidaten zurück: Zunächst stellten die Christdemokraten mit Lutz Köhler einen Kandidaten auf, dieser zog dann aber doch zurück. Als Grund nannte die Fraktion die Koalition mit der SPD. Inhaltlich sei man sich nah, man hoffe auf eine gute Zusammmenarbeit, heißt es aus den Reihen der CDU.

Stichwahl nicht ausgeschlossen

Sollte keiner der vier Kandidaten am Sonntag mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten, gibt es eine Stichwahl. Diese würde zwei Wochen später, am 13. Juni, stattfinden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 28.05.2021, 19:30 Uhr