Landratswahl Waldeck-Frankenberg

Am Tag der Bundestagswahl dürfen die Menschen im Kreis Waldeck-Frankenberg auch darüber entscheiden, wer künftig an der Spitze der Kreisverwaltung steht. Der Bad Arolser Bürgermeister Jürgen van der Horst fordert Amtsinhaber Reinhard Kubat heraus, der nach dem Wilke-Skandal in die Kritik geraten war.

Der 63-jährige Vöhler Reinhard Kubat strebt eine dritte Amtszeit als Landrat in Waldeck-Frankenberg an: Im Gespräch mit dem hr betonte der Sozialdemokrat, er wolle nochmal, fühle sich fit, sei kreativ und habe immer neue Ideen. "Ich bin Landrat aus Leidenschaft", sagte Kubat.

"Der ideale Landrat" – mit diesem Slogan wirbt Herausforderer Jürgen van der Horst für sich, der in dritter Amtszeit die Geschicke der Stadtverwaltung der Barockstadt Bad Arolsen lenkt. Ihn erfülle seine jetzige Aufgabe als Bürgermeister. Zur Landratswahl, die am 26. September stattfindet, sei er angetreten, weil er "im Wesentlichen Herausforderungen mag", sagte der 54-Jährige. Seine Kandidatur wird von den Grünen, den Freien Wählern und der FDP im Kreis getragen.

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Amtsinhaber Kubat

Kubat hat das Amt des Landrats seit 2009 inne. Zuletzt konnte er sich 2015 gegen den damaligen Bürgermeister von Bromskirchen, Karl-Friedrich Frese, mit 60,6 Prozent der Stimmen durchsetzen. Frese ist aktuell stellvertretender Landrat.

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Im Kreistag hat eine Koalition von CDU und SPD die Mehrheit, die Christdemokraten stellen seit der Kommunalwahl im Frühjahr die meisten Abgeordneten. Einen eigenen Kandidaten schicken sie aber nicht ins Rennen – wohl auch wegen des bis 2025 geltenden Koalitionsvertrags mit der SPD.

Beide Kandidaten für Erhalt des Krankenhauses in Frankenberg

Bei den inhaltlichen Schwerpunkten setzen SPD-Mann Kubat und der parteilose van der Horst ähnliche Akzente: Als Themen nennen sie unter anderem Klima- und Naturschutz, Weiterentwicklung der Schulen, Zusammenarbeit mit den 22 Städten und Gemeinden, Wertschätzung und Förderung des Ehrenamts, Mobilität oder das Gesundheitswesen.

Das Kreiskrankenhaus in Frankenberg zu erhalten, "ist eine Pflichtaufgabe", meinte van der Horst. Kubat pflichtet bei und mahnt zugleich, auch die Kliniken in Korbach, Bad Arolsen und Bad Wildungen "im Blick zu behalten." Corona habe deutlich gemacht, welch segensreiche Arbeit in den Krankenhäusern geleistet werde, sagt der amtierende Landrat. Der Landkreis hat die Defizite der kreiseigenen Klinik in Frankenberg in den vergangenen Jahren immer wieder mit Millionenbeträgen ausgeglichen.

Kritik am Kreis nach Wilke-Skandal

Der Landkreis mit Hessens einzigem Nationalpark Kellerwald-Edersee hat in den vergangenen Jahren allerdings auch immer wieder Negativschlagzeilen gemacht: Nach einem Lebensmittelskandal, der mit drei Todesfällen in Verbindung gebracht wird, ist im Oktober 2019 die Twistetaler Wurstfabrik Wilke von den Behörden geschlossen worden, wenig später folgte die Insolvenz.

Der Landkreis und seine Lebensmittelkontrolle, aber auch Landrat Kubat persönlich waren massiv in die Kritik geraten. Der Verwaltungschef habe seine eigene Behörde nicht im Griff, Gesundheitsamt und Lebensmittelüberwachung seien unterbesetzt, lautete die Kritik unter anderem. Die juristische Aufarbeitung des Falls steht noch aus.

Im Februar 2020 dann kam es zu einer Amokfahrt beim Rosenmontagsumzug in Volkmarsen, ein im Ort lebender Mann raste mit seinem Auto in die Menge und verletzte weit mehr als 100 Menschen zum Teil schwer. Dem mutmaßlichen Täter wird derzeit der Prozess vor dem Kasseler Landgericht gemacht.

Die Negativschlagezeilen, insbesondere der Wilke-Skandal, scheinen allerdings in diesem Wahlkampf keine größere Rolle zu spielen.

Wahlkampf auf Festen und Fahrradtouren

Beide Kandidaten setzen trotz der Corona-Pandemie auf persönliche Begegnungen in dem Landkreis, in dem rund 156.000 Menschen leben. Wahlberechtigt sind davon rund 125.000 Menschen. Amtsinhaber Kubat nutzt unter anderem die vielen Termine, die er in seiner Funktion als Landrat ohnehin besucht: Hier die Eröffnung einer Grundschule, dort die Verleihung von Ehrenbriefen, Übergabe von Förderbescheiden oder die Besichtigung großer Bauprojekte.

Darüber hinaus besucht er eigenen Angaben zufolge Feste und Feiern, auch unangemeldet als Überraschungsgast. "Ein Landrat ist ja nicht nur jemand, der verwaltet, ein Landrat ist auch für die Menschen da und hört ihnen zu", betonte Kubat.

Herausforderer van der Horst tritt bei der "Waldeck-Frankenberger Landrad/t-Tour" in die Pedale: Auf dem Fahrrad erkundet er den gesamten Kreis abseits der Straßen, lädt zum Mitfahren ein und kommt unterwegs mit Interessierten ins Gespräch. Das Kreisgebiet sei ihm sehr vertraut, betonte der gebürtige Korbacher – als Fußballer und Sportschütze sei er zwischen Hatzfeld im Süden und Rhoden im Norden überall gewesen und kenne dort die Menschen. Wie der Amtsinhaber hält es auch der parteilose Kontrahent: Ein Landrat müsse überall präsent sein und ein offenes Ohr haben.

Van der Horst lobt fairen Wahlkampf

Die nächste Amtszeit des kommenden Landrates beginnt im Januar 2022. Sollte er verlieren, "würde für mich die Welt nicht untergehen", sagte Amtsinhaber Kubat. Er werde aber sicherlich eine Weile brauchen, um das zu verdauen. Falls der Amtsinhaber bestätigt werde, so der Mitbewerber van der Horst, werde er dem Gewinner gratulieren und ihm für einen fairen Wahlkampf danken. Ob Sieg oder Niederlage: "Am Tag nach der Wahl werde ich den Bad Arolser Magistrat mit dem Haushalt 2022 quälen."

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