Nancy Faeser SPD
SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Wer nun? Nachdem SPD-Landeschef Schäfer-Gümbel seinen Rückzug angekündigt hat, muss ein Nachfolger her. Sehr gut möglich, dass es eine Nachfolgerin wird.

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Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) kurz nach der Verkündung seines Rücktritts.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Das sagt die SPD-Basis zum Rückzug von TSG - und zu seiner Nachfolge

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Peter Feldmann (Frankfurt), Felix Schwenke (Offenbach), Thomas Spies (Marburg): Ginge es nach den Frankfurter Jusos, würde einer dieser sozialdemokratischen Oberbürgermeister Nachfolger von SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel. "Wahlgewinner statt Parteifunktionäre" lautet das Motto des SPD-Parteinachwuchses nach 20 Jahren Opposition in Hessen.

Der Parteijugend zum Trotz wird aber ein ganz anderer Name heiß gehandelt. Favoritin für die im Herbst frei werdenden Posten in der Führung von Landespartei und Landtagsfraktion ist Nancy Faeser. Fragen und Antworten zu einer Frau, die in knapp fünf Jahren auch für den Ministerpräsidenten-Posten kandidieren könnte.

Wer ist Nancy Faeser?

Aufgewachsen ist sie in Schwalbach am Taunus. Dort lebt die 48-Jährige mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn. Ihr Vater Horst, lange Bürgermeister des Städtchens, war ebenfalls Sozialdemokrat. Seit 16 Jahren ist sie im Landtag, seit zehn Jahren Vize-Vorsitzende und innenpolitische Sprecherin der Fraktion. Dem Landesvorstand gehört sie seit 2013 an, ein Jahr später wurde sie Generalsekretärin der Hessen-SPD.

In Schäfer-Gümbels Schattenkabinett war sie als Innenministerin vorgesehen. Die Politikerin hat Jura studiert und als Rechtsanwältin gearbeitet. In einer Nebentätigkeit wird sie als Expertin für öffentliches Wirtschaftsrecht bei Görg Rechtsanwälte in Frankfurt geführt, einer der großen deutschen Wirtschaftskanzleien. Beim Fußball schlägt ihr Herz für Eintracht Frankfurt, wie sie auch auf Twitter regelmäßig klar macht.

Was für ein Krimi!!! Tolle Leistung der SGE! Herzlichen Glückwunsch zum Einzug ins Viertelfinale. Nur die SGE! #InterEintracht #SGE

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Was spricht für sie?

Vor allem ihr Standing und ihre Beliebtheit in Fraktion und Partei. An der Seite Schäfer-Gümbels hat Nancy Faeser maßgeblich mitgeholfen, die SPD wieder zusammenzubauen. Die hatte sich 2008 bei einer gescheiterten Regierungsbildung mit den Grünen unter Duldung der Linken selbst in Flügelkämpfen zerlegt. Vom Makel der drei verlorenen Landtagswahlen blieb an Faeser nichts hängen, ihr Image als moderne, zielstrebige Politikerin hat nicht gelitten.

Stattdessen profilierte sie sich - meist als Gegenspielerin von Innenminister Peter Beuth (CDU) - bei Themen wie Polizei oder NSU-Affäre. Sie gilt als Schäfer-Gümbels Favoritin. Der will und dürfte bei der Nachfolgeregelung noch mitreden. Und er befürwortet, dass seine Spitzenämter nach ihm in einer Hand bleiben.

Als Fraktionsvize und Generalsekretärin war jahrelang niemand so nah dran an den frei werdenden Ämtern wie Faeser. Und nicht zuletzt: An Spitzenpersonal herrscht in der Hessen-SPD kein Überfluss.

Will sie das?

Dazu hat Faeser bislang wohlweislich öffentlich nichts gesagt. So vermied sie nach der Landtagswahl-Schlappe im Oktober den Eindruck der Illoyalität gegenüber dem Noch-Amtsinhaber. Das Schweigen deutet jedenfalls nicht auf Desinteresse hin. Vielleicht eher darauf, dass sie abwartet und gefragt werden will.

Kann sie das?

Fraktionsführung gewiss, die nötige Erfahrung hat sie. Als Generalsekretärin kennt sie auch die Landespartei ausgezeichnet. Die Partei auch zu führen, das könnte schwieriger werden. Anders als Schäfer-Gümbel wird sie in harten Zeiten nicht vom Bonus des aufopferungsvollen Parteisanierers zehren können.

Faeser wird im Unterschied zum amtierenden Vorsitzenden dem eher rechten, traditionalistischen SPD-Flügel zugerechnet. Solche Unterschiede spielen derzeit kaum eine Rolle, was sich ändern kann. Mit ihrer meist fröhlichen, offenen Art wirkt die 48-Jährige aber verbindend. Ihren Bekanntheitsgrad unter den Wählern müsste sie freilich steigern, wenn sie vom neuen Posten aus mit der Wahl 2023 erste Ministerpräsidentin Hessen werden wollte.

Was kann dazwischen kommen?

Eine Urwahl aller Mitglieder vielleicht, wie die Frankfurter Jusos es vorschlagen? Danach sieht es nicht aus. Außerdem könnte Faeser eine Mitgliederabstimmung ja auch gewinnen. Die Anwältin wird seit Wochen allerdings auch für eine andere Nachfolge gehandelt: für die von Bundesjustizministerin Katarina Barley, die als Spitzenkandidatin der SPD bei der Europawahl Ende Mai antritt.

Das wäre ein Karrieresprung. Aber es kommen auch andere in Frage. Und der Schritt wäre nicht ohne Risiko: Wenn die Große Koalition nicht hält, wäre Faeser den Berliner Posten los - und ohne Mandat.

Wer kann dazwischen kommen?

Ein weiterer Herausforderer könnte zwar jederzeit auftauchen. In Sicht ist bislang aber niemand. Immerhin: Der Bundestagsabgeordnete Michael Roth aus Heringen (Hersfeld-Rotenburg) wird von Kollegen der Nordhessen-SPD ins Spiel gebracht. Er ist Staatsminister im Auswärtigen Amt und scheint sich auf internationaler und nationaler Bühne wohl zu fühlen.

Ohne Landtagssitz kommt er einzig für den Partei-Chefposten in Frage, nicht als Fraktionsvorsitzender. Ein K.o.-Kriterium, falls die Hessen-SPD beide Ämter wie bisher mit einem einzigen Mann besetzen will. Oder eben, worauf vieles hindeutet, mit einer einzigen Frau.