Die Impfungen laufen langsam an, ab sofort dürfen sogar statt fünf sechs Dosen aus einer Ampulle verimpft werden. Das verschafft zumindest etwas Abhilfe beim größten Problem: dem mangelnden Impfstoff.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mehr Impfstoff: Sechs statt fünf Impfdosen pro Flasche

Eine Spritze mit Corona-Impfstoff wird aufgezogen
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Fast der Hälfte der Städte und Kreise in Hessen ist in dieser Woche der Impfstoff ausgegangen, 44.000 Menschen wurden bis Mittwoch landesweit geimpft. Um die Impfungen zumindest etwas zu beschleunigen, dürfen nach hr-Informationen seit Donnerstag sechs statt nur fünf Dosen aus der vom Hersteller Biontech gelieferten Durchstechflasche verimpft werden. Die Fläschchen enthielten durch Überfüllung mehr Impfstoff als vorgesehen.

Bund und Länder gehen davon aus, dass die Zahl der zur Verfügung stehenden Impfdosen so um 20 Prozent gesteigert werden könne, heißt es in einem Papier, das dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.

30.000 Impfungen pro Tag - theoretisch

Trotzdem liegt Hessen weiter hinter den eigenen Kapazitäten zurück: Laut Innenministerium wären 30.000 Impfungen pro Tag möglich, seit dem Impfstart Ende Dezember waren es im Schnitt pro Tag allerdings nur 4.000 Geimpfte. Am Freitag werden weitere 49.000 Impfdosen zur Verfügung stehen, die gleiche Menge zehn Tage später. Der zweite mittlerweile zugelassene Impfstoff von Moderna wird erst in den nächsten Wochen kommen.

Am Freitag sollen laut Ministerium voraussichtlich auch Info-Briefe an Ab-80-Jährige verschickt werden, die sich ab dem 12. Januar einen Termin in einem der zunächst sechs regionalen Impfzentren geben lassen können. Wer es nicht in eines der sechs Impfzentren in den größeren Städten schafft, kann um ein mobiles Team bitten, dass nach Hause kommt.

Die Betroffenen müssten allerdings geduldig sein, heißt es vom Ministerium, die mobilen Impfteams seien ausgelastet. Landkreise und Städte müssen dafür sorgen, dass mindestens drei mobile Teams in jedem der 28 Impfzentren bereit stehen. Bisher gebe es keine Engpässe, teilte das Innenministerium mit.

Grafik Impfstrategie Hessen

Kritik aus der Opposition

Andere Strategien, um schneller zu impfen kommen derzeit kaum in Frage: Die Hälfte der verfügbaren Dosen wird aktuell eingelagert, um für jede geimpfte Person die notwendige zweite Dosis zu ermöglichen. Das Innenministerium teilte dem hr mit, dass dieses bundeseinheitliche Verfahren auch beibehalten werde.

Eine andere Option, nämlich sämtlichen verfügbaren Impfstoff zu verimpfen und die zweite Impfung mit späteren Lieferungen zu geben, sei nicht möglich - weil es "keine belastbare Zusicherung seitens des Bundes" gebe, dass dieser tatsächlich dann auch eintreffe.

Der Opposition im Landtag geht das alles zu langsam: Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP, Yanki Pürsün, sagte am Mittwoch, die Landesregierung müsse "Auskunft darüber geben, ob sie sich bei der Bundesregierung oder der EU-Kommission für umfangreichere Bestellungen eingesetzt hat" - und ob und wann sie wusste, dass zu Beginn nicht ausreichend Dosen zur Verfügung stünden. Die FDP hat für diese Fragen eine Sondersitzung des Sozialausschusses des Landtags beantragt.

Hoffnungen liegen auf Marburg

Die hessische SPD-Chefin Nancy Faeser kritisierte den zuständigen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), es sei "unverständlich, dass sich Deutschland und die EU bei der Bestellung und Reservierung der Impfstoffe im internationalen Vergleich so auffällig zurückgehalten haben", anders als etwa die USA oder Israel. Spahn müsse erklären, wie er sein Versprechen einhalten wolle, bis Juni allen Deutschen ein Impfangebot machen zu können.

Nachschub könnte demnächst auch direkt aus Hessen kommen, hoffen Bund und Länder: Der Biontech-Produktionsstandort Marburg soll noch im Februar in Betrieb gehen. Dazu muss das ehemalige Novartis-Gelände umgerüstet werden, die offizielle Zulassung zum Umbau wurde Mitte Dezember vom Regierungspräsidium Gießen erteilt. Der Umbau läuft.

Sendung: hr-iNFO, 07.01.2021, 18.00 Uhr