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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurts OB Feldmann stoppt Leserreisen zu Weingütern

Weinliebhaber Peter Feldmann - hier mit der Frankfurter Weinkönigin Marilen I.(M) und der Rheingauer Weinkönigin Stephanie Kopietz im Jahr 2017

Frankfurts OB Feldmann hat sich zuletzt öfter mal als Reiseleiter für Wein-Touren ins Umland betätigt. Kritikern war das zuviel Eigenwerbung auf Kosten der Stadt.

Peter Feldmann, der Weinliebhaber - diese Facette des Frankfurter Oberbürgermeisters haben in den letzten zwei Jahren hunderte Zeitungsleser hautnah erleben dürfen. Denn der sozialdemokratische OB hat die Leser aller großen Frankfurter Blätter zu "exklusiven Leserreisen zu Orten von Demokratie und Wein" mit ins Frankfurter Umland genommen.

Rund ein Dutzend Reisen waren es bisher - mal in den Rheingau, mal in die Wetterau, mal an die Bergstraße. Doch jetzt hat sich der Rathaus-Chef Abstinenz verordnet, zumindest bis zur Kommunalwahl im März kommenden Jahres. So hat es Feldmann in dieser Woche im Stadtparlament verkündet. Dort war nämlich Kritik an den Ausflügen aufgekommen.

CDU: Wahlwerbung-Kaffeefahrten auf Kosten der Steuerzahler?

Die "Bürger für Frankfurt" argwöhnten, es gehe dem OB vor allem darum, sich selbst zu inszenieren, als lebensfroher Cicerone, und das auch noch auf Kosten der Stadt. Denn die Leserreisen wurden mitnichten von den Zeitungsverlagen, sondern von der Stadt Frankfurt bezahlt. Kostenpunkt laut OB: Zwischen 1.700 und 2.500 Euro pro Weintour.

Die CDU-Fraktion twitterte da empört: "What? … Wahlwerbung-Kaffeefahrten auf Kosten der Steuerzahler?"

Und klar, gibt es viele Anmeldungen – wer würde sich nicht über einen Gratisurlaub freuen???

[zum Tweet]

Doch es wurde wohl weniger Kaffee verkostet – ein Bildreporter betitelte seinen Bericht über eine Leserreise 2018 nach Heppenheim mit "Feldmanns Weinsause". Höhepunkt war demnach, dass der OB von Bergsträßer Winzern einen edlen Tropfen von 1958 geschenkt bekam, seinem Geburtsjahr.

Feldmann spricht von "Demokratiereisen"

Auch andere Reporter waren nach den Fahrten voll, voll der Begeisterung über Feldmann: "Wäre er nicht Frankfurter Oberbürgermeister, er gäbe einen ziemlich guten Reiseführer ab", stand jüngst in der FAZ zu lesen. Denn der OB wusste den Lesern des Blattes allerlei Interessantes über die Jahrhunderte langen Handelsbeziehungen zwischen Frankfurt und Bergstraße zu berichten. Wichtigstes Handelsgut: Wein natürlich.

Der OB verteidigt seine Reisen im Stadtparlament indes als "Demokratiereisen". Hauptthema sei immer die Zusammenarbeit zwischen Frankfurt und den Umlandgemeinden. So habe man sich neulich an der Bergstraße genau so über Probleme im Nahverkehr unterhalten wie über den historischen Weg der Demokratiebewegung. Solchen Assoziationsketten ließ sich offenbar besonders gut bei einem Glas Wein folgen.

Nur noch zwei Reisen sollen stattfinden

Im Übrigen könne von Werbung keine Rede sein, so der OB. Denn die Zeitungen hätten für die Berichterstattung keinerlei Vorgaben bekommen. Dennoch sollen vor der Kommunalwahl nur noch zwei Wein- respektive Demokratiereisen mit dem Stadtoberhaupt stattfinden, die schon fest geplant waren.

Eine davon startet schon kommende Woche, dann sogar zu Wasser. Diesmal ist es keine Leserreise, sondern eine kostenpflichtige Veranstaltung. Für 199 Euro können die Teilnehmer mit Feldmann gen Rheingau schippern, Übernachtung in Assmannshausen inklusive. Und der OB wird sie zu historischen Stätten und Weingütern führen. Alles im Dienste der Demokratie, versteht sich.

Sendung: hr4, 16.30 Uhr, 02.10.2020