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Übernächste Woche kehren die ersten Schüler zurück aus dem Corona-Lockdown in die hessischen Schulen - Viertklässler und ältere Schüler zuerst. Alle anderen Jahrgänge müssten mindestens noch bis Mitte Mai warten, stellte Kultusminister Lorz klar.

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Am 27. April beginnt der Unterricht in Hessen zuerst mit den Abschlussklassen der Haupt-, Real- und Berufsschulen sowie der vierten Klassen der Grundschulen. Außerdem kommen an den Gymnasien die Q2-Schüler zurück in die Schulen. Alle anderen Altersstufen müssen sich noch länger gedulden.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte dem hr am Freitag, im Idealfall könnten schrittweise weitere Jahrgänge in die Schulen zurückkommen: "Das wird alles davon abhängen, wie sich die Infektionslage entwickelt."

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Deshalb müsse man die Lage nach dem Schulstart am 27. April zwei Wochen lang beobachten, "um zu evaluieren, ob das Risiko wieder steigt oder es vertretbar ist, den nächsten Schritt zu gehen", sagte Lorz. Heißt im Umkehrschluss: Frühestens ab dem 11. Mai könnte es eine Ausweitung geben.

Kein Eindampfen der Sommerferien

Ziel des Kultusministers ist es, dass zuerst die höheren Jahrgänge, später dann die unteren Klassenstufen wieder in der Schule unterrichtet werden. Denn: "Je älter die Schülerinnen und Schüler sind, umso eher kann man die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln erwarten", sagte Lorz.

Der bundesweiten Regelung, dass Viertklässler zu den ersten Schul-Rückkehrern zählen, habe sich Hessen trotz Bedenken angeschlossen, verriet Lorz. Weniger große Kompromissbereitschaft zeigt der Minister indes für die Anregung von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), die Sommerferien zu verkürzen, um verpassten Unterricht nachzuholen. "Die Leute brauchen Ferien", sagte Lorz. Stand jetzt plane er "mit dem regulären Beginn der Sommerferien".

Klassenfahrten, Wanderungen oder Schüleraustausche sind derweil bis zu den Herbstferien tabu.

Maximal 15 Schüler pro Lerngruppe

Um das Infektionsrisiko zu senken, sollen künftig maximal 15 Schüler zusammen unterrichtet werden. Dafür sollen Klassen geteilt werden. "Das heißt, dass die vertraute Lehrkraft auch nur eine der beiden Lerngruppen unterrichten kann. Da müssen sich alle Beteiligten an Umstellungen gewöhnen", erklärte Lorz. "Ich würde sagen, es ist immer noch besser als gar kein Unterricht." Ein Normalbetrieb in den Schulen wird laut Lorz für längere Zeit nicht möglich sein.

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Kultusminister Alexander Lorz
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Lehrer und Schüler aus Risikogruppen sollen nach Aussage des Ministers nicht verpflichtet werden, zum Unterricht in die Schule zu kommen. Gefährdete Lehrer sollten sich weiter um den Heimunterricht kümmern.

Hygienestandards sollen eingehalten werden

Bedenken an einer Umsetzung der strengen Hygienemaßnahmen trat Lorz entgegen. Defekte Toiletten und fehlende Seife seien "nicht die Standard-Situation an den hessischen Schulen", betonte er. "Wir wissen, es gibt Fälle, wo wir Sanierungsbedarf haben, aber es gibt auch sehr gut ausgestattete Schulen."

Man werde "in Zusammenarbeit zwischen unseren staatlichen Schulämtern und den kommunalen Gesundheitsbehörden vor Ort dafür sorgen, dass eine entsprechende Ausstattung vorhanden ist", versprach Lorz.

Zuvor hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) eine Ausstattung von Klassenräumen mit Waschbecken, warmem Wasser, Seife und Desinfektionsmittel gefordert. Es brauche jetzt einen konkreten Plan, um den Gesundheitsschutz an den Schulen zu gewährleisten, sagte die GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch am Freitag. Sonst dürfe es keine Lockerungen geben.

SPD für Abschlüsse ohne Prüfungen

Die hessische FDP kritisierte, die Pläne der Landesregierung kämen zu spät. Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Moritz Promny, sagte: "Die Schulen hätten früher wieder öffnen können, wenn sich die Kultusministerien der Länder schon in den vergangenen Wochen abgestimmt hätten". Es fehle ein klares Konzept mit Richtlinien für kommunale Schulträger und Schulleitungen.

Die Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Nancy Faeser, sprach sich dafür aus, Haupt- und Realschulabschlüsse in diesem Jahr ohne Prüfung zu vergeben. Das sei jahrzehntelang üblich gewesen. "Ich denke, dass man in dieser Krisensituation ausnahmsweise dahin zurückkehren kann, ohne den betroffenen Schülerinnen und Schülern einen Makel anzuheften", sagte Faeser.

Die Landesregierung hatte angekündigt, dass die Haupt- und Realschulprüfungen in diesem Jahr um zwei Wochen auf Ende Mai verschoben werden.

Schüler sollen in der Regel versetzt werden

Die Landesschülervertretung Hessen pocht darauf, dass niemandem ein Nachteil aus der Situation entstehen dürfe. Deshalb sei es gut, dass ein "Sitzenbleiben" in diesem Jahr nur auf freiwilliger Basis passiere.

Das Kultusministerium bestätigte auf Anfrage, dass Schüler in diesem Schuljahr in der Regel ins nächste Schuljahr versetzt werden sollen. Bei versetzungsgefährdeten Schülern sollen die Schulen die Eltern beraten, ob eine freiwillige Wiederholung des Schuljahres sinnvoll ist.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 16.04.2020, 19.30 Uhr