Zuschauer auf einer Tribüne im Stadion. Mittendrin eine Fahne mit dem Logo von Eintracht Frankfurt.

Wie viele Fans dürfen das Eintracht-Testspiel am Samstag sehen? Das Hickhack zwischen Sozialministerium und Frankfurter Gesundheitsdezernat zog sich über mehrere Tage. Das eigentliche Problem sind die viel zu niedrig angesetzten Inzidenz-Grenzwerte.

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Audioseite 10.000 Fans beim Eintracht-Testspiel gegen St. Etienne

Frankfurter Fans vor dem Spiel der Eintracht.
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Ein grüner Sozialminister und ein grüner Gesundheitsdezernent – Kai Klose und Stefan Majer – und dann sind sie sich doch nicht grün, wenn es um die Auslegung von Corona-Regeln geht? Da sah die Frankfurter Eintracht rot. Der Streit darüber, was an Regeln verbindlich ist und was nur mit einem "empfehlenden Charakter" des Landes versehen werden kann, ist nur scheinbar zwischen dem Land und der Stadt Frankfurt ausgebrochen und dann - immerhin! - elegant und unauffällig wieder beigelegt worden. Das ist gut so.

Rechtliche Fallstricke

Denn niemand versteht, warum eine wackelige Inzidenzgrenze, die  längst nach oben korrigiert gehört, so massive Auswirkungen haben kann. Dass es so weit gekommen ist, hat aber weniger mit der Stadt und der Eintracht zu tun, sondern mehr mit der schwarz-grünen Landesregierung. Hier hat man die Corona-Verordnungen einen Tick zu weit ausgelegt und dann lange über den Fall diskutiert - im guten Glauben, aber eben auch mit rechtlichen Fallstricken, über die am Ende alle Seiten fast gestolpert wären.

Nun darf die Eintracht ihr Testspiel gegen St. Etienne doch vor großem Publikum spielen. Das Hickhack um die Zuschauerzahlen ist beigelegt. Ende gut  - alles gut?Diesmal ja, aber beim nächsten Mal? Die Unsicherheit bleibt - und die Frage nach der Verantwortung.

Mehr Planungssicherheit erforderlich

Mehr denn je sind die Maßstäbe umstritten, nach denen entschieden wird. Und die Zweifel an den Maßstäben werden auch in Zukunft dazu führen, dass Großveranstaltungen selbst unter günstigen Bedingungen kaum stattfinden können, weil sie nur sehr kurzfristig planbar sind. Das muss sich ändern. Wie schwer das sein wird, zeigen die Vorabsprachen der Staatskanzleichefs in dieser Woche. Sie sollen den Weg für ein Umsteuern ebnen - früher als geplant.

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Eintracht Frankfurt gegen AS Saint Étienne live im hr

Der Hessische Rundfunk zeigt das Testspiel von Eintracht Frankfurt gegen Saint Étienne am 31. Juli (15.30 Uhr) live im hr-fernsehen sowie im Stream auf hessenschau.de.

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In einer Bund-Länder-Runde mit der Kanzlerin im August muss eine zentrale Frage beantwortet werden: Welche Rolle sollen die Sieben-Tage-Inzidenzen noch spielen? Für einige Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen verlieren sie an Aussagekraft, je mehr Menschen geimpft sind.

"Die 35er-Grenze ist überholt"

Und daraus ergibt sich eine zweite Frage: Warum sollen Menschen, die sich auch mit Blick auf die Fankurven impfen lassen, in einen Topf geworfen werden mit Menschen, die das nicht tun? Am Ende bleibt das Dilemma, dass zwischen beiden Gruppen ein neuer Riss entsteht, der auf jeden Fall vermieden werden muss.

Das geht aber nur, indem die Politik an einer anderen Stellschraube dreht: an der Sieben-Tage-Inzidenz. Wenn das Robert-Koch-Institut trotz vieler Bedenken an diesem Wert als Leitindikator für die Infektionsdynamik festhalten will, dann müssen sich Bund und Länder eben auf neue Grenzwerte einigen, die realistisch sind und daneben auch das tatsächliche Überlastungsrisiko im Gesundheitssystem einbeziehen. Sprich: Sie sollten die Grenzwerte auf ein vertretbares Maß anheben.

Die 35er-Grenze ist in vielen Bereichen überholt. An dieser Stellschraube zu drehen, schafft Planungssicherheit – nicht nur für die Eintracht und St. Etienne. Wenn Grüne schwarz sehen und die Eintracht rot, sollte das allen zu denken geben.

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