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Audioseite Nicole Rathgeber wird neue Landrätin im Werra-Meißner-Kreis

Nicole Rathgeber vor Wappen

Nicole Rathgeber wird neue Landrätin im Werra-Meißner-Kreis - für viele eine Überraschung. Die 38-Jährige ist erst seit einem Jahr politisch aktiv und lässt erfahrene Politiker hinter sich. Wie ist das möglich?

"Ich kann es immer noch nicht begreifen", sagt Nicole Rathgeber. Als die 38-Jährige aus Wanfried vor gut einem Jahr angefangen hat, politisch aktiv zu werden, konnte keiner absehen, wo das hinführen würde. Dann gewinnt sie am Sonntag die Stichwahl zur Landrätin des Werra-Meißner-Kreises mit 59,7 Prozent der Stimmen gegen den Kreistagsvorsitzenden und langjährigen Bürgermeister von Berkatal, Friedel Lenze (SPD).

Im Wahlkampf habe sie immer an sich geglaubt, auch wenn sie in der Politik noch keine Erfahrung gemacht habe, erzählt Rathgeber. "Ich habe zwölf Jahre Verwaltungs- und Führungskompetenz, ich schaffe das schon", habe sie von Anfang an gedacht. Die Volljuristin arbeitet derzeit als Teamleiterin der Akademiker- und Studierenden-Beratung in der Agentur für Arbeit in Kassel.

Überraschendes Wahlergebnis?

Auf den ersten Blick wirkt es erstaunlich, dass ausgerechnet die Kandidatin gewinnt, die auf keine langjährige Politikkarriere zurückblickt. Außerdem ist sie von den Freien Wählern, einer Partei, die im Kreistag zwar vertreten ist, jedoch mit 6 von 61 Sitzen nicht zu den stärksten gehört. Für den Kasseler Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder war das Ergebnis absehbar.

Da der Amtsinhaber Stefan Reuß (SPD) nicht zur Wahl angetreten sei, habe es folglich keinen Amtsinhaberbonus gegeben. Dadurch sei das Rennen offen gewesen. Rathgeber habe schließlich bei den Wählern durch ihre Persönlichkeit punkten können. Zudem sei es ihr gelungen, die Wähler der im ersten Wahlgang unterlegenen Kandidaten inhaltlich anzusprechen. Sie stehe für frischen Wind, ihre Parteizugehörigkeit sei eher zweitrangig gewesen.

Nicole Rathgeber und Stefan Reuß geben sich die Hand

 

Dennoch bezeichnet Schroeder ihren Wahlsieg als Zäsur, denn "der Werra-Meißner-Kreis wurde jahrzehntelang von der SPD dominiert, und jetzt wird erstmals in Hessen eine Kandidatin der Freien Wähler Landrätin."

Authentizität punktet

Ihren Wahlsieg erklärt sich Rathgeber selbst damit, dass sie authentisch auf die Menschen im Werra-Meißner-Kreis zugegangen sei. Auch Engin Eroglu, Landesvorsitzender der Freien Wähler Hessen, hält Rathgebers Art für ausschlaggebend. Eine "junge, leidenschaftliche Frau, die anpacken kann" habe die Wähler vor Ort überzeugt.

Eroglu betont, dass es sich bei dem Wahlsieg um einen persönlichen Sieg Rathgebers handle - und nicht um einen der Partei. Die habe sie zwar im Hintergrund unterstützt, aber letztlich sei Rathgeber als Person überzeugend gewesen. Die Stimmung in der Partei beschreibt Eroglu als "fantastisch".

Viele neue Aufgaben

Mit dem Amtsantritt im Januar kommen viele neue Aufgaben auf Rathgeber zu: Sie wird unter anderem Chefin einer Kreisbehörde mit rund 600 Mitarbeitern, Aufsichtsratsvorsitzende und Mitglied diverser Gremien. Amtsinhaber Reuß sieht ein weiteres Thema auf sie zukommen, das herausfordernd sein könnte: "Ebenso ist die Corona-Krise mitten in der vierten Welle. Hier muss sie sich ebenso einarbeiten und steuern, da ihr das Krisenmanagement obliegt."

Reuß versichert seiner Nachfolgerin eine reibungslose Amtsübergabe. Er wolle ihr in der kommenden Zeit die Amtsgeschäfte konstruktiv übergeben.

Dieses Angebot nehme sie gerne an und wolle von Reuß und seiner Arbeit profitieren, sagt Rathgeber. Sie habe Respekt vor der Tätigkeit, sei sich aber von Anfang an bewusst gewesen, was auf sie zukomme. Aber mit Vertrauen in sich selbst und in die Menschen, die sie unterstützen, werde sie das Amt meistern.

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