Ein Schild mit der Aufschrift "Teststelle Covid-19". Im Hintergrund unscharf Menschen in weißen Kitteln.

Maßvoll handeln kann auch in der vierten Welle der Pandemie angebracht sein. Aber durch ihr "Schaun mer mal" vermittelt die Landesregierung den Eindruck, dass ihr nichts mehr einfällt.

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Ja, Staatskanzleichef Axel Wintermeyer (CDU) hat recht: In weiten Teilen von Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen liegen die Corona-Inzidenzen doppelt oder sogar dreimal so hoch wie in Hessen, dort besteht also mehr Druck zum Gegensteuern als hier.

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Portrait von Stephan Loichinger. Daneben steht "Meinung".

Stephan Loichinger
hessenschau.de

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Und ja, auch maßvoll handeln kann in dieser vierten Welle der Pandemie angebracht sein. Immerhin zwei Drittel der Hessinnen und Hessen sind vollständig geimpft, es gibt an Schulen ein etabliertes und funktionierendes Testsystem, kein Mensch wünscht sich mehr einen Lockdown zurück - und eigentlich kann es auch niemand mehr hören: das Gerede um Corona, die Mahnungen zum Abstandhalten und Masketragen, die Debatte um die eingeschlafene Impfkampagne, die Warnungen vor einer Überlastung des Gesundheitssystems. Vielleicht geht es auch den Politikern so.

Aber es hilft ja nichts: Kinder unter zwölf Jahren können sich hierzulande offiziell und grundsätzlich noch nicht impfen lassen, sind also gefährdeter als andere. In den Krankenhäusern füllen sich wieder die Betten mit Covid-Patienten, das belastet das Pflegepersonal, die Ärzte und in finanzieller Hinsicht auch die Krankenkassen, also letztlich uns alle.

Das alles möglichst vermeiden zu helfen, darin liegt ja der solidarische Gedanke in den Appellen zum Impfen. Sich eine - nach allem, was man weiß, fast immer unbedenkliche - Spritze gegen Corona geben zu lassen, ist eben keine Entscheidung, die jede und jeder allein für sich trifft.

Und so legt die Landesregierung in ihrer verlängerten Corona-Schutzverordnung maßvoll nach und ordnet immerhin eine tägliche Testpflicht für ungeimpftes Pflegepersonal an - angebracht wäre eine Impfpflicht in diesem extrem sensiblen Bereich. Was aber passiert, wenn die Zahl der Intensivbetten mit Covid-Patienten die von ihr selbst als kritisch festgelegte Marke von 200 erreicht, sagt die Regierung seit September nicht. Das entscheide man dann, sagte Wintermeyer am Mittwoch.

Zu verstehen ist das nicht, auch wenn die Marke so tief gesetzt ist, dass nicht gleich alle Krankenhäuser überlaufen. Denn erstens sollte sich in den vergangenen eineinhalb Jahren gezeigt haben, dass eine klare Kommunikation im Kampf gegen die Pandemie hilft. Zweitens müssten die Instrumente dank früherer Eskalationsstufen in der Schublade liegen. Drittens vermittelt die Landesregierung durch ihr "Schaun mer mal" den Eindruck, dass das mit Corona irgendwie nicht mehr so wichtig ist. Und viertens lenkt es den Fokus darauf, dass Schwarz-Grün genau genommen auch nichts mehr einfällt, um Leute dazu zu bringen, sich impfen zu lassen - um diese Pandemie endlich mal abzukürzen.

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