Quantez Robertson

Der eine Letzter, der andere Vorletzter: Mit den Skyliners Frankfurt und den Gießen 46ers droht gleich beiden hessischen Clubs der Abstieg aus der Basketball-Bundesliga. Die Vorkehrungen sind ähnlich - die Gedanken an die mögliche Zweitklassigkeit hingegen komplett verschieden.

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Bittere Skyliners-Niederlage in Heidelberg

Skyliners Frankfurt Will Cherry
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Es herrscht Krisenstimmung bei den hessischen Basketball-Bundesligisten. Die Gießen 46ers als 17. und die Skyliners Frankfurt als 18. liegen nach mehr als zwei Dritteln der Saison in der Tabelle mit jeweils nur sechs Siegen auf den beiden Abstiegsplätzen. "Das wäre sehr schlimm, wenn es beide treffen würde", sagt Sebastian Schmidt, der Geschäftsführer und Sportdirektor der Mittelhessen.

Gab es für das Team von Cheftrainer Pete Strobl zuletzt einen Hoffnungsschimmer, als es sich am Samstag mit 88:75 gegen den 16. aus Oldenburg durchsetzte, ist die Situation bei den Frankfurtern durch die 65:71-Niederlage am Dienstag in Heidelberg noch schwieriger geworden.

Skyliners Frankfurt am Sonntag in Bamberg

Nur noch acht von insgesamt 34 Partien stehen für die Skyliners bei sechs Punkten Distanz zum rettenden Ufer aus, die nächste am Sonntag (15 Uhr) in Bamberg. Der Klassenverbleib ist wenig wahrscheinlich, aber rechnerisch weiterhin möglich. Das Team soll sich nach Aussagen von Geschäftsführer Yannick Binas deshalb darauf konzentrieren, alles zu geben, um den Absturz zu verhindern.

Doch die Verantwortlichen hinter den Kulissen setzen sich zweieinhalb Wochen vor dem Abgabetermin für die Lizenzunterlagen am 19. April bereits mit dem Szenario Pro A auseinander. Es wäre der erste Abstieg des Meisters von 2004 in seiner seit 1999 währenden Bundesliga-Geschichte am Main. "Wir haben alle Register gezogen", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Gunnar Wöbke. Aber: Nichts hat bislang geholfen, um die Leistung des offensivschwächsten Teams der Liga zu stabilisieren.

Pläne für die Pro A liegen bereit

Mit "einem sechsstelligen Betrag" über dem eigentlichen Budget wurde der von Beginn an nicht konkurrenzfähige Kader mehrmals aufgerüstet. Der im Sommer geholte Trainer Diego Ocampo, dessen Schwerpunkt auf der Spielerentwicklung liegen sollte, musste vor zwei Wochen gehen. Das späte Engagement des Italieners und erfahrenen Retters Luca Dalmonte, dessen Philosophie allein von Punktgewinnen bestimmt ist, hat sich nach zwei Auftritten noch nicht ausgezahlt.

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Skyliners holen Dalmonte

Luca Dalmonte
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Allein dem langjährigen Co-Trainer Klaus Perwas war es bei seinem Intermezzo an der Seitenlinie in Braunschweig gelungen, die Mannschaft zum ersten Sieg seit dem 2. Januar in Gießen zu führen. "Wenn der Betriebsunfall Pro A passieren würde, würden wir ihn so schnell wie möglich zu korrigieren versuchen", sagt Binas. Er sei zuversichtlich, dafür über das notwendige Budget zu verfügen. Es gebe Partner, die auch in der Zweitklassigkeit treu blieben.

Völler würde bei Skyliners-Abstieg gerne bleiben

Aus dem bisherigen Kader wären laut Manager Sport Marco Völler, der selbst gerne bleiben würde, nur noch Nachwuchsspieler gebunden. Bei der Suche nach den Gründen für "die schleichende Abwärts-Entwicklung" des Europe-Cup-Siegers von 2016 nimmt Binas die Stadt Frankfurt in die Pflicht. "Unsere Situation ist auch ein Ausdruck davon, dass sich das Thema Arena seit Jahren hinzieht."

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Löwen Braunschweig - Skyliners Frankfurt

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Man benötige eine Spielstätte mit ausreichend Vermarktungsmöglichkeiten, "um uns zukunftsfähig aufstellen zu können" und Partner nicht immer wieder vertrösten zu müssen. Zuletzt war in die Diskussion neuer Schwung gekommen, als Sportdezernent Mike Josef Pläne für einen Bau am Stadion und damit eine dritte Alternative zum Projekt "The Dome" und der Arena am Kaiserlei, die die Skyliners selbst hochziehen wollen, präsentierte.

Völlig unvorhergesehener Saisonverlauf bei den 46ers

In Gießen hemmen laut Geschäftsführer Schmidt, der erst im Sommer sein Amt antrat, ähnliche Probleme das für eine nachhaltige Bundesliga-Zukunft erforderliche Wachstum: "Wir spielen in einer umgerüsteten Schulsporthalle." Entsprechend begrenzt seien im Vergleich zur Konkurrenz die Mittel. Die aktuelle Saison habe man sich trotzdem ganz anders vorgestellt.

Bereits 2021 waren die 46ers sportlich abgestiegen, aber mittels Wildcard in der BBL geblieben. Dort habe man unter dem neuen Cheftrainer Strobl "einen soliden Kader zusammengestellt", sagt Schmidt. Verletzungsprobleme und Corona-Erkrankungen blieben nicht aus. Zudem bat der starke Scorer und Small Forward BJ Blake nach zehn Spielen um Freistellung, nachdem sein Bruder in den USA erschossen worden war.

Direkter Wiederaufstieg? "Sehr schwierig"

Zuvor war der ehemalige NBA-Profi und Shooting Guard Rawle Alkins nach nur zwei Partien von den Riesen Ludwigsburg abgekauft worden. "Das zeigt, wo wir stehen", sagt Schmidt. Die Fans, von denen lange Zeit nur 170 zu den Heimspielen kommen durften, wurden schmerzlich vermisst.

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Sebastian Schmidt: "Keine Weltuntergangsstimmung"

Sebastian Schmidt, Geschäftsführer der Gießen 46ers
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Vor dem Duell an diesem Samstag (18 Uhr) in Heidelberg sieht Schmidt die Lage nicht als aussichtslos an. Die Gießener haben noch zehn Spiele zu absolvieren, mehrere davon gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. "Das Licht würde bei uns nicht ausgehen", betont der Manager. "Aber ein Wiederaufstieg wäre sehr schwierig."

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